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Seit 54 Jahren Seite an Seite, seit 50 Jahren auf dem Herbstfest: Hubert und Brigitte Rubenberger freuen sich auf die nächsten zehn Tage. In ihrer Käsealm verkaufen sie verschiedene Käse – und die begehrten Riesenbrezen. 

50 Jahre auf dem Erdinger Herbstfest 

Der Erfinder der Riesenbrezen

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Erding - Er ist ein Verkaufsstand mit Tradition: Seit 50 Jahren sind Hubert und Brigitte Rubenberger mit ihrem Käsestand auf dem Erdinger Herbstfest vertreten. Von Anfang an im Angebot: die Riesenbrezen – eine Erfindung des Bäckermeisters.

Fein geschnittenen Käse vom großen Laib – Emmentaler, Gouda, Leerdammer, selbst gemachter Obazda, verschiedene Frischkäse, Semmeln, Brezen in drei verschiedenen Größen, Bierstangerl: Hubert und Brigitte Rubenberger haben in ihrer Käsealm direkt neben dem Eingang ins Stiftungszelt ein großes Angebot. Das hat sich in den vergangenen 50 Jahren kaum verändert. Das Herbstfest dafür umso mehr. Nur eines ist seit einigen Jahren neu: Aus Rubenbergers weiß-blauem Brotzeitstand wurde die Käsealm – im gelb-braunen Almstil gehalten. „Es war kein Nachteil“, sagt Brigitte Rubenberger (77) zur Veränderung, auf die die Stadt gedrängt hatte. „Da hat man sich halt was Neues einfallen lassen.“

Vor einem halben Jahrhundert boten Rubenbergers sogar original fränkische Bratwürste an ihrem Stand an. „Das war was Besonderes“, erinnert sich der Bäckermeister. „Ich hab’ sie selbst aus Franken geholt.“ Damals habe es in den Festzelten noch kein großes Essensangebot gegeben. Bis 1970 verkaufte der heute 76-Jährige die Bratwürste. Seither gibt es nur noch Käse und Backwaren.

Der Renner in all den Jahren: die Riesenbrezen. Rubenbergers Erfindung, wie er sagt. „Ich hab’ einmal einen lichten Moment gehabt“, meint er mit einem Augenzwinkern: „Ich weiß gar nicht, wie ich drauf kommen bin.“ Bis dahin gab es nur doppelte Brezen. Die großen Brezen sind vierfache.

Heute beziehen Rubenbergers ihre Ware von der Bäckerei Weiß in Hallbergmoos und backen sie im Ofen im Stand selbst auf. So können sie stets frische Ware garantieren. Seit 2011 sind die Eheleute im Ruhestand. Am 29. Oktober vor sechs Jahren haben sie ihr Traditionsgeschäft an der Zollnerstraße in Erding zugesperrt. Seither können sie die Arbeit auf dem Herbstfest besser genießen. Es sei entspannter. Und: „Es ist auch Unterhaltung“, sagt Brigitte Rubenberger. „Jeder freut sich. Es schauen viele ehemalige Kunden vorbei“, erzählt sie. Und deren Kinder und Enkel. „Wir haben auch Herbstfest-Gäste aus Rosenheim, die sich vor dem Heimfahren drei bis vier Kilo Käse mitnehmen. Der schmeckt vom großen Laib einfach besser, weil er schöner reift“, weiß sie.

Heute sind weite Bereiche des Festplatzes asphaltiert. Vor 50 Jahren war das noch anders. „Früher war es Wiese und Kies. Da wenn’s geregnet hat, ist einer ums Sägmehl gfahrn, der andere um an Kies“, erinnert sich Hubert Rubenberger. So habe man die Pfützen wieder zugeschüttet. „Einmal haben wir sogar Brettl gelegt, wie in Venedig.“

Die Rubenbergers freuen sich aufs Herbstfest. Nur zu heiß sollte es nicht sein. Dann ist tagsüber weniger los. „Es ist eine gepflegte Atmosphäre. Und es sind immer gute Fahrgeschäfte da. Früher war das Wildeste die Zugspitzbahn.“ Hubert Rubenberger kann der lauten Musik im Zelt nichts abgewinnen. Da hält er es mit einem ehemaligen Kollegen, mit dem er einst in der Oktoberfestkapelle Eisenreich Posaune gespielt hat: „A guade Blaskapelle braucht koan Verstärker. Du musst dich unterhalten können.“

In der Käsealm herrscht Arbeitsteilung. „Jeder weiß, was er tun muss“, sagt Brigitte Rubenberger. Sie und ihr Mann sind täglich vor Ort: „Die Arbeit hält uns fit.“ Unterstützt werden sie von Sohn Hubert jun., der für die Produktion zuständig ist. Auf Enkelin Isabella und eine Verkäuferin ist ebenso Verlass. Und Sohn Michael hilft als Springer aus.

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