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Alles im Griff: die Schankkellner Martin Krüger (l.) und Reinhold Schäfer. 

77. Erdinger Herbstfest

Mittendrin und doch nicht dabei

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Zehn Tage geht es auf dem Erdinger Herbstfest rund. Überall herrscht Hochbetrieb. Es gibt aber auch Menschen auf der Wiesn, die praktisch mittendrin sind, aber so gut wie nichts mitkriegen: die Schankkellner.

Erding Sie gehören beim Erdinger Herbstfest quasi schon zum Inventar im Weißbräuzelt: die Schankkellner Martin Krüger (40) aus Erding und Reinhold Schäfer (50) aus Landersdorf. Schon als Buben fingen sie an, Weißbier aus der Flasche in die Steinkrüge zu füllen. „Ich bin seit 26 Jahren dabei, so lange Uwe Pianka Festwirt ist“, erzählt der selbstständige Gas-Wasser-Installateur Krüger. „Und mich hat damals mein Vater mitgenommen, der Kriaglwascher war“, erinnert sich Schäfer, der bei der Telekom angestellt ist. „Da habe ich ihm am Anfang geholfen, mit einem Eisenhackl die Krüge aus dem Wasserbottich zu fischen.“ Er steht seit 32 Jahren hinter der Schänke, erlebte noch Piankas Vorgänger Willi Dangl und Werner Krämer.

Damals wurde das Weißbier ausschließlich aus Flaschen ausgeschenkt – und so ist es auch heute noch. „Nur die Limo für den Russen kommt aus dem Fassl“, erzählen sie. Wie viele Flaschen pro Herbstfest durch ihre Hände gehen? „Wir haben mal versucht, sie zu zählen, hat aber nicht geklappt“, meint Krüger lachend. „Aber es glangt.“ Sie sind zusammen mit rund 50 weiteren Kellnern an zwei Schänken im Einsatz – mit Pausen zwischendurch.

Natürlich gebe es immer wieder mal lustige Episoden. „Die Bedienungen machen oft eine Gaudi“, sagt Schäfer. „Wenn die nicht da wären, würde es keinen Spaß macheng.“ Eine Attraktion sei einmal ein Baum in der Schänke gewesen. „Da wurde das Zelt erweitert, der Baum stand im Weg, durfte aber nicht abgeschnitten werden, also haben sie die Schänke um die Ecke drumrum gebaut“, erinnert sich Krüger. „Das war solch eine Attraktion. Da sind die Festgäste angestanden und wollten in die Schänke, um den Baum zu sehen.“

Aber auch unangenehme Vorkommnisse fallen den beiden ein. Früher, als es noch keine Security gab, seien im Zelt zwei Ordner unterwegs gewesen. „Wenn da gerauft wurde, hieß es: ,Schankkellner raus!’“, erzählt Schäfer. „Und dann haben wir halt für Ordnung gesorgt.“ Das Schlimmste aber sei gewesen, als vor zwei Jahren ein Pakistani vor der Schänke zusammengebrochen war. „Der rannte rein, fiel um und blutete aus dem Mund. Wir haben sofort Erste Hilfe geleistet, wir wussten ja nicht, was war“, sagen die beiden. Kurz darauf wurde der Mann verhaftet. Er hatte versucht, eine Frau zu vergewaltigen, diese hatte ihm die Zunge abgebissen. „Das war echt heftig.“

Was ist, wenn das Herbstfest vorbei ist? „Am Montag nehme ich frei, am Dienstag bin ich wieder in der Firma“, sagt Krüger schmunzelnd. Schäfer nimmt dagegen drei Wochen Urlaub, der mit dem Herbstfest beginnt. Aber eigentlich finden sie es gar nicht so anstrengend, „weil es einfach Spaß macht“.

Dass er vom Herbstfest quasi nichts mitbekommt, ist für Schäfer nicht schlimm. „Da ich aus Landersdorf bin, ist mein Fest das Dorfener Volksfest, da kenne ich viele Leute.“ Und Krüger ist ohnehin nicht so das Feierbiest. „Beim 120-Jährigen vom Weißbräu habe ich mir mal freigenommen, und da habe ich gemerkt, auf der Bank zu stehen ist überhaupt nicht meins.“ Noch dazu hätten seine Kellner-Kollegen ihm immer zugerufen: „Hey, du bist auf der verkehrten Seite!“ Er sitze lieber gemütlich bei einem Glas Wein.

Und wenn im nächsten Jahr der Festwirt wieder ruft, dann werden beide wieder hinter der Schänke im Weißbräuzelt stehen. Wie lange noch? „So lange es Spaß macht“, sagen die beiden lachend.

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