Inninger Schülertreffen

Schöne und schmerzhafte Erinnerungen

Welten trafen auf einander, aber auch Gemeinsamkeiten taten sich auf: Beim großen Schülertreffen zum Holzlandvolksfest waren Inninger Schüler der Jahrgänge 1926 bis 1998 eingeladen, also von 90 bis 18 Jahren. Gut 400 kamen, und die hatten sich viel zu erzählen.

Inning – Therese Schwaiger, geborene Kistler aus Hain, war mit ihren 89 Jahren die älteste Teilnehmerin. Aus München war sie mit ihrer Tochter angereist. Zu Fuß marschierte sie früher jeden Tag eine halbe Stunde zur Schule. Einmal im Winter hatte es Schneeverwehungen, die bis zu den Stromkabeln hoch reichten und kein Durchkommen möglich war, erzählt sie. „Wir hatten selber gemachte Stiefel vom Schuster aus ganz hartem Leder, weil sie ja lange halten mussten.“

Das Schulhaus war in der Ortsmitte. Oben war das Klassenzimmer, unten wohnte Lehrer Arnold Rosner. „Wir hatten wenig Unterricht“, erinnert sie sich, weil der Herr Lehrer oft zu seiner Frau runterging, während seine Schüler im Obergeschoss unbeaufsichtigt waren. „Dann haben wir Blödsinn gemacht, wenn er plötzlich wieder im Klassenzimmer stand, war sofort alles ruhig.“

Die Kinder mussten folgen, denn Strafen waren damals noch an der Tagesordnung. Sogar ein Tatzensteckerzimmer gab es. „Einmal hab ich drei Tatzn vom Pfarrer gekriegt, weil ich geratscht und nicht aufgepasst habe“, erinnert sich Schwaiger noch heute. „Da Spanische“ nannten sie den dünnen Stecken nur, mit dem der Lehrer ausholte und auf die Innenseite der Hände drosch. Das flößte den Kinder großen Respekt ein. Als der Lehrer wieder einmal nicht da war, hat ein Bub den Spanischen einfach gepackt, zerbrochen und in den Ofen geschmissen, sagt die 89-Jährige grinsend. Nur ein Butterbrot gab es jeden Tag zur Pause mit.

Auch Stefanie Kobold, geborene Hermannskirchener aus Wimpasing, erinnert sich noch an vieles. Sport war ihr Lieblingsfach, Turnhalle gab es damals aber noch keine. Beim Sportplatz an der Adlberger Straße, der zwischen Inning und Reimering lag, sprangen die Kinder herum oder spielten Handball. „Sieben Buben und sieben Dirndln“ waren es in ihrem Jahrgang.

Insgesamt waren es aber sehr viel mehr Kinder, denn von der ersten bis zur siebten Klasse wurden sie ja in einem Raum unterrichtet. Es gab die kleine Klasse von der ersten bis zur vierten, und die große Klasse von der fünften bis zur achten.

Kobold war mit ihren 88 Jahren die Zweitälteste des Treffens und hatte von Aham bei Taufkirchen nur knappe 15 Minuten, um ihre ehemalige Mitschülerin Therese wieder zu sehen. Aus ihrem Jahrgang war sie allerdings die Einzige.

Auch der Jahrgang 1961/62 konnte von Luxusklassenzimmern, wie sie heute existieren, nur träumen. „Wir wurden 1968 in der Inninger Alm eingeschult. Ziemlich kalt war es dort, das weiß ich noch“, sagt Angela Rupp, geborene Spangenberg aus Ottering. „Wir saßen an Wirtshaustischen, ein Kachelofen war im Zimmer und wir mussten draußen aufs Plumpsklo gehen.“ Eine ihrer Freundin habe heute noch ein Trauma, weil es dort so viele Spinnen gab. 42 Schüler seien es damals in ihrer Klasse gewesen. Lehrerin war Maria Urbas, die von 1939 bis 1971 in Inning unterrichtete. Von Fräulein Urbas gab es eine handgeschriebene Lesefibel. „Freilich war die streng“, erinnern sich ihre Klassenkameraden. Auch damals wurden die Schüler noch an den Koteletten, den „Schmalzfedern“, gepackt, wo es besonders schmerzhaft war, wenn sie nicht folgten.

Hans Schumertl hatte zusammen mit Sonja Heinemann das Treffen federführend organisiert, über 500 Ehemalige angeschrieben. Die weiteste Anreise hatte Christoph Hauser aus Halle an der Saale, sagt er. Auch Lydia Fleck und ihre fünf Geschwister, die in Amerika wohnen wurden von ihm angeschrieben. Es waren Flüchtlinge, die beim Obermaier, jetzt Jell, in Kleinwimpasing Unterschlupf gefunden hatten und später nach Übersee auswanderten. Die 80-jährige Elisabeth Prediger, ihre damalige Nachbarin, hat noch heute mit Lydia Kontakt, telefonierte auch wegen des Schülertreffens mit ihr. „Aber von den Amis ist keiner gekommen“, eine Familienfeier verhinderte dies.

Nach dem gemeinsamen Gedenkgottesdienst, den Pfarrer Jacek Jamiolkowski sehr schön zelebrierte, feierten alle im Festzelt am Feuerwehrhaus das große Wiedersehen. Auf großes Interesse stießen vor allem auch die Fotowände, die alte Klassenfotos zeigten und eine Schulchronik, die der ehemalige Inninger Lehrer Kurt Heimeier verfasst hatte.

Birgit Lang

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