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Viel Liebe zum Detail: Ausgefallene Geschenkverpackungen sind eine Spezialität von Christa Wagner.

Papierwerkerin Christa Wagner

Die Inninger Freudenbringerin

Inning - Sie wirkt zerbrechlich, hat eine schimmernd zarte Haut wie Schneewittchen. Nur die Haare sind nicht schwarz wie Ebenholz, sondern rot wie Kupfer. Ihr Name: Christa Wagner. Ihr Hobby: Sie schafft Kunstwerke aus Papier.

Christa Wagner ist schon lange verheiratet und Mutter von vier Töchtern. Obwohl sie so zerbrechlich wirkt, steht die 40-jährige Inningerin mitten im Leben, hat ihren Haushalt und die Erziehung ihrer Kinder im Griff. Dennoch braucht die gelernte Steuerfachangestellte ihre Auszeiten, um wieder aufzutanken. Im stillen Kämmerlein werkelt sie dann vor sich hin.

Das Material, mit dem sie ihre kleinen Kunstwerke schafft, passt zu ihr. Es ist fragil, wie sie: Papier. Daraus zaubert sie filigrane Karten, Schachteln und Verpackungen. In die Kartonagen stanzt sie Figuren, beklebt sie mit geometrischen Formen, spinnt Fäden ein oder walzt und föhnt goldene Tupfen darauf. Zur Weihnachtszeit tummeln sich braune Rentiere mit kleinen, roten Kügelchen um den Hals auf ihren weißen Karten. Schokoriegel versteckt sie in bunt verzierten Verpackungen mit Schleifen und Glitzersternchen, die dann wie mit Zauberhand aus ihrer Hülle gezogen werden können. Ihrer Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

„Ich bin sehr detailverliebt und teilweise perfektionistisch. Der zarte, eher schlichtere Typ“, verrät sie und betont: „Das kleine i-Tüpfelchen macht es meistens aus.“ Gerne lässt sie sich in und von der Natur inspirieren, wenn sie mit Hund Toni ihre Runden dreht, den Sonnenaufgang bewundert, im Internet stöbert oder in einem Katalog blättert und tolle Farbkombinationen entdeckt. „Ich mag zarte Töne. Meine Lieblingsfarben sind Roségold und Kupfer, warm und schlicht.“ Dann überlegt sie, wie sie daraus was Schönes gestalten könnte, um anderen Menschen eine Freude zu machen. Ihre erste Schachtel schenkte sie spontan einer Frau, der es nicht gut ging. „Sie hat sich so gefreut“, dass es Wagner motivierte, ihren Weg weiter zu gehen.

Ihre Kunstfertigkeit hat sie im Laufe der Jahre immer mehr verfeinert und schon mindestens 50 Menschen mit ihrer Leidenschaft angesteckt. Denn die Papierkünstlerin gibt auch Workshops für Bekannte oder Vereine. „Kurse mache ich sehr gerne, weil ich da die Leute aus ihrem Alltag holen kann und ihnen damit schnell ein bisschen Glück bereiten kann.“

Wer Wagner daheim besucht, kann ihr auch in ihrer Werkstatt über die Schulter schauen. Ein Zahlenmensch war sie noch nie. Auch wenn sie Jura studiert und nach drei Semestern abgebrochen hat, um eine Ausbildung zu machen. „Eigentlich wollte ich schon immer was Handwerkliches machen, ich wollte Raumausstatterin werden“, erzählt sie. Aber dazu sei sie zu „zart“ gewesen. So konnte sie erst in der Babypause ihre kreative Seite ausleben.

Angefangen habe es mit Fotoalben, die sie aufwändig gestaltete. „Dieses Schaffen, mit den Händen selber etwas herzustellen, allein schon der Herstellungsprozess, das ist für mich sehr befriedigend“, sagt sie, gibt aber zu, dass es auch deprimierende Phasen gibt, „dann wieder welche, wo es nur so flutscht“. Die Zeit für ihre Muse muss sie sich freischaufeln. „Druck, eine Deadline, das tut mir gut.“ Denn Wagners Basteleien sind sehr begehrt. Ihr Können hat sich schon über Inning hinaus herumgesprochen. „Viele Leute wissen es zu schätzen, was ich mache. Denn meine Sachen sind keine Massenproduktion, sondern alles handgemacht.“

Für Hochzeiten und Feiern, aber auch für Trauerfälle werden ihre individuell gestalteten Karten oft nachgefragt. Und wenn ihre Töchter Anna, Sarah, Tabea und Emma zu Geburtstagen eingeladen werden, wird das Geschenk oder der Gutschein von der Mama immer besonders schön verpackt. Ihr macht es einfach Spaß und den Beschenkten Freude.

Beim Advent im Schloss in Taufkirchen präsentierte Wagner ihre Werke, ebenso beim Inninger Lichtermarkt. Hier gehört sie schon zum Inventar. Kein Wunder, denn sie hatte die Idee dazu: „Der erste Lichtermarkt fand 2010 bei uns in der Garage statt.“ Mittlerweile wird er alle zwei Jahre bei der Innninger Alm durchgeführt und ist zum Publikumsmagneten geworden. „Ich habe so viele Ideen, aber nicht alles ist umsetzbar.“

Weil sie ihre Kunstfertigkeit gerne an Interessierte weitergibt, hat sie jetzt einen kleinen Laden in ihrem Haus aufgemacht. „Die Idee habe ich schon lange in mir getragen.“ In ihrer „Glücksmacherei“, wie sie es genannt hat, in der Bergstraße 3, demonstriert sie Interessierten ihr Handwerk, verkauft eigene Werke und die von Freunden, sowie gerne auch Zubehör für Papierkunst wie Stempelsets und Klebepulver oder Hilfsmittel zum Schneiden und Falzen. Mit dem Verkauf finanziert sie ihre Leidenschaft. „Ich bin kein Vertriebsmensch, aber ich kann die Menschen mit meiner Begeisterung anstecken.“ Als Künstlerin sieht sich Wagner nicht. „Ich sehe mich eher als Freudenbringerin, schaffe kleine Momente der Freude im Alltag.“

Birgit Lang

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