+
Bei der Einrichtungswelt m+m in Taufkirchen und anderen Möbelhäusern hat Rainer Miesl die Insolvenz wahrhaben wollen.

Insolvenzverschleppung bei m+m

Taufkirchen - Zu 15 Monaten auf Bewährung ist der Taufkirchener Geschäftsmann Rainer Miesl verurteilt worden. Ihm wird vorgeworfen, die Insolvenz seiner Möbelhäuser verschleppt zu haben.

Das kleine Firmenimperium, das aus Möbelhaus und Schreinerei Maikäfer und Miesl entstanden war, hatte im harten Wettbewerb mit den Möbel-Giganten auf der grünen Wiese keine Chance: Obwohl die drei Unternehmen in Taufkirchen und Vilsbiburg spätestens ab 2003 rote Zahlen schrieben, stellte der 43-jährige Taufkirchener Rainer Miesl die fälligen Insolvenzanträge zu spät. Dafür handelte er sich jetzt beim Schöffengericht des Amtsgerichts Landshut eine Bewährungsstrafe von 15 Monaten ein.

Die Anklageschrift der Landshuter Staatsanwaltschaft dokumentierte den Niedergang der drei Möbelgeschäfte: Da war das Einrichtungshaus in Taufkirchen, für das Miesl seit 1998 als alleiniger Geschäftsführer verantwortlich zeichnete. Schon im Januar 2004, so die Anklage, habe der GmbH die Zahlungsunfähigkeit gedroht. Die laufenden Einnahmen und liquiden Mittel deckten nicht einmal mehr zu 50 Prozent die Verbindlichkeiten. Zum endgültigen Firmenkollaps sei es im Dezember 2006 gekommen, als eine Bank Darlehen in Höhe von über einer halben Million Euro fällig gestellt habe.

Nicht viel besser sah es laut Anklage bei der in Vilsbiburg gegründeten Wohnmöbel GmbH aus: Auch diese Gesellschaft war seit Ende 2003 überschuldet, die Unterdeckung habe sich bis Ende 2006 auf über eine Million Euro hochgeschaukelt. Ab diesem Zeitpunkt sei die GmbH nicht einmal mehr in der Lage gewesen, die Mieten für die Geschäftsräume zu begleichen. Nicht viel besser sah es bei der Wohnidee in Taufkirchen aus, bei der die Überschuldung Ende 2005 bei rund 90 000 Euro lag und im Laufe des Jahres 2006 noch anwuchs.

Für alle drei Firmen, so die Anklage, seien die Insolvenzanträge zu spät gestellt worden. Außerdem sei die Buchführung nicht nachvollziehbar gewesen, teilweise sogar vom Angeklagten ganz eingestellt worden. Die Bilanzen seien in den Krisenjahren auch zu spät erstellt worden. Vor dem Schöffengericht räumte Miesl die Anklagevorwürfe im Rahmen einer Verständigung unter den Prozessbeteiligten ein. Von 1999 an, so berichtete er, hätten seine Geschäfte jährlich Umsatzrückgänge von rund zehn Prozent zu verzeichnen gehabt.

Letztlich sei er Opfer der Banken geworden, so Miesl. Spätestens ab 2001 hätten laufend Gespräche mit der Hausbank stattgefunden, in deren Rahmen 2004 ein Sanierungskonzept erarbeitet und eine Unternehmensberatung eingeschaltet worden seien. Auch in der Folgezeit habe er ständig mit der Hausbank in Verbindung gestanden, die dann aber Ende 2006 ihr Engagement gekündigt habe. Bis dahin habe er nach dem Prinzip Hoffnung an eine Zukunft seiner Firmen geglaubt und daher die Insolvenzanträge auch verspätet gestellt, so der Kaufmann.

Das Geständnis sicherte ihm für die drei Fälle der vorsätzlichen Insolvenzverschleppung und vorsätzlichem Bankrott eine moderate Bewährungsstrafe von 15 Monaten. Als Auflage muss er Anzahlungen in Höhe von 3000 Euro, die Kunden für Möbelbestellungen geleistet haben, „nach Kräften” zurückzahlen. (ötl)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Verbremst: Motorradfahrerin verletzt
Eine Leichtverletzte und gut 1100 Euro Sachschaden sind die Bilanz eines Verkehrsunfalls am Mittwochabend bei Moosinning.
Verbremst: Motorradfahrerin verletzt
Autofahrer läuft vor Polizei davon
1,3 Promille Alkohol hatte ein 21-jähriger Autofahrer intus, den die Polizei in der Nacht auf Donnerstag kontrollierte. Der junge Mann war mit seinem BMW auf der …
Autofahrer läuft vor Polizei davon
„Ich bin eine furchtbar schlechte Verliererin“
Viele Sportler wären froh, wenn sie bei einer deutschen Meisterschaft den vierten Platz erreichen würden. Sandra Coskun nicht.
„Ich bin eine furchtbar schlechte Verliererin“
Gemeinsam gegen den Mähtod
Jägerin Nicole Anzinger Bitsch (44) kämpft gegen den Mähtod. Jetzt hat sie ein Treffen für Drohnenpiloten ins Leben gerufen. Wir sprachen mit ihr über die …
Gemeinsam gegen den Mähtod

Kommentare