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Auf die Bierbänke und die Hände nach oben: Beste Stimmung herrschte vor allem an den Wochenenden im Weißbräuzelt. Dort hielt sich in erster Linie die junge Festgemeinde auf.

Erdinger Herbstfest-Bilanz 

Trotz weniger Umsatz sind fast alle zufrieden

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Erding - Recht friedlich verlief das 77. Herbstfest. Dass es keine Rekorde gebrochen hat, lag vor allem am Wetter. Stadt, Festwirte, Schausteller und Polizei sind trotzdem zufrieden. Mit einer Einschränkung.

„Es war ein ganz normales, friedliches Fest“, zog Oberbürgermeister Max Gotz ein positives Fazit. Er war an allen zehn Tagen auf dem Herbstfest, manchmal sogar mehrmals. „Wir müssen keine Rekorde brechen“, sagte er und sah die Arbeit der „unheimlich fleißigen Verwaltung“, was das Sicherheitskonzept betrifft, bestätigt. „Die Gäste haben sich sicher gefühlt.“ Besonders den Mitarbeitern des Ordnungsamtes, die an den Wochenenden im Dienst waren und auch die Kleingartenanlage kontrollierten, zollte Gotz Respekt.

Was ihn besonders freute: „Dass so viele junge Leute da waren, und viele Familien mit Kindern.“ Schließlich sei das Herbstfest in erster Linie ein Volksfest. Diese Botschaft habe man auch beim Preisgefüge vermittelt. Dagegen ärgern den OB die „unheimlich vielen Gläser und Maßkrüge, die die Heimwege gesäumt haben. Vielleicht müssen wir hier nachjustieren“. Hier müsse das Sicherheitspersonal noch aufmerksamer werden.

Hervorragend angenommen wurden wieder die Herbstfestbusse. Seit 1993 gibt es das Angebot in Erding, in den vergangenen Jahren haben immer mehr Nachbargemeinden nachgezogen. Die meisten Besucher nutzen übrigens die Busse von Hallbergmoos und Oberding kommend, wusste Gotz.

Hohe Platzmiete, weniger Bierumsatz

Nicht ganz zufrieden ist Uwe Pianka, seit 26 Jahren Festwirt im Weißbräuzelt. „Die stark verregneten Tage hamm uns sauber reigrissn“, bekennt er. So sei auch der Bierausschank im Vergleich zum Vorjahr (2016: 941,5 Hektoliter; alkoholfreie Getränke 287 hl) geringer ausgefallen. Die drei Gartentage am letzten Wochenende fehlen beim Umsatz. Auch wenn er keiner sei, der jammere, verweist er auf die hohen Sicherheitskosten. Auch die Platzmiete der Stadt sei hoch. „Mehr als zehn Prozent vom ganzen Umsatz ist kaufmännisch nicht mehr stemmbar“, sagt Pianka. Deshalb habe es heuer schon geschmerzt, „dass wir den Bierpreis nicht erhöhen durften. Die Ertragsspanne im Vergleich zu den immensen Kosten wird immer geringer“. Der 62-Jährige zählt zum Vergleich die Feste in Rosenheim und Straubing auf, wo die Mass Helles aus dem Container mehr als neun Euro koste.

120 Mitarbeiter – inklusive Sicherheitsdienst – beschäftige er in den zehn Herbstfesttagen, darunter allein 40 Schankkellner. Schließlich gibt’s im Weißbräuzelt viele Spezialbiere, die aus der Flasche eingeschenkt werden. „Qualität kostet Geld“, sagt Pianka. „Man muss froh sein, dass man Leute hat, die die Mettn mitmachen.“ Eine von ihnen ist Rosalinde Streicher. „Die Mutter aller Bedienungen“, wie Pianka sie nennt, wollte heuer nach 26 Jahren im Dienst eigentlich aufhören. Das Abschiedsgeschenk für die 68-Jährige war schon gekauft. Jetzt hängt die Niederneuchingerin doch noch ein Jahr dran, freut sich Pianka. Er selbst wird die Geschäfte 2018 an Sohn Mario (30) übergeben.

Auch im Stiftungszelt wurde heuer weniger Bier ausgeschenkt als 2016 (damals: 669 Hektoliter; alkoholfreie Getränke: 288 hl), aber nur marginal, wie Festwirt Klaus Richter betont. Dafür war die Küche „ein bisserl stärker als 2016“. Allein am letzten Herbstfest-Sonntag, traditionell der umsatzstärkste Tag im Stiftungszelt, „haben wir 1500 Hendl gebraucht“.

Richter, dessen Familie seit 45 Jahren auf dem Herbstfest vertreten ist, nimmt sich die Kritik einiger Besucher, die bis zu zwei Stunden auf ihr Essen gewartet haben, zu Herzen. Er sagt aber auch: „Zu den Hauptstoßzeiten am Sonntagmittag bist du chancenlos. Da ist nicht nach 20 Minuten serviert.“ 4500 Sitzplätze gibt’s im Zelt, davon ein Viertel im teils überdachten Biergarten.

„Einigermaßen zufrieden“ sind die Schausteller, wie ihr Sprecher Dieter Rilke erklärte. Seit 1967 ist der „Zehnerl-Mo“ mit seinen Warenspielautomaten auf dem Herbstfest. „Dass heuer auch der Umsatz weniger war, weiß jeder.“ Dennoch sei es ein „schönes, rundes Fest“ gewesen“.

340 Blasenpflaster und viele Wildbiesler

Die BRK-Sanitätsstation meldet ebenfalls einen ruhigen Festverlauf. Dort „landeten nur zwei Personen mit alkoholbedingten Ausfällen“, teilte BRK-Sprecherin Danuta Pfanzelt mit. Insgesamt waren 55 Verletzte beziehungsweise Erkrankte zu versorgen. 20 von ihnen mussten ins Krankenhaus gebracht werden. „Zu den Notfällen zählten Hitzekollapse, Stürze, Schnittwunden und Kopfplatzwunden“, so Pfanzelt. Zudem wurden 340 Stück Blasenpflaster geklebt.

„Was in diesem Jahr auffiel, war die Aggression gegen Einsatzkräfte. Die Sanitäter mussten die Polizei zur Hilfe holen“, berichtet Pfanzelt. Zudem hätten viele Wildbiesler das BRK-Areal hinter dem Glückshafen genutzt, um am Zaun zu urinieren. „Diese waren unbelehrbar und resistent gegen die Aufforderung, ein WC aufzusuchen“, sagte Pfanzelt.

Nach einem „arbeitsintensiveren ersten Freitag“ meldete die Polizei keine außergewöhnlichen Einsatzbelastungen mehr. Es habe weniger Körperverletzungsdelikte als im Vorjahr gegeben, teilte Anton Altmann mit und zieht ein positives Wiesn-Fazit.

Zu Unfällen kam es meist durch betrunkene Radfahrer. Auch zwei Fußgänger wurden leicht verletzt, als sie von Autos angefahren wurden. Fünf kontrollierte Autofahrer standen unter Akoholeinfluss. Drei von ihnen müssen mit Fahrverboten, Geldbußen und Punkten in Flensburg rechnen. Bei den anderen zweien folgen Strafverfahren wegen Trunkenheit im Verkehr. Gegen einen Radfahrer, der mit über 1,6 Promille unterwegs war, wird ebenfalls Strafanzeige erstattet.

Nasenspitze abgebissen

Insgesamt nahm die Polizei zehn Körperverletzungsdelikte auf. Davon ereigneten sich sechs auf dem Volksfestgelände und vier im Umfeld, so Altmann: „In allen Fällen standen die Beteiligten oder mindestens ein Beteiligter unter Alkoholeinfluss.“ Die meisten Auseinandersetzungen verliefen glimpflich. Nur am letzten Samstag sei einem Mann bei einem Streit die Nasenspitze abgebissen worden. Zu diesem Vorfall, der sich gegen 22.20 Uhr zwischen dem Schießstand und der Reitbahn abgespielt hat, sucht die Polizei dringend Zeugen. Außerdem erteilten die Einsatzkräfte sieben Betrunkenen Platzverweise. Darunter war am Sonntagabend auch der Vater einer Fünfjährigen. Das Mädchen wurde von der Mutter abgeholt.

Ihren Eltern übergeben wurden auch die sieben angetrunkenen oder betrunkenen Jugendlichen, die die Zivilstreifen der Polizei, die oft mit Mitarbeitern des Jugendamtes auf dem Festgelände im Einsatz waren, entdeckten. Zudem vermeldete Altmann 14 Anzeigen wegen Beleidigung, Bedrohungen und Nötigung sowie Ruhestörungen, die meist nach dem Herbstfest aufgetreten waren. (Gabi Zierz)

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