Apfelpfarrer Korbinian Aigner (M.) bei der Begutachtung einer neuen Apfelsorte. Foto: Archiv

50. Todestag Pfarrer Korbinian Aigner

Apfelpfarrer, Kunstsammler, Regimekritiker

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Hohenpolding – Es war ein außergewöhnliches Leben, das des Bauernbuben und späteren „Apfelpfarrers“ Korbinian Aigner aus Hohenpolding. Eine Rückschau zu seinem 50. Todestag.

Die Liebe zur Natur war dem Hohenpoldinger Bauernbuben Korbinian Aigner wohl schon in die Wiege gelegt. Als „Apfelpfarrer“ wurde er Jahre später weit über Bayern hinaus bekannt. Vor wenigen Tagen jährte sich sein 50. Todestag. Ihm zu Ehren findet noch bis zum 16. Oktober im Wissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt der Technischen Universität München (TUM) eine Ausstellung über das Leben und Wirken des Hohenpoldingers statt. Zu seinem Todestag ist auch ein Buch erschienen. „Korbinian Aigner. Ein Oberbayer zwischen Pfarrhaus, Obstgarten und KZ“, heißt das Werk von Peter J. Brenner, dem Direktor des TUM-Archivs.

Der Obstbau war schon früh die große Leidenschaft des Hohenpoldinger Geistlichen. Und die verbreitete er schon als junger Theologiestudent unter den Leuten. Sein Wissen und Können, sein Charisma waren es, mit denen er die Leute begeistern konnte. Als Sohn des größten Bauern am Ort genoss er hohes Ansehen. Als er sich 1908 zum Ziel setzte, in Hohenpolding einen Gartenbauverein zu gründen, waren 44 Hohenpoldinger begeistert dabei.

Nach der Vereinsgründung ging es steil aufwärts. Vom ganzen Holzland und darüber hinaus traten Leute dem Obstbauverein bei. Schon im Frühjahr 1909 wurden 600 Obstbäume gepflanzt. Aigner sah seinen Einsatz zum Wohle des Volkes, wie er in der Vereinschronik vermerkte. Damals hatte der Obst- und Gemüseanbau noch einen ganz anderen Stellenwert und eine viel größere Bedeutung als heute. Die Menschen mussten ihre Vitamine meist aus dem eigenen Garten beziehen. 1930 stieg der beliebte Geistliche, den man in der Bevölkerung liebevoll „Apfelpfarrer“ nannte, zum Präsidenten des Obst- und Gartenbauvereins Oberbayern auf.

Doch Pfarrer Aigner hatte nicht nur Freude am Obstbau. Er war auch ein politischer Mensch. Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus wurde er zum Regimekritiker. In vielen seiner Predigten bezog er eindeutig Stellung gegen die Nazis und deren Ideologie. Das hatte schwerwiegende Folgen: Aigner wurde denunziert und verbrachte fünfeinhalb Jahre in Gefängnissen und Konzentrationslagern. Doch selbst im KZ fand er Möglichkeiten, sich als Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft weiter mit dem Obstbau zu beschäftigen. Der Häftling mit der Nummer „27 788“ zog aus Apfelkernen heimlich Bäumchen, die er etwa im KZ Dachau zwischen den Baracken pflanzte. Sogar die Züchtung neuer Sorten gelang ihm trotz widriger Umstände. Er nannte sie demonstrativ KZ-1, KZ-2, KZ-3 und KZ-4. Nach Kriegsende ließ das Interesse am Obstanbau mit dem Aufschwung und dem zunehmenden Wohlstand immer stärker nach. Entsprechend weniger begehrt waren auch Aigners Kenntnisse im Obstanbau.

Am 5. Oktober 1966 starb Pfarrer Aigner in seiner damaligen Pfarrgemeinde Hohenbercha. Er war bis zuletzt nicht nur in seiner Gemeinde hoch angesehen, er war auch Träger des Bayerischen Verdienstordens und des Bundesverdienstkreuzes. „In dieser Verbindung von pomologischer Leidenschaft, seelsorgerlicher Umsicht und kritischem Weitblick, vereint mit Opfermut, ist Korbinian Aigner eine einzigartige Figur in seiner Zeit“, schreibt TUM-Präsident Brenner über das Leben Aigners.

Überregional berühmt wurde der Apfelpfarrer nach seinem Tod durch seine Obstbildersammlung: Er vermachte der heutigen Technischen Universität München fast 900 postkartengroße Aquarelle mit Apfel- und Birnenbildern. In erster Linie dienten sie als Anschauungsmaterial bei seinen Vorträgen vor Obstbauvereinen. Darüber hinaus verraten sie die künstlerische Begabung eines leidenschaftlichen Malers. Seit die Bilder bei der Documenta, der weltweit wichtigsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst, im Jahre 2012 gezeigt wurden, sind sie auch einem breiten Publikum bekannt. Sie wurden vielfach in Ausstellungen im In- und Ausland, unter anderem in Warschau und New York, gezeigt.

Anton Renner

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