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Die ehemalige (Mofa-)Rocker-Gang Daytonas feierte beim Bürgerball ihr Revival.

Inninger Bürgerball

Rocker, Fische, Puppenspieler

„Die Legende lebt“. Der Relaunch hat bestens geklappt. Nach zehn Jahren kreativer Pause sind am Samstag über 200 Besucher zum Inninger Bürgerball in die Holzlandhalle gekommen.

Inning– Nach einem Jahrzehnt lebte nicht nur der Bürgerball wieder auf – es gab noch etwas zu feiern: Die legendären Daytonas, eine einstmals jugendliche Mopedgang aus Taufkirchen, feierte bei der Faschingsgaudi ihr Revival.

In den Jahren 1979/80 hatten sich die Mofa-Rocker gegründet, die ihre Meetings gerne vor und im Gasthof zur Post, der damaligen Disco Butterfly, hatten. Damals waren die meisten 17 Jahre alt und gerade in der Lehre, erzählte Robert „Charly“ Tristl, der seit Langem in Inning lebt. Er hatte seine Original-Lederjacke und Kutte mit dem Stierkopf-Emblem an. Um sich dieses anfertigen zu lassen, waren die Burschen damals extra nach München gefahren. 70 Mark hat ein jeder dafür hingeblättert. In seine alten Cowboystiefel hatte sich sein Chapter-Spezl Korbinian „Botsche“ Heindl aus Hain gezwängt. „Des warn noch Zeiten“, meinte er, als sie mit ihren Zündapp- und Herkules-Maschinen richtig Gas gaben. Weitere alte Kameraden konnten die beiden Gründungsmitgliedern zwar nicht für diesen Auftritt begeistern, dafür aber einige „Prospects, also Frischlinge“, die ebenso verwegen mit Rauschebärten, Sonnenbrillen, Piratenkopftüchern und tätowierten Armstrümpfen in der Halle für Aufsehen sorgen.

Hart gesottene Familienväter mit rockigen Bräuten

Die mittlerweile „hart gesottenen Familienväter“ hatten ihre ebenso rockigen Bräute im Schlepptau, mit denen sie Fox tanzten. Viel gab es über früher zu ratschen, und die Gaudi war dabei für die gleichaltrigen Nicht-Daytonas genauso groß.

Eine ebenfalls lange Tradition haben die sich deutlich verjüngten Woodland-Ladies. Sie entstanden vor mindestens 15 Jahren aus der damaligen Frauengymnastik unter der Leitung von Silvia Resch. Heute tanzen in der Gruppe zu 80 Prozent die Töchter der damaligen Turnerinnen. Trainiert werden sie von Caroline und Isabelle Schink. Ihr umjubelter Auftritt mit Zugabe ließ die Holzlandhalle beben.

Klar, auch die Schink- und Resch-Eltern waren da, allerdings kamen sie etwas seriöser daher, als Traumschiff-Crew mit Kapitän Sascha Hehn, Monteure und sogar Schiffspiraten. Passend dazu tummelten sich gleich am Nachbartisch kunterbunte Gestalten der Unterwasserwelten: rote, blaue und grüne Tintenfische, Schildkröte, Meerjungfrau, eine blinkende Qualle und viele Clownfische. Auch Captain Jack Sparrow, viele Chinesen, Starbucks-Kaffee-Tassen und -Kellner sowie vier Charly-Chaplin-Doubles gehörten zum illustren Publikum.

Auch Captain Jack Sparrow feiert mit

Einer aus der Meerestier-Gruppe war FC-Inning-Chef Günter Fenk. Er trat zusammen mit Sepp Genseder und Alfred Hübner als Puppenspieler hinter einer hohen Bühne auf. Ihr Thema: „Wer ist der größte Bürgermeister der Neuzeit in Inning?“ Ein Spiel, angelehnt an Wolfgang Krebs und seine drei bayerischen Ministerpräsidenten. Ähnlichkeiten der Puppen mit der amtierenden Bürgermeisterin Michaela Mühlen sowie ihren beiden Vorgängern Sepp Naderer und Franz Mesner waren rein zufällig. Auch ihre Eigenarten und die jeweils angepriesenen Errungenschaften ihrer Amtsperioden.

Rocker, Banditen, Frösche: Das war der Bürgerball in Inning 

So beschwerte sich der Weißhaarige beispielsweise, dass er es besonders schwer gehabt habe, weil zu seiner Zeit noch alle Dörfer zerstritten gewesen wären und ein junger Helderinger grundsätzlich jede Bürgerversammlung gestört habe. Damals sei Inning aber noch „das geistige und kulturelle Zentrum des Holzlandes“ gewesen. Worauf sich sein Konkurrent mit Franzosenhut nur wunderte, warum dann das neue VG-Rathaus nicht in Inning gebaut worden sei. Auch die Aufzählungen der Schwarzhaarigen – Breitband, Planung des Recyclinghofs und Sanierung der Holzlandhalle – machten auf ihn wenig Eindruck. Die alten Fenster der Holzlandhalle seien die „beste Lüftungsanlage“, meinte der mit dem Franzosenhut und erinnerte an seine internationalen Beziehungen, insbesondere die Südtiroler Partnerschaft. Selbstbewusst konterte die Schwarze, dass bei ihr nichts ein Problem sei, weder die Straßennummerierung noch das Baugebiet in Heldering Nord. „De kuschn, wenn i wos sog“. Das Fazit des Wettstreits: „Lass mas sein, wias is.“

Je später der Abend, desto lustiger die Gäste. Das galt auch für den 20. Inniger Bürgerball, wo weit bis nach Mitternacht an der Bar geflirtet und gesüffelt sowie auf der Tanzfläche zur Musik der Band Nightline getanzt wurde.

Birgit Lang

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