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Hunderte Zuschauer verfolgten in den 1960er Jahren die Herbstfestrennen. Unser Bild aus dem Jahr 1962 zeigt die vielen Besucher am Rand der Bahn. Einen Zaun gab es damals offensichtlich noch nicht.

111 Jahre Rennverein Erding 

Alles gerichtet fürs Schnapszahl-Jubiläum

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Der Rennverein Erding wird in diesem Jahr 111 Jahre alt. Am Sonntag, 27. August, veranstaltet er wieder sein Herbstfestrennen – zum mittlerweile 28. Mal. Doch das Turnier zu organisieren, wird immer schwieriger.

Erding– Noch ist das Feld in den Geislinger Ängern, hinter dem Eisstadion, eine einfache Hundewiese. Nichts deutet darauf hin, dass hier in einer Woche Pferderennen ausgetragen werden. Denn bis es so weit ist, wartet auf Anette Vogt und ihr Team vom Rennverein Erding noch jede Menge harte Arbeit.

Diese beginnt am kommenden Donnerstag, wenn der Richterturm aufgebaut wird. Die schmiedeeisernen Teile kommen per Anhänger. Danach wird die Bahn hergerichtet: Die vielen Löcher müssen aufgesandet und verdichtet werden. Der Zaun wird Teil für Teil zusammengesteckt, bevor die Rennbahn gewalzt wird. Am Sonntagmorgen schließlich bauen die Helfer Bewirtungszelte, Meldestelle und freilich die vielen glänzenden Pokale auf.

Mehr als ein Dutzend Pferdefreunde, von ganz jungen Vereinsmitgliedern bis zu den Altgedienten, die diese Arbeiten schon seit Jahrzehnten machen, sind auf den Beinen, um beim Aufbau zu helfen. Auf diese Unterstützung ist Vogt sehr stolz: „Da sind so viele dabei, die das wirklich mit Herzblut machen.“

Gegründet am 18. Dezember 1906

Zum 28. Mal findet das Herbstfestrennen heuer statt. Den Rennverein selbst gibt es schon sehr viel länger – seit genau 111 Jahren nämlich. Aus den Unterlagen geht hervor, dass er am 18. Dezember 1906 gegründet wurde – damals noch als „Rennkonsortium“, in den 1950er Jahren wurde er zum e.V.

Anlässlich dieses Schnapzahl-Jubiläums hat der Verein eine Chronik erstellt, die pünktlich zum Renntag aus der Druckmaschine kommt. Zahlreiche Infos und Fotos darin stammen vom bereits verstorbenen Ehrenvorstand Siegfried Auer, der den Verein von 1949 bis 1990 geführt hat. Aus diesem Material, das sein Sohn Albrecht quasi als Vermächtnis seines Vaters dem Rennverein überlassen hat, ist die Chronik entstanden.

Vor imposanter Zuschauerkulisse, mit dem Festzelt im Hintergrund, treten diese Traber zum Rennen an. Das Jahr, aus dem dieses Foto aus der Vereinschronik stammt, konnte nicht mehr ermittelt werden.

„Früher hat es in Erding auch schon Pferderennen gegeben, wenn auch nicht mit einem Anlass wie dem Herbstfest kombiniert“, erzählt Vogt von ihren Recherchen darin. Meist habe ein Sommer- und ein Winterrennen stattgefunden, letzteres mit Pferden, die Sportler auf Skiern zogen. „Früher waren die Rennen auch mit einem Einzug vom Schrannenplatz kombiniert, mit Taferlbuben und seidenen Fahnen. Danach gingen alle in die Wirtschaft“, erzählt Vogt.

Während des Krieges ruhten auch beim Rennverein die Aktivitäten. „Und 1969 haben die Rennen aufgehört, weil das Schwimmbad gebaut wurde“, berichtet Vogt. Erst 1990 nahm der Verein die Tradition wieder auf – und zwar im Rahmen des Herbstfestes. Siegfried Auer hatte aus gesundheitlichen Gründen zwar abgedankt, aber beim Wiederaufbau der Rennen noch tatkräftig mitgeholfen. Treibende Kraft damals war Josef Ehrenthaler, der den Verein von 1990 bis 2006 führte. Er steht Vogt noch heute mit Rat und Tat zur Seite. Sie löste im Jahr 2012 Ferdinand Kleitner ab, der sechs Jahre lang Vorsitzender war.

Meldungen für die Rennen noch möglich

Auch wenn das Herbstfestrennen die publikumsträchtigste Veranstaltung des Rennvereins ist: Es ist nicht die einzige, die die aktuell 316 Mitglieder das ganze Jahr über organisieren. Ein Schafkopfturnier, ein Ausflug im Sommer, das Hammelessen am Kirchweihsonntag und der Kirchweihmarsch zu einer Wirtschaft in der Region gehören dazu.

„Noch sind Meldungen für sämtliche Rennen möglich“, sagt Vogt und macht Werbung dafür, immerhin winken den Besten Geldpreise. Für Vorläufe, Trost- und Entscheidungslauf sowie das offene Trabrennen müssen sich die Teilnehmer direkt beim Hauptverband für Traberzucht anmelden. Kommenden Montag, 21. August, ist Nennungsschluss. Erst dann erfährt der Rennverein, wie viele Traber an den Start gehen werden. Und erst dann können die Programmhefte mit den Namen der Teilnehmer in den Druck gehen.

Nicht einmal spekulieren könne man vorab, wie viele Traber es wohl sein werden, sagt Vogt. Denn ausgerechnet am nächsten Wochenende sind in der Region zwei weitere Trabrennen: Am Samstag in Oberstimm bei Ingolstadt und direkt am Sonntag auf der Trabrennbahn in München/Daglfing. „Es gibt allgemein immer weniger Pferde, und die teilen sich an solchen Renn-Wochenenden dann auch noch auf“, sagt Vogt.

„Kein Vereinsfahren – das wäre tragisch“

In der Regel finden in Erding drei Vorläufe statt, bei jedem gehen rund sieben Pferde an den Start. Hinzu kommen maximal fünf Pferde, die im offenen Trabrennen antreten und später im Vereinsfahren zur Verfügung gestellt werden. Zusammengerechnet wären also mindestens 26 Nennungen nötig, um alle Rennen wie geplant abhalten zu können.

„Es wäre schon tragisch, wenn es kein Vereinsfahren geben würde“, sagt Vogt. Immerhin kämpfen darin nur Mitglieder des Rennvereins um den nach dem Ehrenvorsitzenden benannten Siegfried-Auer-Gedächtnispokal. „Doch wir haben leider keinen Einfluss darauf, wie viele Traber sich melden“, bedauert Vogt.

Das gilt auch für die Galopper und Ponys, die traditionell im Rahmenprogramm antreten. „Es ist jedes Jahr eine Überraschung, wie viele kommen“, berichtet Vogt. Wer mitmachen will, meldet sich ebenfalls bis Montag bei Vogt, Tel. (0 81 22) 90 21 89.

Glückspferd in der Dirndltasche

Apropos Rahmenprogramm: Auch heuer fehlt dabei freilich die Hutprämierung nicht.

Jetzt muss am ersten Herbstfestsonntag eigentlich nur noch das Wetter mitspielen. Dabei hat der Rennverein so ziemlich jede Witterung, die im August eben möglich ist, schon erlebt: von tropischen Temperaturen bis zu Dauerregen und nasser Bahn.

Das gläserne Glückspferd hat Anette Vogt beim Herbstfestrennen immer in der Dirndltasche.

Größere Unfälle hingegen seien glücklicherweise noch nicht passiert, freut sich Vogt. Sie hat für das nötige Quäntchen Glück immer einen Talisman dabei: ein kleines Pferdchen aus Glas von einem Glasbläser im Bayerischen Wald. Das „Rennverein-Glückspferd“ trägt sie beim Herbstfestrennen immer in der Dirndltasche.

Das Herbstfestrennen des Rennvereins Erding beginnt am Sonntag, 27. August, um 14 Uhr auf den Geislinger Ängern. Der Eintritt kostet drei Euro.

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