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Muscial: Ein Hauch von Hollywood im Holzland

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Do samma dahoam: NurMana beim Holzlandlied. Foto: mel
Do samma dahoam: NurMana beim Holzlandlied. Foto: mel

Inning - Es war ein hochambitioniertes Projekt, das erste Holzlandmusical „Jetzt ist deine Zeit“, das Christian Rott mit seinen Mitstreitern aus dem Boden stampfte. Und das Experiment ist gelungen.

Bei der Premiere gab es noch Probleme mit der Technik. Aber zum Schluss beider Aufführungen applaudierte das Publikum mit stehenden Ovationen.

Vor nur einem Jahr wuchs in Rott die Idee für dieses Musical, als er den Hollywood-Science-Fiction-Thriller „In time“ das erste Mal sah. Darin hört jeder Mensch mit 25 Jahren auf zu altern und muss sterben, wenn er sich kein neues Zeitkontingent verdient. Rott adaptierte die Story auf seine Heimat. Als Setting erfand er das Holzland-Ghetto und „New Munich“, in dem die Reichen wohnen, die Zeit im Überfluss haben. Bekannte Hits, fast alle in englisch, die meisten von der Band Queen, arrangierte der Kirchenmusiker und Chorleiter neu, teils in wunderschönen anspruchsvollen A-cappella-Versionen. Mit ihnen untermalte er äußerst passend die Handlung. Allerdings war dies nur für die Zuschauer verständlich, die des Englischen mächtig sind.

Rott fungierte nicht nur als Autor, musikalischer Leiter, Arrangeur und Regisseur, sondern auch als Sänger und Hauptdarsteller Marlon. Mit dem Männer-Ensemble NurMana als Söldnertruppe, Tanja Hamberger als Marlons Mutter und der 19-jährigen Alexandra Krienke als seine Freundin Alexa hatte er gestandene Gesangspartner an seiner Seite, die mangelnde schauspielerische Qualitäten der Protagonisten wieder wett machten. Als Erzähler führte Stefan Vogelhuber durch den Abend. Komplettiert wurde das Team von den Laiendarstellern Anton Angermaier (Alex’ Vater) und Sebastian Blattenberger (Norman). Im Hintergrund spielten wie immer virtuos die 20-jährige Johanna Pfeiffer und die erst 15-jährige Johanna Schumertl am Keyboard.

Rott verstand es, das Publikum durch komische Elemente zu amüsieren, die er ins Spiel und die extra gedrehten Filmeinspielungen eingeflochten hatte. NurMana-Tenor Christian Weber mimte beispielsweise einen Lispelnden. Die hühnenhaften Bässe Sepp Jell und Stefan Kräutler zwängten sich auf ihrer Filmfahrt vom Holzland nach New Munich in ein winziges Auto, und wenig später drapierte sich der gesamte Chor bei einer gemeinsamen Pinkelpause im Kreis um einen Baum, wobei das Geplätscher laut zu vernehmen war.

Spannung und Action gab es auch, als sich gleich eingangs der reiche, des Lebens überdrüssige Norman von der Balustrade der Holzlandhalle in die Tiefe stürzte (auf eine versteckte Matte versteht sich). Dramatisch wurde es, als Marlons Mutter aus Zeitmangel auf dem Heimweg sterben muss und dabei singend vom Balkon durch die Halle auf die Bühne rast, um ihrem Sohn in die Arme zu fallen. Zum Schluss gab es doch ein Happy-End und die Botschaft: „Geld allein macht nicht glücklich.“

Eiskalt lief es so manchem Zuschauer über den Rücken, als Tenor Markus Kunzendorf „Who want’s to live forever“ sang oder Sopran Tanja Hamberger im Todeskampf „Skyfall“, einen James-Bond-Titelsong, schmetterte. Vereinzelt gab es auch deutsche Lieder zu hören, etwa „Felder von Inning“, angelehnt a Stings „Fields of gold“, oder „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen, das ebenso wie „We are the Champions“ das Publikum nochmal so richtig aufpeitschte, so dass die Zuschauer erst nach der Zugabe „Wir hatten eine gute Zeit“ die Halle verließen.

Birgit Lang

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