Historiker Franz Streibl und der ebenso an Dorfens Geschichte interessierte Ex-Druckereibesitzer und Intelligenzblatt-Gründer Norbert Präbst sind von Robert Deckers Idee begeistert (v.l.)
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Historiker Franz Streibl und der ebenso an Dorfens Geschichte interessierte Ex-Druckereibesitzer und Intelligenzblatt-Gründer Norbert Präbst sind von Robert Deckers Idee begeistert (v.l.)

Historisches Kleinod

Fotoarchiv bei Hausabriss entdeckt

Eine enorme Menge an Negativen sowie Glasplatten, die früher, bevor es Zelluloidfilme gab, das Trägermaterial in der Fotografie waren

Dorfen – Beim Abriss eines Hauses in der Apothekergasse fand Bauunternehmer Robert Decker das Archiv des 1967 verstorbenen Dorfener Fotografen Paul Dubotzki. Jetzt will Decker die Negative und Fotoplatten digitalisieren lassen. Die Aufnahmen dokumentieren die Stadtgeschichte ab den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts – darunter auch unbekannte Ansichten Dorfens. Geplant ist eine Ausstellung im kommenden Frühjahr.

Archiv hat Hochwasser überlebt

Im Keller, in der letzten Ecke des Kamper-Hauses, das zwischen Rathaus und Stadtpark lag, fand Robert Decker uralte Kameras. Und eine enorme Menge an Negativen sowie Glasplatten, die früher, bevor es Zelluloidfilme gab, das Trägermaterial in der Fotografie waren. Decker hält die Negative in der Hand. „Das Archiv hat Hochwasser überlebt“, sagt er, entsprechend schimmelig und muffig sei deshalb auch dieser sensationelle Fund. „Das sind so ziemlich die ältesten Fotos, die es von Dorfen gibt“, freut er sich. „Wie sich das alles verändert hat – das ist wirklich ein ganz besonderer Schatz.“

Die Erben wollten das Archiv nicht haben. Gut so, denn Decker möchte nun den „Blick in die Vergangenheit“ allen Dorfenern zugänglich machen. Mit der Hilfe von Norbert Präbst, dem ehemaligen Besitzer der gleichnamigen Dorfener Druckerei, sollen die Fotos ab Herbst digitalisiert werden.

Dubotzki begleitete ab 1913 als Fotograf eine deutsche Südostasienexpedition. Auf Deutsch-Neuguinea wurde er vom Ausbruch des ersten Weltkrieges überrascht. Der Fotograf konnte sich nach Australien absetzen, wurde dort aber als „Feindlicher Ausländer“ festgenommen und kam in Gefangenschaft. Hier war er in mehreren Lagern interniert. „Und überall hatte er seine Kamera dabei, schoss Fotos“, sagt Dorfens Lokalhistoriker Franz Streibl, der im Jahr 2012 schon mal eine Ausstellung in Dorfen über den Fotografen initiiert hat.

Nach seiner Gefangenschaft im Juli 1919 kam Dubotzki nach Dorfen zurück. In Dorfen eröffnete er ein Fotogeschäft. Er heiratete 1921, aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Sohn Paul wurde später in Russland vermisst, die Töchter Isolde Lipp und Sieglinde Kamper lernten ebenfalls das Fotografenhandwerk. 1931 erwarb er ein Haus am Rathausplatz und betrieb dort sein Fotogeschäft. Dubotzki starb 1969. Er liegt auf dem städtischen Friedhof begraben.

So spannend wie Dubotzkis Leben, so vielfältig sind auch seine Fotos. Von Hochzeitsbildern bis hin zu Portraits, über Fotos der Stadt Dorfen sowie der Landschaft in der Umgebung. Auch während der Nazi-Zeit – er drückte immer und überall auf die Kamera, wenn es Interessantes zu fotografieren gab.

Des Weiteren machte er Werbefotografie. Und so finden sich etliche Aufnahmen der alten Ziegelei im Archiv. Genau hier auf dem Meindl-Areal könnte sich Decker eine Ausstellung vorstellen: „Die alte Schlosserei haben wir zu einem Mehrzwecksaal umgebaut – da gibt es genügend Platz, die Fotos zu präsentieren.“ Der Fund, da sind sich Streibl, Präbst und Decker einig ist ein „wahrer Schatz und sollte schon allein deshalb der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden“, sagen sie unisono. - hes

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