Ausgezeichnet wurden vier der fünf einstigen „Entdecker-Buben“ des bajuwarischen Reihengräberfeldes in Klettham aus dem Jahr 1965 (v. l.): Manfred Schneider, Thomas Schöberl, Robert Reiter und Hermann Schöberl. AVE-Vorsitzender Harald Krause gratulierte ihnen. Nicht auf dem Bild: die Preisträger Gerhard Fischer und Else Schöberl. foto: adam

Die Hüter des bayerischen Erbes

Erding - 50 Jahre ist es her, dass fünf Buben beim Spielen in Klettham Reste eines bajuwarischen Reihengräberfeldes entdeckt haben. Jetzt erhielten sie dafür den Archäologiepreis.

Archäologie bleibt in Stadt und Landkreis der Renner. Rund 200 Besucher informierten sich beim Neujahrsempfang im Museum Erding über die Aktivitäten des Archäologischen Vereins im vergangenen Jahr.

„Es ist wichtig, den Menschen, die zu uns kommen, zu zeigen, aus welcher Geschichte unsere Stadt entstanden ist“, sagte Oberbürgermeister Max Gotz zu Beginn des Archäologischen Neujahrsempfangs mit Blick auf die 339 Neubürger, die seit 2015 in Erding leben. „Wir müssen ihnen zeigen, dass wir uns auch mit Kunst, Kultur und der Geschichte, die uns hier zusammenführt, auseinandersetzen.“

Dieser Meinung ist auch Harald Krause, Vorsitzender des Archäologischen Vereins (AVE) und Leiter des Museums Erding. Er blickte zufrieden auf das vergangene Jahr zurück. 127 Mitglieder zählt der 2010 gegründete Verein mittlerweile. Das sind 27 mehr als 2014. „Für lediglich sechs Jahre, die es uns jetzt gibt, ist das eine sehr gute Zahl“, sagte Krause. Am Abend des Empfangs kamen weitere Mitglieder hinzu. In einer Stadt wie Erding sei es kein Wunder, so viele Mitglieder zählen zu können, sagte Krause. Schließlich seien hier rund 1000 Bodendenkmäler bekannt.

Dennoch stellen sich den Archäologen zahlreiche Hindernisse in den Weg. Krause bedauerte das negative Bild der Archäologie in der Öffentlichkeit. So werde dem Verein häufig Unverständnis entgegengebracht, die Mitglieder würden beschuldigt, Baumaßnahmen zu verzögern. Dabei sei es wichtig, das „bayerische Erbe“, wie Krause es zu nennen pflegt, zu bewahren.

Doch die Erdinger Archäologen lassen sich von der Kritik nicht beirren. 20 Ausgrabungen stehen auf der Liste des vergangenen Jahres. Die Hauptattraktion: die Grabungsarbeiten am und im Gebäude Am Rätschenbach 12, das die Stadt vor einigen Jahren erworben hatte und das unter Denkmalschutz steht. 17 ehrenamtliche Helfer hatten die Grabungsfirma in rund 400 Arbeitsstunden unterstützt.

Bewusst knapp wurde über den bronzezeitlichen Spangenbarrenhort von Oberding berichtet, dessen Freilegung im Labor in den Werkstätten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege weit vorangeschritten sei, so Krause: „Es scheint sich um einen der größten Hortfunde dieser Art überhaupt aus der Zeit um 2000 vor Christus zu handeln.“ Details wollte er nicht verkünden, dies bleibe dem Stadtrat vorbehalten, der wohl im Frühjahr darüber informiert wird.

Krauses Fazit: Trotz der Kritik, die die Mitglieder des AVE oftmals einstecken müssen, steigt das Interesse an der Geschichte. So nahmen im vergangenen Jahr über 1000 Interessierte an AVE-Veranstaltungen, Exkursionen oder Vorträgen in Stadt und Landkreis teil.

Besonders hob Krause die Leistung der fünf „Entdecker-Buben“ hervor, die 1965 für den Fund des bajuwarischen Reihengräberfeldes in Klettham verantwortlich waren. Vier von ihnen wurden im Rahmen des Neujahrsempfangs für diese herausragende archäologische Leistung mit dem Archäologie-Preis 2015 ausgezeichnet.

Wer sich die Entdeckungen anschauen möchte, kann die Sonderausstellung dazu noch bis Sonntag, 31. Januar, im Museum Erding besuchen. Es ist dienstags bis sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. (Julia Adam)

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