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Kommandant Manfred Kordick (re.) und seine Kameraden von der  Feuerwehr Erding wundern sich über die Drohungen.

Helfern mit Anzeige gedroht

Erding - Seit 26 Jahren ist Manfred Kordick Feuerwehrler. Doch das, was ihm unlängst widerfahren ist, hat der 41-Jährige noch nie erlebt: Nach einem Löscheinsatz wurde der Kommandant der Feuerwehr Erding vom Bewohner bedroht.

Es war ein heißer Montagmittag, als bei der Integrierten Leitstelle in Erding ein 112-Notruf eingeht. „Bei meinem Nachbarn brennt’s im Garten. Alles ist voller Qualm.“ Der Disponent alarmiert die Freiwillige Feuerwehr Erding. Die rückt sofrrt zu dem Reihenhaus in der Innenstadt aus. „Bei solchen Fällen ist immer ein kompletter Löschzug unterwegs“, schildert Kommandant Manfred Kordick. Er fährt im Einsatzleitwagen voraus, hinter ihm folgen ein Löschfahrzeug und die Drehleiter.

Kordick ist der erste am Brandherd und wird vom Nachbarn empfangen. „Man hat schon von außen gesehen, dass ein Grill brennt“, erinnert sich der Vater dreier Kinder. „Ich bin übers Gartentürl gesprungen. Auf dem Grill lagen mehrere Holzscheite, die gar nicht richtig brannten, dafür jede Menge Qualm verbreiteten.“ Der Löscheinsatz – für den erfahrenen Retter ein Kinderspiel: „Mit einer Gießkanne habe ich den Grill gelöscht, das hat nicht mal eine Minute gedauert.“ Seine Kameraden seien gleich in ihren Fahrzeugen sitzen geblieben. Der Bewohner war nicht zu Hause. „In solchen Fällen hinterlassen wir eine Mitteilung, dass und warum wir da waren.“

Für Kordick war der Fall damit erledigt – reine Routine. Am selben Abend taucht der Bewohner an der Feuerwache auf. Er verlangt lautstark nach dem Kommandanten. „Ich war aber gar nicht da.“ Vielleicht sein Glück, denn seine Kameraden berichten ihm, dass der Mann mit Schlägen gedroht habe. Tags drauf ist er noch einmal am Gerätehaus, verdrückt sich dann aber wieder. Er hinterlässt nur den Hinweis: „Euern Chef zeige ich wegen Hausfriedensbruch an.“

Gut möglich, dass der „Brandleider“ sein Mütchen anderswo gekühlt hat. Bei der Polizei in Erding ist bislang nämlich keine Anzeige eingegangen. Inspektionsleiter Anton Altmann sagt: „Das kann er ruhig machen.“ Er würde die Anzeige dann an die Staatsanwaltschaft weiterleiten – „allerdings mit dem Hinweis, dass hier von einem unberechtigten Zutritt keine Rede sein kann“. Schließlich habe es sich um einen Löscheinsatz gehandelt.

Nicht zum ersten Mal wurde Kordick mit juristischen Folgen eines Einsatzes gedroht. „Vor ein paar Jahren wollte uns mal einer anzeigen, weil wir sein Auto aufgeschnitten hatten, nachdem der Fahrer bei einem Unfall eingeklemmt worden war“, erzählt der Feuerwehrchef. „Wir haben’s nicht weiter ernst genommen, der gute Mann hatte einen Schock.“ Alltäglich sind Beleidigungen, wenn die Einsatzkräfte Straßen nach Unfällen oder wegen Umzügen sperren müssen. „Da kannst du dir alles anhören.“ Kordick lässt sich nicht beirren. Er bleibt bei der Feuerwehr – ehrenamtlich in Erding, hauptamtlich bei der Berufsfeuerwehr München.

Hans Moritz

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