Vor Gericht

Rache des Faschings-Nikolaus endet im Knast

Wegen gefährlicher Körperverletzung in einem minder schweren Fall muss ein 22-jähriger Mechaniker hinter Gitter. Er war bei einem Faschingsumzug mit anderen aneinander geraten.

VON WALTER SCHÖTTL

Holzland/Landshut – Er konnte es ebenso wenig fassen wie seine im Gerichtssaal anwesenden Eltern: Ein 22-jähriger Mechaniker aus dem Erdinger Holzland kam am Donnerstag vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Landshut zwar um eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags herum. Wegen gefährlicher Körperverletzung in einem minder schweren Fall muss er dennoch hinter Gitter.

Die Schwurgerichtskammer verhängte für die gefährliche Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. Eine Reihe glaubwürdiger Zeugen habe bestätigt, dass der Mechaniker auf einem „Rachefeldzug“ blindwütig zugeschlagen habe. Anders als der Anklagevertreter kam die Kammer aber zu dem Ergebnis , dass nicht die Faustschläge, sondern der Fußtritt als gefährliche Körperverletzung abzuurteilen gewesen sei: „Jeder weiß, dass Tritte gegen den Kopf lebensgefährlich sind“, erklärte Vorsitzender Richter Markus Kring.

Deshalb sei man von einer Verurteilung wegen versuchten Totschlags nicht weit entfernt gewesen: „Lediglich dass nicht exakt festgestellt werden konnte, mit welcher Intensität der Tritt geführt wurde, machte den Unterschied.“ Auch die Alkoholisierung ließ der Vorsitzende Richter nicht als Milderungsgrund gelten: Wer sich bewusst besaufe, tue das auf eigene Gefahr.

Es war das fatale Finale des Umzugs am Faschingssonntag 2017 in Buch am Erlbach: Zuerst hatte ein 27-jähriger Student aus Buch dem Angeklagten in einem Saal mit einem Faustschlag das Nasenbein gebrochen. Kurz danach auf der Straße gerieten der Student und ein 21-jähriger Landwirt-Azubi aneinander, der mit dem Angeklagten in einer Nikolaus-Gruppe in Buch gefeiert hatte. Der Mechaniker stürmte mit dem Schrei „Jetzt ghörst ma, du Drecksau“ auf den Studenten los, versetzte ihm einen Faustschlag ins Gesicht. Als er dann weggezogen wurde, trat er dem Studenten noch gegen den Kopf. „Mit voller Wucht, wobei er den Tod des Geschädigten zumindest billigend in Kauf nahm“, so die Anklage, die deshalb zunächst auch auf versuchten Totschlag lautete.

Der Student erlitt unter anderem Brüche des Augenhöhlenbodens und des Siebbeins sowie eine Blutung des linken Augapfels, wobei zeitweise der Verlust des Augenlichts als Gefahr bestand. Er hatte allerdings Glück: Die schweren Verletzungen verheilten komplikationslos.

Zum Prozessauftakt hatte der Mechaniker angegeben, dass er etwa 15 Halbe Bier und einige Schnaps intus gehabt hatte. Einen Faustschlag im Stehen habe es beim Nachtarock auf der Straße nicht gegeben, schon gar keinen Fußtritt. Auch beim Opfer wurden später knapp drei Promille festgestellt.

Ins Visier der Staatsanwaltschaft gerieten dann vor allem Zeugen aus der Nikolaus-Clique. Der Landwirts-Azubi, eine 21-jährige Bürokauffrau und ein 23-jähriger Koch bestätigten allesamt mehr oder weniger die Version des Angeklagten. Alle drei wurden mehrfach auf die gravierenden Folgen einer Falschaussage hingewiesen, blieben aber weitgehend bei ihren Schilderungen, sodass auf sie jetzt, wie Staatsanwalt Thomas Rauscher klar machte, Ermittlungsverfahren wegen uneidlicher Falschaussagen zukommen dürften.

Am zweiten Verhandlungstag sammelte der Mechaniker noch Pluspunkte und einigte sich mit dem Studenten auf ein Schmerzensgeld von 5000 Euro. Die Anklagebehörde sei zwar einiges gewohnt, so Staatsanwalt Rauscher im Plädoyer. „Aber soviel Schmarrn und Falschaussagen vor einem Schwurgericht nicht – vor allem was den Fußtritt betrifft.“

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