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Als "Mädchen für alles" bezeichnen sich die Parkplatzeinweiser am Erdinger Herbstfest um Teamleiter Markus Böhm, Ehefrau Susanne Böhm und Willi Scheib, Vorsitzender des Sozialverbands Deutschland, Ortsgruppe Erding. Sie haben in den zehn Tagen Wiesn alle Hände voll zu tun.

Sicherheit auf dem Herbstfest

„Wir sind hier Mädchen für alles“

Erding – Drei Euro kostet heuer das Parken am Erdinger Herbstfest. Damit ist die Gebühr um einen Euro gestiegen. Doch nicht nur sie wurde erhöht. Aufgrund der momentanen Terrorlage wird auch auf den Parkplätzen vermehrt auf die Sicherheit der Besucher geachtet.

3000 Fahrzeuge können gegen eine Gebühr von drei Euro auf den Parkplätzen rund um das Erdinger Herbstfestgelände untergebracht werden. Entsprechend groß ist auch der Aufwand, den die Parkplatz-Einweiser Jahr für Jahr betreiben. Vor allem in der diesjährigen Herbstfestsaison haben sie deutlich mehr zu tun, als den Besuchern einen Parkplatz zuzuweisen und das Geld zu kassieren. Nach dem Terroranschlag in Nizza, wo ein Attentäter mit einem Lastwagen absichtlich in die Menschenmenge gerast war und mehr als 80 Menschen tötete, wurde auf dem Herbstfest-Gelände alles dafür getan, dass so etwas nahezu unmöglich ist. Stemmen müssen die zusätzlichen Aufgaben 18 Mitarbeiter, die im Schichtbetrieb täglich 15 Stunden lang rund um das Festgelände präsent sind.

„Unsere Leute laufen teilweise zwischen 37 und 52 Kilometer pro Tag“, erzählt Markus Böhm. Der 45-Jährige leitet seit acht Jahren die Arbeitsgruppe Herbstfest, in der sich die drei größten Erdinger Sozialverbände – der Sozialverband Deutschland, die Arbeiterwohlfahrt und der VdK – gemeinsam einbringen. Zuvor war Böhm 21 Jahre lang selbst als Parkplatzeinweiser tätig und weiß deshalb, was die Mitarbeiter hier für den guten Zweck leisten. Unangebrachte Kommentare, zahlungsunwillige Gäste, die es zu beruhigen gilt, und Verkehrschaoten, die sich schlicht und einfach nicht an die Regeln halten wollen, sind an der Tagesordnung.

„Wir sind hier quasi Mädchen für alles“, sagt Böhm. „Teilweise finden die Leute ihr Auto einfach nicht mehr. Dann sind wir natürlich da, um zu suchen.“ Auch als Fundbüro, Erste-Hilfe-Leister und Anlaufstelle bei gebrochenen Herzen muss das Team regelmäßig herhalten.

Für den guten Zweck nehmen sie die turbulenten Tage jedoch gerne auf sich, wie Böhm sagt. Schließlich werden die Einnahmen aus den Gebühren nach dem Herbstfest unter den drei Sozialverbänden aufgeteilt. Das sind für jeden durchschnittlich 4500 Euro, die wiederum in Veranstaltungen und Ausflüge investiert werden. Zahlreichen bedürftigen Mitgliedern wird zudem die Möglichkeit gegeben, ihre Haushaltskasse ein wenig aufzustocken.

Dass das Thema Sicherheit heuer auf dem Herbstfest eine große Rolle spielt, ist an vielen Stellen zu sehen. Neben den Security-Leuten und den uniformierten Polizeibeamten, die gruppenweise übers Gelände patroullieren, überwachen vier Kameras erstmals die „Brennpunkte“, wie Böhm sie nennt. Dazu gehören die Haupteinfahrtsstraße, die Lieferantenzufahrt, die Rettungsgasse und die Behördenparkplätze.

Die Videoüberwachung zeigt Wirkung. Den Sicherheitsdienst habe man bisher rund 90 Prozent weniger gebraucht als in den vergangenen Jahren, so Böhm: „Vor allem achten wir natürlich darauf, dass keine Maßkrüge mitgenommen werden, nichts beschädigt wird und keine verdächtigen Gegenstände transportiert werden.“

Auch die Beleuchtung habe man verbessert, um gewalttätige Übergriffe zu vermeiden. Geändert wurde zudem die Verkehrsführung auf dem Gelände. Die Fahrzeuge werden beim Einfahren über den Parkplatz des Hallen- und Freibades geführt. „Das bremst die Geschwindigkeit schon mal deutlich ab“, sagt Böhm. Auch Betonvorrichtungen wurden für den Fall der Fälle aufgestellt. „Falls es wirklich zu einer Amokfahrt wie in Nizza kommen sollte, kommt das Auto nicht an den Betonwänden vorbei.“ Diese Baken stehen um den Biergarten des Stiftungszelts. „Die Besucher können sich also viel sicherer fühlen als bisher“, sagt Böhm.

Von Julia Adam

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