Vor Gericht

Im Vollrausch mutiert das Prügel-Opfer zum Täter

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Rettungsdienst und Polizei wollten ihm nur helfen, doch im Haus der Großeltern wurde der junge Mann zum Wüterich außer Rand und Band.

Erding/Landkreis-Osten – Der 26-Jährige aus dem Holzland musste sich jetzt wegen Beleidigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte vor dem Amtsgericht Erding verantworten. Er wurde zu 4050 Euro Geldstrafe verurteilt. Dabei hat der junge Mann derzeit nicht mal einen Job.

Am 21. Juli 1998 besuchte der 26-Jährige die Disco Crazytown in Taufkirchen. Was dort passiert ist, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Als ihn sein Opa am nächsten Morgen um 4.30 Uhr heimfuhr, wies der Nachtschwärmer eine Schwellung des Auges auf. Die Großeltern sorgten sich und riefen den Rettungsdienst.

Da die Sanitäter davon ausgehen mussten, dass der junge Mann Opfer einer Straftat geworden war, baten sie die Polizei hinzu. Als zwei Beamten der Dorfener Inspektion eintrafen, wurde der 26-Jährige aggressiv. Er stieß wüste Beschimpfungen aus, boxte gegen eine Tür und rammte eine lange Schere in eine Schrankwand.

Beide Beamte sagten aus, dass er dann zu den Schlüsseln seines Lastwagens griff und angab: „Hier bleibe ich nicht, und mit Euch fahre ich nicht mit.“ „Wir mussten davon ausgehen, dass er abhauen wollte“, berichteten die Polizisten. Da das vermeintliche Opfer sichtlich betrunken war – ein Alkotest ergab später einen Wert von 1,56 Promille – und immer weiter ausflippte, entschloss sich die Streife, den Mann zu fesseln. Dagegen setzte er sich massiv zur Wehr. „Es war eine Eigen- und Fremdgefährdung gegeben, weswegen wir ihn ins Klinikum Taufkirchen einweisen lassen wollten“, erklärte einer der Beamten. Dort landete der 26-Jährige dann auch.

Er, der ohne Anwalt vor Gericht erschienen war, erklärte, er könne sich an nichts mehr erinnern. Seine Großmutter sagte im Zeugenstand aus, der Enkel sei nicht aggressiv gewesen und habe auch nicht mit dem Lkw türmen wollen. „Man muss schon beide Augen zudrücken, wenn man da keine uneidliche Falschaussage erkennen will“, merkte Staatsanwalt Gerald Siegl sichtlich angefressen an.

Da der Täter nicht vorbestraft ist, er die Beamten nicht attackiert und sich entschuldigt hatte, forderte Siegl eine Geldstrafe über 4500 Euro. Richterin Michaela Wawerla verurteilte ihn zu 4050 Euro. Die Aktion des Verurteilten „war überflüssig wie ein Kropf. Sie wurden als Opfer einer Straftat behandelt, man wollte ihnen helfen“, wies ihn die Richterin zurecht. Er habe sich „völlig unangemessen verhalten“.

Der Täter nahm das Urteil an, signalisierte aber, dass er nicht in der Lage sei, die Strafe zu bezahlen. Wawerla klärte ihn auf, dass er die 4050 Euro abstottern könne, zumal er ab Februar wieder einen Job habe. HANS MORITZ

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