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Herberge für eine Nacht: Markus Erb, Brigitte Heidner und Eva Erb (hinten, v. l.) sowie die Kinder Benedikt, Vinzenz und Elias (vorne, v. l.).

Der Brauch des Marientragens

Die etwas andere Herbergssuche

Das Marientragen ist ein uralter Brauch in Bayern, der ziemlich in Vergessenheit geraten ist. In der Gemeinde Inning wurde er jetzt wieder mit Leben erfüllt – und das mit recht großem Erfolg.

Inning Das Marientragen stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde auch Frauentragen genannt. Dabei wird eine Marienfigur in der Adventszeit von einem Haus zum anderen getragen, bleibt dort über Nacht und wird am nächsten Tag weitergetragen. Die Idee zum Marientragen in Inning hatte Anni Heller. Dem Pfarrgemeinderat gefiel der Vorschlag sofort, und es wurde extra eine Marienfigur angeschafft. Sie wurde in eine Art Laterne gestellt, mit Haltegriff zum Schutz und zum Tragen.

Claudia Stachl übernahm die Organisation. Sie erstellte eine Liste, legte sie in der St. Stephanus Kirche aus. Hier konnten sich alle Interessierten mit Namen eintragen und wann sie Zeit haben. Gleich 22 Bewohner der gesamten Gemeinde Inning, die ebenso angetan waren von dieser „modernen Herbergesuche, wie bei Maria und Josef in Bethlehem, wollten mitmachen“, sagt Stachl. Und sie weiß: „In Inning hat es den Brauch früher nicht gegeben, aber in Langengeisling, Langenpreising und Oberding.“

Auch in der Heimatzeitung hatten die Inninger die Aktion angekündigt. Woraufhin Stachl ein Gedicht über Christus, den Heiland, von einer Frau aus dem Friaul erhielt, die in Pretzen lebt und sich sehr über den Artikel gefreut hatte. Dieses Gedicht wird nun bei jeder Übergabe vorgelesen.

So auch von Brigitte Heidner, die mit ihren beiden Buben, dem siebenjährigen Benedikt und dem dreijährigen Vinzenz, die Marienstatue zu Eva Erb, ihrem dreijährigen Sohn Elias und ihren Mann Markus trug. Abwechselnd lasen die beiden Frauen das Gedicht vor. Der kleine Benedikt zeigte sich ganz fasziniert, vor allem von der kleinen Krippe, die im Hausgang der Erbs steht, und Vinzenz von der Technik der Laterne, die er gleich tragen wollte.

„Ich finde es schön, weil sich Leute begegnen, die sich sonst vielleicht gar nicht treffen würden“, erklärt Heidner, warum sie spontan mitgemacht hat. Auch Eva Erb ist dieser Brauch wichtig. Sie ist Religionslehrerin an der Grundschule Taufkirchen und Mitglied des Pfarrgemeinderats. Schon beim Kleinkindergottesdienst hätten die Mädchen und Buben Bilder von der Marienfigur bekommen, erzählt sie. Das Marientragen sei nicht nur wichtig für die Beschäftigung mit dem Glauben, sondern auch zum Kennenlernen in der Gemeinde.

Gemeinsam brachten alle fünf die Marienfigur ins Wohnzimmer, wo sie über Nacht stehen blieb. Schön sei, so Erb, dass auch viele Leute aus dem Außenbereich mitmachen, etwa aus Hain, Heldering, Ottering, Wimpasing oder Reimering, wo die Heidners herkommen. Ebenso toll finden es beide Familien, dass Jung und Alt mit von der Partie sind.

Die Heidners haben die Marienfigur von ihrer Oma Mathilde Voglhuber erhalten. Und Erb hat die Marienstatue gleich am darauffolgenden Tag zu ihren Nachbarn, den Faltermaiers, getragen. Auf ihrer Reise bis zum 24. Dezember kommt Maria jeden Tag zu einer anderen Familie. Auch in die Grundschule, zum Seniorennachmittag in Wimpasing und zur Kinderkirche wird sie getragen. Weil die Begeisterung bei so vielen so groß ist, wird das Marientragen bestimmt auch in den kommenden Jahren wieder durchgeführt werden.

Birgit Lang

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