Hans Kratzer (Mitte) und Sebastian Beck (r.) mit Monika Drasch (3.v.l.) und zwei Musikerfreunden vor dem Publikum.
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Hans Kratzer (Mitte) und Sebastian Beck (r.) mit Monika Drasch (3.v.l.) und zwei Musikerfreunden vor dem Publikum.

Gelungene Kulturveranstaltung

Zeitlang und Heimat in Vatersdorf

Menschen, Erlebnisse, Gefühle und sehr persönliche Geschichten

Vatersdorf – „Zeitlang. Unbekanntes Bayern“ nennt sich ein Buch- und Ausstellungsprojekt von Hans Kratzer aus Velden und Sebastian Beck aus Penzberg, früher aus Markt Schwaben. Die beiden SZ-Redakteure sind damit seit 2019 erfolgreich unterwegs, auch im Neuen Geschichtsboden in Vatersdorf. Jetzt ließen die beiden Journalisten zusammen mit Musikerin Monika Drasch ihre Gedanken um die Begriffe „Zeitlang“ und „Heimat“ vor dem begeisterten Publikum im ausverkauftem Saal kreisen.

Das war ebenso unterhaltsam, amüsant wie informativ. Sie erzählten von Menschen, Erlebnissen, Gefühlen und sehr persönliche Geschichten. Dabei ließen sie tief in die bayerische Seele blicken, wie es ihr „Zeitlang-Projekt“ auch tut.

Kratzer erinnerte mit Anedoten an seine Kindheit im Wirtshaus der Großeltern in Neufraunhofen. Erzählte wie er als Sohn eines Getränkehändlers aus Wambach/Gemeinde Taufkirchen in den Semesterferien oft Kracherl und Bier ausfuhr, später als Journalist auf Reisen war und dabei viele Originale traf. Bauern, oft arme, alte Leute, die ihn nachhaltig beeindruckten, deren scheinbar einfache und doch oft so widersprüchliche Philsophien er kennen- und lieben lernte. Etwa die 90-jährige Kathl, die zwar das Bergpanorama vor der Haustür genoss, es aber nie in deren Nähe schaffte. Der belesene und historisch versierte Kratzer gewährte auch einen Einblick in die internationalen Einflüsse auf die bayerische Sprache: „Sakradi“ rühre von den „sacre dieu“ fluchenden französischen Soldaten her, „knaratzn“, das Wettgrollen, schrieb er dem Altgriechischen zu, das Spectiv, also Fernglas oder Brille, dem Lateinischen und „dawei“ dem Russischen.

Beck, Sohn einer Oberbayerin und eines Niederbayerns, war als junger Mann gegen alles, gegen die A 94, Atomkraft und Nationalismus, Beim Hirsch-Wirt in Erding, seiner zweiter Heimat, spürte er beim WM-Spiel 1990 das nationale Gefühle durchaus verbindend sein können. Auch sein Vater lehrte ihm dies. Denn jedes Mal, wenn er auf der Fahrt nach Landshut den Straßenbuckel bei Langenpreising passiert hatte, schrie er laut auf „Hoamat“. Das alte von Heimweh geplagte Muaterl zeigte ihm, dass dies keine Frage der Entfernung ist, wohnte sie doch nur 200 Meter von ihrem Geburtsort entfernt und vermisste ihre Heimat dennoch. Die ebenso emotionale, tiefbayerische Musik dazu lieferte Drasch mit ihren Musikerfreunden. Infos zu weiteren Veranstaltungen unter www.geschichtsboden.de - til

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