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Über 20 Infektionen

Nach Krätze-Alarm im Landkreis Erding: Landratsamt gibt falsche Info raus - mit schweren Folgen

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In mindestens fünf öffentlichen Einrichtungen ist die Krätze ausgebrochen. Teils falsche Landratsamts-Informationen haben für viel Ärger gesorgt.

Hohenpolding/Taufkirchen – Der Krätze-Alarm gilt nach Behördenangaben vorläufig für das Pflegeheim Aloisium in Hohenpolding, die Kindertagesstätte Spatzennest sowie zwei Flüchtlingsunterkünfte – alle in Taufkirchen. Ein Verdacht im Pflegeheim Villa Moosen erwies sich als unbegründet. Es könnten aber weitere Fälle von Scabies, so die wissenschaftliche Bezeichnung, dazukommen. Eine solche Serie ist selten, zuletzt wurden nur Einzelfälle bekannt.

Auslöser der Krätze, die durch engen Körperkontakt übertragen wird, ist die Milbe Sarcoptes. Die Inkubationszeit beträgt mehrere Wochen. Sie ist höchst unangenehm, aber nicht lebensbedrohlich. Meldepflichtig ist sie zwar nicht, Erkrankte dürfen aber nicht in Einrichtungen für Kinder und Jugendliche.

Die meisten Fälle gibt‘s im Pflegeheim Aloysium 

Die größte Sorge bereitet dem Gesundheitsamt das Aloisium. Der Träger teilte am Freitag mit, acht Bewohner und zwölf Mitarbeiter seien erkrankt. Vorstand Björn Michael berichtet von einer Versammlung, die ergeben habe, dass der Angehörige einer Bewohnerin der Auslöser gewesen sein könnte. Er leidet wohl an Krätze und besucht seine Frau häufig. Im Pflegeheim leben 50 Bewohner, die von 47 Mitarbeitern betreut werden. Die Versorgng sei sichergestellt, so Michael.

Acht Heimbewohner und zwölf Mitarbeiter des Pflegeheims Aloisium in Hohenpolding haben sich mit der ansteckenden Krankheit Krätze angesteckt. In vier weiteren Einrichtungen in Taufkirchen ist von Einzelfällen die Rede.

Claudia Fiebrandt-Kirmeyer, Sprecherin der Kreisverwaltung, sagte, man untersuche, ob es Verbindungen zu den Krätze-Fällen in Taufkirchen gebe. Hier seien es aber nur Einzelfälle. Eine Verbindung scheint es zu geben. Nach Informationen unserer Zeitung besucht das Kind einer Aloisium-Angestellten besagte Kita.

Sofort nach Bekanntwerden begannen das Gesundheitsamt und niedergelassene Ärzte damit, die Infizierten medikamentös zu behandeln. Dazu gibt es mehrere Mittel, vor allem Cremes. „Systematisch wird auch das Umfeld der betroffenen Personen untersucht, um weitere Ansteckungsfälle aufzudecken“, erklärt die Behördensprecherin.

Diese Symptome sprechen für Krätze

Alle Personen, die in den vergangenen beiden Wochen Kontakt mit diesen Einrichtungen hatten, bittet das Gesundheitsamt, auf folgende Krankheitsanzeichen zu achten: Brennen der Haut und Juckreiz, der bei Bettwärme besonders stark ausgeprägt ist. Der Juckreiz kann sich sogar auf Hautregionen ausbreiten, die nicht direkt betroffen sind. Befallen sind vor allem Zwischenräume von Fingern und Fußzehen, Handgelenke, Knöchel, Achseln, Ellenbogen, Brustwarzen und Genitalien. Bei Säuglingen und Kleinkindern können aber auch der Kopf, das Gesicht sowie Hand- und Fußflächen betroffen sein. Die Haut reagiert nach einiger Zeit mit stecknadelgroßen Bläschen, geröteten erhabenen Knötchen oder Pusteln. Zusätzlich können sich infolge des durch Juckreiz erfolgten Kratzens verletzte Hautstellen eitrig entzünden. „Wer das bei sich feststellt, sollte im Zweifel lieber zum Arzt gehen.“

Schwere Kommunikationspanne beim Landratsamt

Bei der Information der Öffentlichkeit ist dem Landratsamt eine erhebliche Kommunikationspanne unterlaufen. In der Erstmeldung vom Donnerstagabend hieß es, dass das Pflegeheim in Hohenpolding sowie ein Kindergarten und ein Flüchtlingsheim betroffen seien. Auf der Facebookseite des Landkreises war anfangs sogar explizit von der Kindertagesstätte Hohenpolding die Rede. Dabei gibt es dort definitiv keine Fälle.

Die missverständliche beziehungsweise falsche Information sorgte im Ort für großen Wirbel. Kita-Leiterin Anna Heilmeier erhielt zahlreiche Anrufe. „Am Freitag kamen nur acht von 62 Kindern“, berichtet sie. Alle Eltern hätten dem Team sehr geholfen und fast alle Kinder zu Hause gelassen. Man habe zahlreiche besorgte Eltern informiert, so Heilmeier.

Die, die sich an Gesundheits- und Landratsamt gewandt haben, erhielten dort die Auskunft, das habe die Presse einfach so geschrieben. Der Erdinger/Dorfener Anzeiger hat im Büro des Landrats offiziell gegen diese Falschbehauptung protestiert. Das Amt hat sich dafür mittlerweile entschuldigt.

Lesen Sie auch: Erneuter Fall an Schule: Die Krätze ist zurück - und sie gilt noch immer als hochansteckend.

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