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Vom ganz kleinen Rusty über Muli-Mischling Schneewittchen bis hin zum großen Haflinger Poldi – jedes Kind hat seinen Liebling auf der Reitbahn von Rosa Barth (vorne).

Besuch im Western-Reitsaloon Barth

Eine Runde mit den Herbstfest-Ponys

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Geht es den Ponys auf dem Herbstfest gut? Ja, sagen die Behörden. Rosa Barth, die Chefin der Reitbahn, ist ohnehin überzeugt davon. Und auch Pferdeliebhaberinnen aus der Stadt sind Fans ihrer Arbeit. Ein Besuch in Manege und Stallzelt.

Erding – Das Ponyreiten ist ein Stück Oide Wiesn auf dem Erdinger Herbstfest – vor allem für Mädchen ein Volksfest-Vergnügen ohne grelle Farben und laute Effekte, dafür ganz nah an den Lieblingstieren. Anja Bank aus Erding ist ein Riesen-Fan des Western-Reitsaloons Barth, der seit 1998 in die Stadt kommt. „Da ist so viel Liebe drin. Den Ponys geht’s sowas von saugut“, sagt die 40-jährige Mutter. Daher ärgert sie sich auch über Tierschutzorganisationen, die gegen solche Reitbahnen mobil machen. In Erding gab es da heuer noch nichts, ein paar Tage zuvor in Landshut dagegen schon.

Bei der dortigen Herbstdult hatte die Initiative „Voice For Animals LA“ mit Transparenten und Unterschriftensammlung protestiert. Die kontrollierenden Behörden bestätigen dagegen, dass alle Vorschriften eingehalten werden. Bei jedem Volksfest wird der Betrieb von Rosa Barth unangekündigt überprüft. Sowohl das städtische Amt für öffentliche Ordnung und Umwelt in Landshut als auch das Veterinäramt am Landratsamt Erding hatten nichts auszusetzen. Das ergaben Nachfragen unserer Zeitung.

„Alle Auflagen aus dem Erlaubnisbescheid waren zum Kontrollzeitpunkt erfüllt. Tierschutzrechtliche Verstöße wurden nicht festgestellt“, schreibt Dr. Kathrin Kamenica vom Veterinäramt über die Kontrolle am Dienstag

Rosa Barth und ihre beiden Söhne lieben den kleinen Nebenjob als Schausteller – eigentlich. „Wir stehen so unter Beobachtung“, klagt die 57-jährige Zahnarzthelferin, die pro Jahr mit etwa 15 Ponys und Pferden vom niederbayerischen Reisbach zu vier Volksfesten aufbricht. Dafür nehmen die Familienmitglieder bei ihren Hauptberufen ihren Jahresurlaub. „Wir leben nicht von den Pferden“, erzählt die Reisbacherin, die das Volksfest-Geschäft nach dem Tod ihres Mannes vor zehn Jahren weiterführt. Bei den Arbeitsurlauben auf den beiden Landshuter Dulten, in Erding und Vilsbiburg gehe es vielmehr darum, das Futter zu finanzieren, das die Tiere über den Winter brauchen.

Oft sind es die kleinen Anfeindungen, die ihr die Freude daran nehmen. So hätten im vergangenen Jahr in Erding zwei Frauen einen ganzen Nachmittag lang beobachtet, mitprotokolliert, sogar fotografiert. Dabei muss Barth ohnehin die sich stets verschärfenden Auflagen einhalten. Kein Pferd darf länger als vier Stunden in der Manege sein. Kein Problem für die Barths. Sie haben heuer in Erding 15 Tiere dabei – doppelt so viele wie sie im Höchstfall gleichzeitig brauchen. Bei Schichtwechsel werden die Ponys also aus dem Herbstfest-Trubel heraus und zum Stallzelt geführt, das gegenüber den TC-Tennisplätzen aufgestellt ist. Dort rasten sie entweder im Paddock unter freiem Himmel oder in großen Boxen aus, die ständig ausgemistet werden – fließend Wasser und Futter inklusive.

Auch den gesetzlich geforderten Handwechsel alle halbe Stunde halten Rosa Barth und ihre Helfer ein. Früher ging es immer im Uhrzeigersinn, seit heuer in beide Richtungen. „Das war für die Pferde auch erst ungewohnt“, erzählt die Betreiberin. Sattel, Zaumzeug, Hufe – all das kontrollieren die Behörden ebenfalls. Es gab keine Beanstandungen.

Rosa Barth ist überzeugt davon, dass sich die Ponys auch in der Reitbahn wohl fühlen. „Man sieht, dass sie ganz entspannt stehen bleiben“, beschreibt sie die Pausen zwischen den Ritten, bei denen sich viele kleine Mädchen wie Bibi und Tina fühlen können. Wenn die Pferde durch die Menschenmassen auf dem Festplatz hindurch müssten, das wäre Stress für sie, meint die 57-Jährige. „Im Kreis fühlen sie sich aber sicher.“ Tatsächlich: In der Reitbahn ist auch die Soundkulisse vom Fahrgeschäft „Around The World“ direkt daneben nicht mehr laut. Die leise Volksmusik ist gut zu hören.

Anja Bank ist seit zehn Jahren begeistert von dem Western-Reitsaloon. Damals ritt ihre Tochter das erste Mal bei Rosa Barth. Seitdem hilft die Mama beim Herbstfest mit, sogar Urlaub nimmt sie sich dafür in der Zahnarztpraxis, in der sie arbeitet. Bei Katharina Meier aus Erding ist es genauso. Vor 19 Jahren bestieg die 29-Jährige das erste Mal ein Pony von Rosa Barth. „Jetzt reise ich hinterher. Das ist wie Familie für mich.“

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