+
Läuft bei ihm: Klaus Richter ist Festwirt auf dem Erdinger Herbstfest. Seine Familie führt das Stiftungszelt seit 46 Jahren. 

78. Erdinger Herbstfest 

Klaus Richter: Festwirt aus Tradition

  • schließen

Kontinuität ist wichtig, aber man lernt nie aus. Das ist das Credo von Klaus Richter. Der 43-Jährige ist seit über zehn Jahren offiziell Festwirt im Zelt der Stiftungsbrauerei auf dem Erdinger Herbstfest – aber eigentlich schon viel länger. Am Freitag, 31. August, geht’s wieder los.

Erding– Viele können es kaum erwarten, dass am Freitag, 31. August, das 78. Erdinger Herbstfest beginnt. Einer, der seit vielen Jahren Tag für Tag dabei ist, ist Klaus Richter, Festwirt im Stiftungszelt.

„Mein Opa Ferdl Römersperger hat vor über 50 Jahren mit dem Geschäft angefangen“, erzählt Richter. „Damals gab es noch nicht so viele Festwirte, und die guten waren gefragt.“ Im niederbayerischen Plattling ist die Familie zuhause. Ferdl Römersperger wurde vor 46 Jahren Festwirt in Erding, mittlerweile ist die dritte Generation federführend im Stiftungszelt. „Ich bin damit groß geworden“, sagt Richter. „2005, nach dem Tod der Mutter, habe ich dann übernommen.“ Eigentlich sei der Übergang aber fließend gewesen. „Auch der Opa hat bis zum Schluss mitgearbeitet.“

Die Familie Römersperger-Richter blickt nicht nur in Erding auf eine lange Tradition zurück. Ob beim Tänzelfest in Kaufbeuren („Da sind wir schon über 50 Jahre“), auf verschiedenen Volksfesten wie Plattling und Schwabmünchen oder auf der Maiswiesn in Burghausen („Da waren wir Gründungsmitglied“): Die Familie ist fast das ganze Jahr über im Festwirt-Einsatz.

„Man kann sich auf uns verlassen“

Warum die Veranstalter so viel Vertrauen in die Familie haben, bringt Richter auf einen einfachen Nenner: „Wir sind berechenbar, man kann sich auf uns verlassen.“ In den 2000ern sei in vielen Städten und Gemeinden der Ruf nach einem einheimschen Festwirt laut geworden: „Aber das hat nicht jeder im Kreuz“, stellt Richter unmissverständlich fest. „Es ist ein enormer finanzieller Vorlauf notwendig, und auch sonst hängt viel dran.“

Würde ein Wirt nur bei einem Fest im Jahr im Einsatz sein, müsse er viel an Ausrüstung dazu mieten, und dann sei fraglich, ob noch was hängen bleibe. „Denn schließlich will man ja als Festwirt auch was verdienen“, sagt der 43-Jährige. Mit der Stadt Erding habe sich über die Jahrzehnte ein Vertrauensverhältnis entwickelt – nach dem Motto: „Bekannt und bewährt“.

Aber nicht nur die Stadt als Veranstalter brauche Kontinuität. „Auch wir als Wirte, denn mit der Zeit kennst du deine Gäste und ihre Bedürfnisse. So kannst du immer wieder optimieren.“ Das gilt auch oder vor allem für die Speisekarte. Da gibt es heuer einen neuen Mehlspeisen-Hit: das Kaiserschmarrn-Brettl. „Das ist ungefähr ein Kilo Kaiserschmarrn und für sechs Personen gedacht“, erzählt der Wirt. „Wir haben das zuletzt auf verschiedenen Festen angeboten, und es hat sich zum Renner entwickelt.“

Auch im Service dreht Richter immer wieder an den Stellschrauben, um den Ablauf zu verbessern. Das Team versuche vor allem, lange Wartezeiten zu vermeiden. „Das Problem ist halt, dass die Bedienungen bei der Ausgabe anstehen müssen und dann einen Tisch nach dem anderen versorgen“, weiß der Festwirt. „Da kann es in Stoßzeiten schon mal länger dauern.“ Heuer gebe es deshalb drei Ausgabestellen fürs Essen. „So sollen die Bedienungen möglichst schnell durchgeschleust werden“, sagt Richter: „Wir wollen schauen, dass wir in den Wahnsinn System reinbringen.“

170 Leute sind jeden Tag im Einsatz

Das ist bei gut 3500 Plätzen gar nicht so einfach. Allein im Stiftungszelt sind an den zehn Festtagen 170 Leute im Dauereinsatz. Dazu zählen auch die Sicherheitskräfte. „Überspitzt gesagt: Wir können keine Terrorabwehr betreiben“, sagt Richter: „Wir werden aber unser Möglichstes tun.“ So habe man die bewährten Securitys gebucht und werde erstmals Videoüberwachung einsetzen. Der Wirt verspricht aber: „Die Daten werden streng vertraulich behandelt und nur an die Polizei weitergegeben, wenn es der Aufklärung einer Straftat dient. Nach dem Herbstfest wird alles wieder gelöscht.“

Und was macht der Festwirt, wenn das Herbstfest vorbei ist? „Ich sitze auch gerne mal auf der anderen Seite des Tresens und genieße“, bekennt Richter. „Außerdem ist es immer interessant, zu schauen, was die Kollegen wie machen.“ Letztlich sei der Betrieb eines Festzelts nämlich „kein einzelnes, großes Ding, sondern es sind zigtausend Kleinigkeiten“.

Die nächste Generation der Richters steht bereits in den Startlöchern. Klaus Richter und seine Frau Cornelia Lechner haben zwei Kinder, Tochter Johanna (8) und Sohn Felix (4). „Das ist für meine Frau jetzt gar nicht so einfach, alles für die Schule vorzubereiten, denn die fängt sofort nach dem Erdinger Herbstfest an“, sagt Richter. „Aber eigentlich sind wir es gewohnt.“ Auf die Frage, ob die Kinder dann eines Tages in die Fußstapfen der Eltern treten und die jahrzehntelange Familientradition fortführen sollen, meint der Festwirt lachend: „Die sollen was G’scheids lernen.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schüler (10) von Auto erfasst
Ein zehn Jahre alter Schüler ist von einem Auto erfasst worden. Der Unfall ereignete sich bei der Herzog-Tassilo-Realschule.
Schüler (10) von Auto erfasst
Maximale Ausbeute für Gladiators
Vorletztes Wochenende hatten die Erding Gladiators null Punkte geholt, waren aber nur um einen Platz in der Tabelle abgerutscht. Vergangenes Wochenende klappte es mit …
Maximale Ausbeute für Gladiators
Segen für Engagierte
Am Sonntag wurde traditionsgemäß beim Adventsgottesdienst der neue Kirchenvorstand der evangelischen Kirche eingeführt.
Segen für Engagierte
Rein ins 5,8 Grad kalte Nass
Rein ins 5,8 Grad kalte Nass

Kommentare