+
Großer Medienandrang an der B 15: Verkehrsminister Hans Reichhart stellte das neue Wildwarnsystem zusammen mit Entwicklerin Sabine Dahl und Erdings Kreisjagdverbandschef Thomas Schreder (v. r.) vor.

Neues Wildwarnsystem an der B15

Ein gelbes Licht, das Tierleben rettet

  • Markus Schwarzkugler
    VonMarkus Schwarzkugler
    schließen

Ob eine Gefahr ansteht, seht ihr, wenn das Licht angeht. So lässt sich ein neues Wildwarnsystem, das Hans Reichhart in den kommenden zwei Jahren testen lassen will, knapp zusammenfassen. Großer Medienandrang herrschte am Donnerstagnachmittag, als der CSU-Verkehrsminister im Holzland das Projekt der Staatsregierung vorstellte.

Hohenpolding – Die rund fünf Kilometer lange Strecke an der B 15 zwischen Hohenpolding und Kaltenbrunn (Landkreis Landshut) ist eine von vier Pilotstraßen in Bayern, an denen das neue Wildwarnsystem des Start-Ups „Animot“ vom Frühjahr 2019 bis zum Herbst 2021 getestet wird.

Die Funktionsweise des Systems, das der Minister zusammen mit Entwicklerin Sabine Dahl am Donnerstagnachmittag vorstellte, ist schnell erklärt: Die Leitpfosten entlang der Straße werden mit kleinen Geräten ausgestattet. Diese suchen 25 Meter nach links und rechts die Strecke nach Wild ab. Das funktioniert über Infrarotlicht, mit dem Wärmequellen aufgespürt werden. Schlägt das Gerät an, blinkt ein gelbes Warnlicht an betreffendem Pfosten und auch an den benachbarten Pfeilern.

Durch das Licht sollen Autofahrer schon früh gewarnt werden, dass gleich ein Tier vor ihnen über die Straße laufen könnte. So sollen sie rechtzeitig reagieren können, um Wildunfällen aus dem Weg zu gehen.

Darin besteht der große Unterschied zu bisherigen Wildwarnsystemen: Die Tiere sollen nämlich nicht abgeschreckt, sondern vielmehr die Autofahrer dazu gebracht werden, ihre Fahrweise im Gefahrenfall anzupassen. „Die Sensibilität muss da sein“, sagte Reichhart und verwies dabei auch auf die Hinweisschilder an der B 15, die die Autofahrer auf das Pilotprojekt hinweisen.

Aber warum der Standort im Grenzbereich zwischen Erdinger Holzland und Landkreis Landshut? Die Strecke ist Entwicklerin Dahl zufolge besonders unfallträchtig, 50 Wildunfälle haben sich hier in den vergangenen zwei Jahren ereignet.

Hintergrund des Projekts ist die 2018 ein weiteres Mal gestiegene Zahl der Wildunfälle. Im Freistaat waren es im vergangenen Jahr 76 000. Laut Thomas Schreder, Erdings Jägerchef und Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbands, waren es allein im Kreis Erding 900 Rehwildunfälle. Wenn Unfälle mit Rehen, Wildschweinen und Co. passieren, „sind wir Jäger die, die in der Nacht raus müssen“, sagte Schreder, der am Donnerstag von zahlreichen Mitstreitern aus der Jägerschaft begleitet wurde.

Allein das zeigt schon: Die Jäger versprechen sich so einiges von dem neuen Warnsystem, an dem sie sich auch finanziell beteiligen. Nicht nur, dass sie künftig weniger totgefahrene Tiere auflesen müssen. Sondern auch Erkenntnisse über das Bewegungsverhalten des Wildes. Dazu werden nämlich Daten auf kleinen Chips in den Geräten gespeichert. Diese gelte es nach der Probezeit auszuwerten, so Schreder.

Ausgewertet werden sollen auch die nackten Zahlen. Sprich: Hat es an den vier Teststrecken in den zwei Probejahren weniger Wildunfälle gegeben als davor? Wenn ja, könnte das System künftig verstärkt zum Einsatz kommen. In welcher Kombination mit anderen Warnmaßnahmen müsse man dann sehen, so Schreder gegenüber unserer Zeitung. Wichtig sei vor allem eins: Das Tierleid zu verringern.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare