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Das Hochzeitsfoto von ihrer Traumhochzeit in Las Vegas hat einen Ehrenplatz bei Conny und Ivan Khan.

Serie: Internationale Ehen

Conny und Ivan Khan: Sportlich ins neue Glück

Ein gemeinsamer Nordic-Walking-Kurs führte Ivan Khan aus Pakistan und seine niederbayerische Gattin Conny Ebering auf den gemeinsamen Lebensweg. Krönung ihrer Beziehung war ihre romantische Hochzeit in Las Vegas. Jetzt leben sie gemeinsam in Inning.

Inning Aufgewachsen ist Ivan Khan im pakistanischen Lahore, nahe der Grenze zu Indien, wo er nach dem Schulabschluss ein Studium in Mathematik und Physik absolvierte. Seine acht älteren Geschwister haben sich schon im englischsprachigen Ausland niedergelassen, und auch Ivan Khan will nach dem Bachelor-Abschluss im Ausland weiterstudieren. „Entgegen allen Ratschlägen wollte ich aber nicht zu meinen Geschwistern. Die hätten mich wie Eltern behütet, das ist in Pakistan so Tradition“, erklärt der gebürtige Pakistani. So macht er sich Alter von 22 Jahren auf dem Landweg auf nach Deutschland, reist mit Zügen und Bussen 17 Tage lang durch Persien, die Türkei und über den Balkan – und erreicht im März 1969 München.

An die ersten Überraschungen in Bayern erinnert sich der heute 72-jährige noch gut: „Zum ersten Mal sah ich eine Straßenbahn vorbeifahren, dann die ganzen Reklamelichter am Hauptbahnhof, und plötzlich rieselten Schneeflocken vom Himmel – das war wirklich grandios.“ Englisch beherrscht der junge Mann bestens, doch noch kein Deutsch. „Mir wurde im Leben immer weitergeholfen“, erzählt er.

So findet er ein Zimmer im Studentenheim, lernt innerhalb kürzester Zeit in den Unisprachkursen Deutsch und beginnt sein Studium. Der Tipp eines Bekannten, anstelle des geplanten Maschinenbaus lieber Informatik zu wählen, erweist sich als goldrichtig zu einer Zeit, in der ein Informatikstudium noch als exotisch gilt. Schon nach einigen Semestern bietet sich dem rührigen Studenten eine Stelle als Operator. „Damals standen in den klimatisierten Räumen noch die riesigen Rechner mit einer Rechenleistung, die heute schon ein Notebook hat, und wir trugen weiße Kittel“, blickt Khan lachend zurück.

Doch er will weiterkommen in der EDV, lernt Programmiersprachen und arbeitet sich hoch zu einer gut bezahlten Stelle. Gut für ihn, aber schlecht für sein Praktikantenvisum, denn dafür verdient er jetzt zu viel. „Innerhalb von drei Monaten sollte ich Deutschland verlassen“, erinnert sich der EDV-Fachmann.

Beim Nordic Walking funkt’s

Und wieder kommt ihm der Zufall zu Hilfe: Er findet in einem Zugabteil eine Zeitung aus Österreich mit einem Stellenangebot als Programmierer in Wien. Der junge Mann bekommt den Job, zieht in die österreichische Landeshauptstadt und führt neben der Arbeit sein Informatikstudium fort. „Die sechs Jahre in Wien waren wichtig für meine kreative Entwicklung“, schwärmt Khan noch heute.

Er lernt Klavier spielen, entdeckt die klassische Musik und die Malerei. Seine EDV-Karriere führt ihn einige Jahre später in die Siemens-Firmenzentrale nach München, wo er bis zum Renteneintritt eine gehobene Führungsposition als Marketingleiter für Telekommunikation innehat. Zwischenzeitlich ist er mit einer Deutschen verheiratet, wird Vater von drei Kindern und wohnt in Markt Schwaben. Nach 40 Jahren Ehe trennt sich das Paar, doch Ivan Khan hält mit seiner Exfrau und den erwachsenen Kindern einen guten Kontakt.

Ein echtes „niederbayerisches Mädel“ ist Conny Ebering aus Obernzell bei Passau. Sie kommt mit 16 Jahren nach München, um dort eine kaufmännische Lehre zu absolvieren. Sie heiratet einen Münchner, bekommt zwei Kinder und baut sich zuerst in Anzing, später in Markt Schwaben ein Kosmetik- und Wellness-Studio auf. Das Paar trennt sich nach 24-jähriger Ehe.

Vor elf Jahren kommt die sportliche Kosmetikerin in einem Markt Schwabener Fitness-Studio mit Ivan Khan ins Gespräch. Sie kennen sich bis dahin nur vom Sehen. „Machen Sie auch mit bei dem Nordic-Walking-Kurs?“, wird sie gefragt. Da hätte sie sich nicht träumen lassen, dass dies der Start in ein neues Glück sein wird. Bei Sportaktivitäten kommen sich die beiden näher und beschließen, den Lebensweg gemeinsam zu gehen. „Der Sport ist uns beiden wichtig, wir machen gerne ausgedehnte Radtouren und haben vor zwei Jahren auch mit dem Tanzen begonnen“, erzählt die Niederbayerin.

Die Suche nach einem Grundstück hat das sportliche Paar vor fünf Jahren nach Inning am Holz geführt. Hier können sie ihr Wohnhaus mit integriertem Kosmetikstudio für Conny realisieren. Ihr Mann hat im Ruhestand seine kreative Seite wiederentdeckt und sich ein Kunstatelier eingerichtet, in dem er Malworkshops für Kinder und Erwachsene abhält.

Durch eine Erkrankung erfährt das Leben von Ivan Khan eine neue Wendung: Er kommt mit der Energiearbeit in Berührung, der er seine damalige Heilung und heutige Vitalität zuschreibt. Intensive Studien auf dem Gebiet der geistigen Heilung fördern eine weitere Begabung zutage. In den vergangenen vier Jahren behandelte er ungefähr 1000 Klienten: „Es ist wahnsinnig schön, so vielen Menschen helfen zu können.“

Traumhochzeit in Las Vegas

Ins Schwärmen kommen die Khans auch, wenn sie von ihrer Traumhochzeit erzählen. „Eine normale Hochzeit hatten wir beide schon erlebt, da wollten wir jetzt etwas Verrücktes machen.“ Vor zwei Jahren besiegelten sie den Bund fürs Leben ganz romantisch in Las Vegas. „Unser Hotel Venetian war ein Traum, man fühlte sich bei den Hochzeitsfotos fast wie am Markusplatz und auf der Rialtobrücke“, schwärmt Conny Khan. Der bestickte Stoff für ihr royalblaues Hochzeitskleid stammt aus Pakistan, eine weiße Stretchlimousine bringt das Brautpaar zur Graceland Wedding Chapel, in der schon Jon Bon Jovi geheiratet hat. „Gäste hatten wir natürlich keine, nur einen Fotografen, der auch als Trauzeuge fungierte“, erzählt die jung gebliebene Braut, die bereits vier Enkelkinder hat. Einzigartig war auch die Hochzeitsreise durch die USA für die Frischvermählten.

In Inning wohnen die Khans seit fünf Jahren und fühlen sich dort aufgehoben. „Gleich zu Beginn haben wir zu einem Tag der offenen Tür in unserem Kosmetikstudio und Kunstatelier eingeladen, damit die Inninger uns kennenlernen können“, sagt der gebürtige Pakistani, der seit 1983 einen deutschen Pass hat. „Pünktlich zur Geburt meiner Tochter konnte ich im Münchner Krankenhaus als Nationalität Deutsch angeben“, freut er sich noch heute darüber. Glücklich sind die Wahl-Inninger auch über die gute Beziehung zu den jeweiligen Ursprungsfamilien, die die neuen Partner in die Familie aufgenommen haben.

Ivan Khan wollte nie zurück nach Pakistan. In die deutsche Kultur ist er vollständig eingetaucht: „Wenn man zu sehr an den mitgebrachten Traditionen festhält, gibt es oft Probleme in der neuen Heimat. Es braucht eine große Anpassungsfähigkeit und Offenheit für die andere Kultur“, weiß er. Seine Gattin ergänzt: „Wichtig ist es, dem anderen seine Freiheit zu lassen und Toleranz zu zeigen für andere Gewohnheiten.“ Die 61-jährige Vegetarierin liebt seit jeher die indische Küche, die ihr Gatte nun zuhause „zelebriert“. Sie selbst kocht eher mediterran, aber auch bayerisch. Gerne unternehmen die Khans Fernreisen, Passprobleme gibt es dabei keine. Nur wenn es um die Seniorenermäßigung geht, wird häufig ein Blick auf den Ausweis fällig. „Da glaubt uns oft keiner, dass wir schon im Rentenalter sind“, erklären die beiden lachend.

Mehr über die Kurse bei Ivan Khan verrät seine Homepage lebensfreude-inning.de. Auf www.connys-wellness-oase.de gibt es Infos zu Conny Khans Studio.

Gerda und Peter Gebel

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