„Frisch auf den Tisch“ kommt zweimal pro Woche ein Mittagessen. Vor allem Senioren beliefert Schorsch Höllinger auf seiner Tour durchs Holzland.
+
Zweimal pro Woche kommt ein Mittagessen bei der Aktion „Frisch auf den Tisch“. Vor allem Senioren beliefert Schorsch Höllinger auf seiner Tour durchs Holzland.

Neues Angebot der Nachbarschaftshilfe wird im Holzland gut angenommen

Aus der Thermobox frisch auf den Tisch

Zweimal die Woche liefern Helfer der Aktion „Frisch auf den Tisch“ ein warmes Mittagessen im Holzland aus. Das neue Angebot der Nachbarschaftshilfe wird gut angenommen. Der Dienst bedeutet weit mehr als ein Essen.

Holzland - Maske auf, Plastikhandschuhe über, dann läuft die Uhr. Schorsch Höllinger betritt den „Rauschhuber“ in Hohenpolding über den Nebeneingang, in der Küche huschen die Wirtsleute Rosi und Ernst Rauschhuber zwischen den Anrichten hin und her und bereiten die letzten Thermoboxen zur Auslieferung vor. Schaschlik mit Pommes fährt die Nachbarschaftshilfe Holzland an diesem Donnerstag bei der Aktion „Frisch auf den Tisch“ an 24 Personen in allen vier Gemeinden aus. Das neue Angebot kommt gut an.

Exakt 78,7 Grad misst Ernst Rauschhuber mit seinem Thermometer bevor er den Deckel schließt, nebenbei spricht er mit Höllinger, der eines der beiden Autos fährt. Während des Lockdowns war „Frisch auf den Tisch“ eine wichtige Stütze für die Inhaber des Gasthauses zur Linde. Mittlerweile gibt es wieder den normalen Mittagstisch. Für „Frisch auf den Tisch“ kocht Rauschhuber Gerichte für sieben Euro pro Portion. Gekocht wird fast immer gutbürgerlich, den Speiseplan bespricht Rauschhuber mit seinem Niederstraubinger Kollegen Michael Brenninger, der montags zu Töpfen und Pfannen greift. „Es funktioniert und ist eine gute Geschichte“, meint der Hohenpoldinger Gastronom, als sich Höllinger mit voll beladenem Kofferraum verabschiedet.

Nur wenige hundert Meter außerhalb Hohenpoldings hält er an der ersten Haustür. Ein Landwirt Mitte 60 erwartet Höllinger bereits, im sonnigen Hof ergibt sich ein kurzer Ratsch. Man kennt sich oder man findet gemeinsame Bekannte im Gespräch.

Gerade das aber kann schwierig werden. Dann nämlich, wenn sich die Frage nach der Bedürftigkeit stellt, der die Nachbarschaftshilfe durch ihr Angebot Abhilfe schaffen möchte. Hat der Kunde nicht Vermögen oder Grund? Und was ist mit den Angehörigen, könnten die sich nicht um eine warme Mahlzeit kümmern? Der tiefere Einblick in die Lebensumstände fehlt aber oft, die Bedürftigkeit hängt heute nicht mehr nur vom Geldbeutel ab, Gesundheit in jeglicher Hinsicht und das soziale Netz spielen eine große Rolle. Bei der Nachbarschaftshilfe weiß man, dass noch viel Scheu Senioren, Alleinstehende oder Alleinerziehende von ihrem Angebot fernhält.

Von Anfang an war es ein Spagat für die Nachbarschaftshilfe, die weder eingehend prüfen kann, warum das Angebot genutzt werden soll, noch ein reiner Lieferservice sein will. Für Georg Höllinger spielt das in diesem Moment keine Rolle, er hat das Gleichgewicht zwischen einer pünktlichen Anlieferung und dem oft ebenso wichtigen kurzen Ratsch an der Haustür zu meistern. Nach einem halben Jahr weiß er aber, wo ein paar Minuten einzuplanen sind und bei wem er nur leere gegen volle Thermobox auf dem Treppenabsatz tauscht.

Auf die Styroporbehälter mit speziellem Warmhaltegeschirr für 140 Euro pro Set ist Verlass, „narrisch lang“, halten sie, so dass auch beim Letzten in der Lieferrunde noch mindestens 65 Grad warme Speisen ankommen.

Eine dankbare Freude ist bei vielen der Belieferten zu spüren. Sogar mit einen Eimer selbstgepflückter Äpfel wird der Baustarringer Rentner von einer 84-Jährigen beschenkt: „Ich bin schon froh, dass es das gibt, selber kann ich ja nicht mehr so. Und das Fleisch ist immer so gut und mild, dass man es beißen kann“, sagt sie.

In einem anderen Dorf werden Scherze ausgetauscht, mit einem Lachen steigt Höllinger wieder ins Auto. 41 Kilometer soll er an diesem Tag abfahren, dafür bekommt er eine geringe Aufwandsentschädigung und Benzingeld, schließlich nutzt er sein privates Fahrzeug. Wieder unter die Leute kommen, das war sein Antrieb, bei „Frisch auf den Tisch“ mitzuhelfen. Helfen, das tut er überhaupt gerne. So erzählt er von seinem Helikopterflug nach Dresden, wo er als Stammzellenspender gebraucht wurde.

Dann nimmt ihn eine spontane Routenänderung in Anspruch, ein Mähdrescher schert kurz vor ihm von einer Wiese auf die Straße aus, in einem Zug wendet er. Seit 35 Jahren lebt er in Baustarring, so kennt er sich aus im Holzland.

Letzte Station, bevor es zurück zu seiner Frau Anneliese geht, die jeden zweiten Montag fährt, ist Niederstraubing. Dort übergibt Höllinger die eingesammelten leeren Boxen Wirt Michael Brenninger. „Von uns aus könnten es noch viel mehr Essen sein, es ist ja auch alles perfekt organisiert“, wendet dieser sich an Schorsch, der ihn mit dem Lob an die Koordinatorin Brigitte Ehrl und das Vorstandsteam der Nachbarschaftshilfe verweist.

Von Fabian Holzner

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare