Umstellung im Einzelhandel 

Immer weniger Gratis-Plastiktüten

Landkreis - 20 Cent pro Tüte – diesen Preis verlangen bereits einige Einzelhändler. Eine Kette will sogar ganz auf Plastik verzichten. Die Kunden würden positiv reagieren, berichten die Firmen.

80 Prozent der Kunststofftüten im Einzelhandel sollen künftig kostenpflichtig sein. Darauf haben sich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Handelsverband Deutschland (HDE) geeinigt. Diese freiwillige Selbstverpflichtung soll innerhalb von zwei Jahren umgesetzt sein. Im Landkreis Erding sind viele Geschäfte jedoch schon heute weiter.

Bereits seit Anfang April verlangt die Parfümerie Howerka in Erding 20 Cent je Plastiktüte. „Die Kunden werden an der Kasse über die Neuerung informiert und haben aufgrund der Berichte über die vermüllten Meere Verständnis für die Maßnahme“, sagt Geschäftsführer Ernst Howerka.

Auch bei C&A im Gewerbegebiet Erding-West war der 1. April der Stichtag – zu diesem Datum hätte die Vereinbarung ursprünglich greifen sollen. „Seit der Einführung haben wir sehr positive Erfahrungen gemacht“, sagt Sabrina Kahn von C&A. „Es kommt nur zu wenigen negativen Reaktionen, wenn die Kunden die Hinweise in den Schaufenstern und an den Kassen nicht gesehen haben und deshalb überrascht sind.“

Hugo Gruber vom Gewandhaus Gruber in Erding hält die breite Einführung der bezahlten Plastiktüten für vernünftig. „Wir müssen nicht überall die Ersten sein, schließen uns aber sehr bald an. Außerdem sind unsere Plastiktüten sehr stabil und werden seit längerem von den Kunden ein weiteres Mal zum Einkauf mitgebracht“, sagt der Inhaber. Das werde sich sicher noch verstärken. Papiertüten hält Gruber für keine Alternative, da hierfür bereits jetzt genug Regenwald abgeholzt werde.

Der Hagebaumarkt geht da einen völlig anderen Weg. Auch hier werden seit längerem 20 Cent für die Plastiktüten verlangt. Jetzt hat sich die gesamte Münchner Gruppe dafür entschieden, sich von der Plastiktüte zu verabschieden. „In Zukunft werden die Kunden des Marktes Papiertüten anstatt Plastiktüten erhalten“, sagt der Erdinger Marktleiter Vincenzo Bisani. Wann die Umstellung abgeschlossen ist, hänge davon ab, wie lange die Restbestände der Plastiktüten halten.

Bei Sport Gerlspeck werden die Kunden „bald einen Obolus für die Plastiktüte bezahlen müssen“, erklärt Geschäftsführer Dieter Gerlspeck. Schon jetzt verzichte etwa die Hälfte seiner Kunden nach Rückfrage auf die Tüte.

In der Taufkirchener Filiale der Drogeriemarktkette Müller bezahlen die Kunden bereits seit fast einem Jahr zehn Cent für die Tüte. „Es hat keine spürbaren Auswirkungen auf die Umsätze gehabt“, sagt Angelika Reiter. Die Reaktionen der Kunden reichen von „Passt schon“ bis zu einem überraschten „Wie, ihr verlangt jetzt was für Tüten?“ Probleme gebe es aber nie.

Bei K&L Ruppert Erding kosten die Plastiktüten seit 18. April 20 Cent, und viele Kunden bringen inzwischen Mehrwegtaschen mit. Die Geschäfte leisten also offensichtlich ihren Beitrag, um das von der EU geforderte Ziel zur erreichen. Bis 2025 soll der Pro-Kopf-Verbrauch von Plastiktüten auf 40 Stück im Jahr sinken.

Peter Jentscher

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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