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Deutliche Worte: VVG-Vorsitzender Hubert Mayer (r.) mahnte die Landwierte, sich das Heft nicht vom Lebensmitteleinzelhandel aus den Händen reißen zu lassen.

Viehvermarktungsgenossenschaft

Bauern sollen sich gegen Diktat der Discounter wehren

Einen „klaren Kompass“ für die Zukunft der Tierhaltung fordert Hubert Mayer, Vorstandsvorsitzender der Viehvermarktungsgenossenschaft Oberbayern-Schwaben (VVG). Als wichtiger Schritt dahin sieht er in europaweit gleichen Haltungsbedingungen, sagte er in seinem Bericht in der Winterversammlung im Gasthaus Zur Linde in Hohenpolding.

Von Fabian Holzner

Hohenpolding – Tierwohl, Umweltschutz und Verbraucherschutz seien mittlerweile wichtige Wettbewerbsfaktoren, irgendwann wohl auch Ausschlussfaktoren, so Mayer. Angesichts dieser Themen dürfe aber die Balance zur Wirtschaftlichkeit nicht verloren gehen. Dabei kritisierte er auch die ambivalenten Einstellungen der Verbraucher: Laut einer Umfrage wollen 80 Prozent der Kunden wissen, wie Tiere gehalten werden. „Kommt es dann aber zur Kaufentscheidung, zählt bei wohl ebenso vielen oftmals der Preis“, meinte Mayer.

Aber auch in Richtung Lebensmitteleinzelhandel teilte er aus. Dieser habe mittlerweile „das Heft in der Hand“ und schreibe den Bauern vor, wie sie Landwirtschaft zu betreiben hätten. Mayer wies die versammelten Landwirte und Händler aber auch darauf hin, dass sie sich an einem „gesamtwirtschaftlich hervorragenden Standort“ befänden. Die Zukunft der VVG betreffend hat Mayer eine klare Haltung: „Wir müssen geschlossener auftreten und unsere Stärken und unsere Arbeit selbstbewusster darstellen.“

„Wir müssen näher zusammen rücken“, appellierte auch Geschäftsführer Sebastian Brandmaier an die Bauern. „Unser Hauptproblem, scheint mir, ist die Unfähigkeit uns zu organisieren.“ Auf Fairness seitens des Handels warte man vergebens, die VVG müsse selbst dazu in der Lage sein, Bedingungen zu stellen. „Künftig werden wir das Vieh nur noch nach Haltungsformen sortieren und verkaufen“, prognostizierte der Geschäftsführer. Für eine optimale Vermarktung in dieser Hinsicht führe die Viehvermarktungsgenossenschaft einen Betriebsdatenbogen. Der Lebensmitteleinzelhandel, zunächst bekannte Discounter, habe vor kurzem vier Haltungsformen zur Information für den Verbraucher eingeführt. Die Abstufung beginne bei „entspricht den gesetzlichen Anforderungen“ und gehe bis zu „Premium“. Letztere garantiere beispielsweise ständigen Zugang zu einem Auslauf.

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