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Hier feiern ab Freitag 3400 Besucher: Im Weißbräuzelt herrscht zehn Tage lang Hochbetrieb. Dafür wurde drei Wochen lang aufgebaut.

Die Vorfreude steigt

„Es ist die schönste Zeit des Jahres“

Die Aufbauarbeiten vom Erdinger Herbstfest sind fast abgeschlossen. Doch wie viel Arbeit wirklich hinter der bekannten Veranstaltung steckt, wird erst auf den zweiten Blick klar.

Erding – „Nach Sinnflut ist vor dem Herbstfest.“ So sieht es Willi Müller, Aufbauleiter des Weißbräuzelts. Denn bevor jedes Jahr am letzten August-Freitag das Festbier angezapft wird, müssen Arbeiter, Schausteller und Geschäftsinhaber ihre Zelte, Stände und Fahrgeschäfte aufbauen. Ein Besuch.

„Von Null auf Volksfest sind es etwa drei Wochen“, sagt Müller, der sich auf das Erdinger Herbstfest jedes Jahr besonders freut: „Es ist eines der größten und wichtigsten Volksfeste in Oberbayern.“ Direkt nach dem Sinnflut-Abbau beginnen die Arbeiten an. Wenn alles steht, haben im Weißbräuzelt und dem Biergarten gut 4200 Menschen an 480 Tischen Platz.

Heimspiel ist immer besser

Kleiner ist das Café Palais, das heuer „Dangls Café- und Weinzelt“ heißt. Dort stehen jedes Jahr dutzende Menschen vor der Tür Schlange und warten darauf, dass drinnen einer der 200 Plätze frei wird. „Wir haben eine größere Getränkeauswahl, aber ein kleineres Fassungsvermögen als die Bierzelte. Da wird’s vor allem abends an Wochenenden schnell voll“, sagt Sebastian Kronseder. Er ist Veranstaltungsleiter der Dangl-Gastronomie und arbeitet seit zwölf Jahren im Café- und Weinzelt als Barkeeper. „Es ist die schönste Zeit des Jahres“, betont der 30-Jährige. Die schlimmste Zeit dagegen sei der Abbau: „Vor allem der Montag nach dem Volksfest ist sehr schlimm.“

Ein anderer Besuchermagnet ist die Drehbar von Christian Heigl. Heuer ist er zum vierten Mal dabei. „Es gibt auf der Wiesn eine Drehbar – und in Straubing. Also dachten wir: Warum nicht auch hier bei uns?“, erzählt der 34-Jährige, dem auch Heigl’s Bar in der Altstadt gehört. Und das hat funktioniert. Für den Aufbau braucht der Erdinger eine gute Woche. Auch auf dem Pfingstfest in Bad Kötzting in der Oberpfalz steht Heigls Drehbar jedes Jahr, aber in Erding ist er lieber: „Heimspiel ist immer schöner.“

Ein Fest für die ganze Familie

Auch Charly Stey, Inhaber der Mini Rallye um die Welt, ist gern in Erding: „Eigentlich kommen wir aus Landshut, aber meine Tochter arbeitet im Erdinger Krankenhaus. Das lässt sich gut verbinden.“ Vor allem die jüngsten Volksfestgänger freuen sich auf sein besonderes Fahrgeschäft: „Die Autos fahren nicht nur einfach im Kreis. Die Achterschleife und die verschiedenen Ebenen machen es aus“, sagt Stey. In nur einem Tag hat er seine Mini-Rallye aufgebaut.

Noch schneller ist Familie Diebold mit ihrem Schießstand Wilderer Alm. „In zwei Stunden ist alles startklar“, erzählt Susanne Diebold. Die Erdingerin und ihre Familie betreiben den Stand bereits seit über 35 Jahren. Kleinere Volksfeste findet sie zwar familiärer, doch „Erding ist ein Highlight mit seinem Feuerwerk und dem Kinderfestzug“. Hier kenne sie sehr viele Kunden und Kollegen. Seit sieben Monaten wird die Familie von Daisy begleitet, weil: „Ohne Hund geht gar nichts.“ Daisy wurde in Spanien gerettet, erzählt Diebold. Während des Herbstfestes wird die junge Hündin wegen der Lautstärke nicht im Schießwagen sein. „Das kommt aber noch, sie ist quasi in der Ausbildung zum Schausteller-Hund“, sagt Diebold lächelnd. Die Familie betreibt alle zwei Jahre auch das Kettenkarussell in Erding. Heuer allerdings nicht, heuer steht es in Freising.

Generationenübergreifend

Direkt neben der Wilderer Alm befindet sich der Wein- und Fischstand Hummer Harke, der in einem kleinen Zeltanbau hinter der Theke auch Platz für 25 Gäste bietet. Inhaber Alfred Harke ist bereits seit 22 Jahren auf dem Herbstfest. „Wir sind stolz auf das, was wir aufgebaut haben“, sagt der 59-Jährige.

Sein Erfolgsgeheimnis sei Qualität: „Du musst ordentliche Speisen und Getränke anbieten. Wenn du Billigwein und alten Fisch verkaufst, kommt keiner mehr.“ Während des Erdinger Herbstfestes bleibt Harkes Fisch- und Feinkostladen Am Gries übrigens geschlossen.

Eine Institution auf dem Herbstfest ist Familie Rilke. Seit 69 Jahren betreibt sie den Autoscooter und das Entenheben. „Obwohl das wirklich viel Spaß macht, ist der Schaustellerberuf kein Zuckerschlecken. Da muss man am besten reingeboren sein. Für Quereinsteiger ist es eher schwieriger“, sagt Gabi Rilke. Sie selbst führt den Familienbetrieb schon in zweiter Generation. Angefangen hatte alles nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihren Eltern Lydia (84) und Günther (93) Rilke. „Die Menschen waren damals ausgehungert nach Vergnügen“, erzählt Gabi Rilke.

Neu mit dabei

Seit Jahren ist das Herbstfest über Generationen hinweg beliebt. Heuer kommen auch die kleinsten Besucher auf ihre Kosten: beim Ponyreiten. Betreiber Dominik Bügler aus Bad Kreuznach und seine 14 Ponys sind zum ersten Mal dabei. „Wichtig ist, dass ich hier keinen Reitunterricht erteile. Das Ponykarussell „Goldener Westen“ soll lediglich der erste Berührpunkt zwischen Kind und Tier sein“, betont Bügler.

Besonders viel Wert legt er auf das Tierwohl und betont, es gehe den Ponys gut. Die Tiere arbeiten täglich drei bis vier Stunden und dürfen danach auf einer nahe gelegenen Wiese pausieren. In der Manege, in der sie ihre Runden drehen, wird regelmäßig die Richtung gewechselt, frisches Wasser steht bereit. „Wer trotzdem skeptisch ist, Fragen hat oder den Stall einmal sehen will, darf sich jederzeit an uns wenden“, bietet Bügler an.

Celina Eckert, Mayls Majurani und Olivia Rademacher

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