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Heribert Niedermaier

Scheidender Gemeindechef in Hohenpolding

Heribert Niedermaier: Bürgermeister zwischen Büro, Baustelle und Bürgergespräch

Das Amt des Hohenpoldinger Bürgermeisters war für Heribert Niedermaier von Anfang an  ein Spagat zwischen seinem politischen Engagement für die Gemeinde und der Führung einer Sanitärfirma.

Hohenpolding – „Bis zu fünf Mal am Tag umziehen, Arbeitskleidung gegen Anzug tauschen, daran hab ich mich bis heute nicht gewöhnt“, sagt Hohenpoldings scheidender Bürgermeister Heribert Niedermaier lachend. Am 4. Mai wird der 54-Jährige das Amt an Nachfolger Alfons Beilhack übergeben – ein Anlass, auf 18 Jahre zurückzublicken, mit Erfolgen und Gegenwind in den Anfangsjahren.

Ende 2001 stand fest, dass der bisherige Bürgermeister Martin Bayerstorfer als Landrat kandidieren wird. Als sich bereits zwei Bewerber für die Nachfolge angeboten hatten, kam drei Monate vor der Wahl Heribert Niedermaier hinzu. Auch wenn er aus der Aufstellungsversammlung als Sieger und damit einziger Kandidat hervorging, blieb Alois Rott gewissermaßen Gegenkandidat. Viele Wähler setzten ihn handschriftlich auf den Stimmzettel.

Für sich selbst konnte Niedermaier im Vorfeld sicherstellen, dass es zu keinem Interessenskonflikt zwischen Bürgermeisteramt und Beruf kommen könnte. Nicht alle Hohenpoldinger waren damals davon überzeugt, es kam sogar zu anonymen Anschuldigungen. Die Kommunalwahl 2002 entschied Niedermaier dennoch eindeutig für sich – und „ab diesem Wahlsonntag herrschte in der Gemeinde wieder Einigkeit“, erinnert er sich an diese „intensive Zeit“.

Die ohnehin spärliche Freizeit des Firmenchefs, der damals 18, heute 33 Mitarbeiter beschäftigt, schwand von da an beträchtlich. Auch die ganz entgegen der Befürchtungen sprunghaft gestiegene Zahl an Kunden in Hohenpolding und Umgebung trug dazu bei.

Für Tochter Elisabeth und Sohn Valentin, vor 18 Jahren noch Grundschüler, war dennoch Zeit. Wohnhaus und Büro stehen nebeneinander in Kleinstadl. So war es oft möglich, mit den beiden eine halbe Stunde auf einem Sandhaufen zu spielen oder am Abend bei Flutlicht Schlitten zu fahren. „Ich habe uns eine Eisbahn auf unserem Grundstück gegossen, das Rodeln war immer ein Top-Ereignis für die beiden“, erinnert sich Niedermaier gerne zurück.

In der Gemeindepolitik ging es zunächst darum, bereits getroffene Entscheidungen umzusetzen, in Hohenpolding wurden die letzten Vergaben in der Brunnenfeld-Siedlung abgewickelt. Auch in Starzell entstand eine kleine Siedlung um das Feuerwehrhaus, dem folgte eine weitere in Loiting. Hohenpolding selbst wuchs später um Klausenberg II, das Gebiet wird bis heute erweitert.

Von Anfang an war der Schuldenabbau ein Ziel. Noch unter Bayerstorfer hatte man in eine neue Kläranlage und die Mehrzweckhalle investiert, die Pro-Kopf-Verschuldung lag 2002 bei 1300 Euro. Kredite nahm Niedermaier nur auf, wenn es aus seiner und der Sicht der Gemeinderäte unumgänglich war, an seinen Nachfolger Beilhack gibt er nun eine fast halbierte Pro-Kopf-Verschuldung von 680 Euro weiter. „In 15 der 18 Jahre konnte ich eine Kreditaufnahme vermeiden, darauf bin ich auch etwas stolz“, sagt der scheidende Bürgermeister.

Investitionen blieben dennoch nicht aus. Die Gemeinde kaufte das einstige Bierstüberl Lechner und das Gebäude der VR-Bank-Filiale in der Ortsmitte, die Suldinger und die Hohenpoldinger Feuerwehr bekamen je zwei neue Fahrzeuge. Über viele Jahre ging der Bau, die Ausstattung und Erweiterung des Bauhofs am Ortsrand, mittlerweile ist dies der Standort der Holzland-weiten Bauhof-Kooperation. Ebenso fällt die Sanierung der Grundschule in die Amtszeit Niedermaiers, 2014 konnte er den neuen Kindergarten einweihen. Kurz darauf nutzte man den alten Kindergarten als Unterkunft für mehr als 20 Flüchtlinge.

Schon in die Amtszeit von Alfons Beilhack wird der im Mai beginnende Abriss des alten Pfarrheims fallen. Das auf dem Grundstück entstehende Gemeinschaftshaus ist das letzte Projekt, das Niedermaier auf den Weg gebracht hat. Einen Nutzen werden alle Bürger haben, kirchliche Zusammenschlüsse wie die Frauengemeinschaft ebenso wie Vereine.

Sprichwörtlich aus dem Boden gestampft wurde in wenigen Wochen der neue Festplatz, auf dem 2018 erstmals das Holzlandvolksfest stattfand. Das Volksfest zu eröffnen oder mit Vereinen – in den meisten ist Niedermaier Mitglied – Jubiläen zu begehen, zählte für ihn zu den schönsten Aufgaben als Bürgermeister. „Natürlich gab es auch mal Abendtermine, zu denen ich mich aufraffen musste, wenn man aber einmal dort war, war es immer toll. Ich bin gerne in Gesellschaft“, fasst er zusammen.

Zu den Erinnerungen zählen aber auch einige Monate 2005, „in denen ich glaubte, alle Bürger sind gegen mich“, so Niedermaier. Anlass war die geplante Ansiedlung einer Recycling-Firma, was wegen befürchteter Umweltverschmutzung auf breite Ablehnung stieß. Persönlich nahe ging ihm die Gründung einer Bürgerinitiative, die Unterschriften gegen das Projekt sammelte und einen Bürgerentscheid ankündigte.

Zur eigens angesetzten Bürgerversammlung drängten sich um die 260 Hohenpoldinger im Gasthaus Zur Linde. „Gefühlt waren davon 250 gegen mich“, erzählt Niedermaier. Nicht nur um einen „Krieg“ in der Gemeinde zu verhindern, sondern auch wegen des unprofessionellen Auftretens der zwei Recycling-Firmen in der Versammlung, wurde das Vorhaben schnell fallen gelassen.

Vor allem die „angenehme und kollegiale Zusammenarbeit“ mit den Mitarbeitern der Verwaltungsgemeinschaft wird Niedermaier fehlen. Genauso wird er die wöchentlichen Amtsstunden in der Gemeindekanzlei vermissen, gerne hatte er ein Ohr für kleine und große Anliegen der Bürger, manchmal ging es auch nur um einen Ratsch.

Doch mit der Aufgabe seines Amtes gewinnt Niedermaier wieder Freiheiten. „Ich kann jetzt spontan entscheiden, dass ich mit meiner Frau Margit für ein paar Tage abhaue“, freut er sich. Auch beruflich bleibt mehr Luft. „Valentin vertritt die Firma bestens“, sagt er nicht ohne Stolz auf seinen Sohn, der ihm schrittweise im Unternehmen nachfolgen soll.

Niedermaiers Resümee über fast zwei Jahrzehnten als Bürgermeister von Hohenpolding ist durchwegs positiv: „Die Sache hat mir Spaß gemacht, bis zum letzten Tag. Ich muss wirklich sagen, es war eine Top-Zeit.“

Fabian Holzner

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