Ein Vorbild für die Kleinen: Lias (4) und Lorena (2) sind mächtig stolz auf ihre sportbegeisterte Uroma Leni Humplmair. Die 82-Jährige radelt am liebsten allein, aber bei den Urenkeln kann man eben nicht Nein sagen.
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Ein Vorbild für die Kleinen: Lias (4) und Lorena (2) sind mächtig stolz auf ihre sportbegeisterte Uroma Leni Humplmair. Die 82-Jährige radelt am liebsten allein, aber bei den Urenkeln kann man eben nicht Nein sagen.

Leni Humplmair (82) aus Niederneuching legte 100 000 Kilometer mit dem E-Bike zurück

In neun Jahren zweieinhalb mal um die Welt

  • vonDaniela Oldach
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Leni Humplmair ist 82 Jahre alt und leidenschaftliche Radlerin. Vor neun Jahren hat sie ihr erstes E-Bike gekauft. Mittlerweile ist das schon 100.000 Kilometer her.

Niederneuching – Das Auto kann bei Leni Humplmair getrost in der Garage bleiben. Viel lieber ist sie mit ihrem E-Bike unterwegs – und das nahezu bei jedem Wetter. Vor neun Jahren hat sie die Leidenschaft zum Radeln gepackt. Seitdem verging kaum ein Tag, an dem sich die rüstige Niederneuchingerin nicht auf ihren Drahtesel schwingt. Ende März hatte sie ihren 100 000. Kilometer zurückgelegt. Heißt: In neun Jahren radelte sie quasi zweieinhalb mal um die Welt.

Eigentlich sollte das sechsstellige „Jubiläum“ erst zu Humplmairs 83. Geburtstag am 30. April vollendet werden. „Jetzt war ich halt einen Monat schneller“, sagt sie schmunzelnd. Vor zehn Jahren hatte Humplmair mit dem Gedanken gespielt, sich ein E-Bike zuzulegen. Doch immer wieder verwarf sie die Idee oder fand nicht das richtige Gefährt. „Hast du dir jetzt schon ein Radl gekauft?“, fragte ihr 2014 verstorbener Ehemann Sepp immer wieder nach.

Der frühere Torwart des FC Moosinning unterstützte seine Frau in dem Vorhaben. Sepp Humplmair war nach einem Schlaganfall auf die Pflege seiner Frau angewiesen. Aber der früher sportbegeisterte Gatte verstand sehr wohl, dass seine Frau auch Auszeiten für sich benötigte. Und diese fand die frühere Kreischefin des Gartenbauvereins bei ihren Radtouren, als sie sich 2012 ihr erstes E-Bike kaufte.

Sobald es hell wurde, schwang sie sich aufs Radl, denn um halb acht Uhr morgens musste sie wieder bei ihrem pflegebedürftigen Ehemann zuhause sein. Mittags drehte sie dann nochmals eine kleine Runde. Für ihre Psyche seien diese persönlichen Auszeiten enorm wichtig gewesen. „Das war lebensnotwendig für mich“, gesteht sie. Ihre Touren führten Humplmair schon damals nach Eicherloh und Ismaning. „Da kenne ich jeden Kilometer“, verrät sie.

Nach Sepp Humplmairs Tod im August 2014 packte sie das Radlfieber erst so richtig. 50 Kilometer sind ein Klacks für sie. „Das längste, was ich mal gefahren bin, waren 163 Kilometer“, sagt sie. Das ging nur in mehreren Etappen, denn der Akku des E-Radls hält nicht so lange. Zum 80. Geburtstag leistete sie sich dann ein neues E-Bike. Das alte Gefährt hatte bis dato 61 750 Kilometer drauf. Beim Radl-Center Stöckl in Taufkirchen holten sie das funkelnagelneue Diamant-Rad in Schwarz ab. „Wann muss es denn zum Kundendienst?“, fragte Humplmairs Tochter Gertraud Eschbaumer den Verkäufer. „Kommen Sie so nach 1000 Kilometer“, war die Antwort. „Dann sind wir ja in zwei Wochen schon wieder da. 1000 Kilometer sind für meine Mutter nichts“, antwortete Eschbaumer und erntete dafür ungläubiges Staunen.

Mittlerweile ist Leni Humplmair aber nicht nur durch ihr überregionales Engagement für den Gartenbauverein, sondern auch als flotte Radlerin bekannt. „Ich gebe immer Vollgas“, räumt sie ein. Bis zu 25 Kilometer pro Stunde fährt das Rad, und diese Geschwindigkeit nutzt die 82-Jährige auch gerne aus.

Unterwegs ist sie immer mit Helm und Warnweste. Zweimal stürzte sie, kam aber mit Prellungen und Abschürfungen davon. Nur wenn die Straßen nass sind, verzichtet Humplmair aufs Radfahren und schwingt sich stattdessen auf ihren Hometrainer. Kaltes Wetter kann sie aber nicht vom Radfahren abhalten. „Wenn es kalt wird, mache ich mir einfach warme Gedanken“, sagt sie lächelnd. Im Notfall zieht sie auch mal zwei Paar Handschuhe übereinander an. „Da ist sie eisern“, bestätigt die Tochter. „Ich bin halt ein Naturmensch“, versichert Humplmair, die aus einer kleinen Landwirtschaft stammt und seit frühester Kindheit gerne an der frischen Luft ist.

Noch heute fährt Humplmair immer alleine. Hier könne sie ihr Tempo und ihre Strecke fahren, die meist Richtung Ismaning führt. Nach Corona würde sie auch gerne in Richtung der Berge unterwegs sein. Einmal fuhr sie mit der Familie um den Tegernsee. „War’s das schon?“, meinte sie nach der Tour.

Wichtig ist Humplmair zudem, dass sie immer eine gerade Zahl an Kilometern zurücklegt. Sind es beispielsweise erst 79,5 Kilometer, wird noch einmal eine Runde gedreht, bis die 80 voll sind. Radeln will Humplmair „so lange es geht“. Nun spekuliert sie mit einem zweiten Akku, damit die Ladezeit von zweieinhalb bis drei Stunden wegfällt und immer Ersatz dabei ist. Wer weiß, ob dieser Wunsch nicht zufällig am 30. April in Erfüllung geht.

Daniela Oldach

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