Andrea Traber Musikerin aus Taufkirchen.
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Andrea Traber Musikerin aus Taufkirchen.

Isener Chor ohne Leiterin

D’ACor nicht mehr im Einklang

Isen/Taufkirchen – Leiterin Andrea Traber verlässt den Isener Chor d‘ACor, es gab zu viele unterschiedliche Corona-Ansichten. Neue Formen des künstlerischen Ausdrucks wurden in der Pandemiezeit aus der Not heraus geboren. Von Balkonen wurde gesungen und vor allem viel im Internet musiziert. Was soll aber ein Chor machen, für den das wirkliche Treffen, bei dem es vielleicht nicht um Arien, sicher aber um Aerosole geht, unerlässlich ist? Sehr wenige bis keine Möglichkeiten bleiben, so auch für den d’ACor Isen, von dem man seit Ausbruch des Virus keinen Ton mehr zu hören bekommen hat.

Mitbegründerin und Chorleiterin Andrea Traber hat für sich beschlossen, nicht länger die Luft anzuhalten und ist daher ausgeschieden. Sie erzählt von der besonderen Gemeinschaft, die sich seit der Gründung 2009 immer mehr ergeben habe und der Unmöglichkeit, eine solche unter den gegebenen Umständen, ohne engeren Kontakt, weiter für die gemeinsame Musik zu nutzen.

Ersatzproben im Freien wären für sie auch kein probates Mittel, diesen fehle die Nähe, die bei einem Chor nötig ist, um sich mit „einer Stimme“ auszudrücken, so die 39-jährige Taufkirchenerin.

Ihr Anliegen war es stets, Arrangements für die Sänger aus und um Isen maßzuschneidern. Seit Anbeginn haben Lieder von Konstantin Wecker den Chor begleitet, daneben fand Lustiges wie von „Seiler und Speer“ und „Die Feisten“ Eingang ins Repertoire. „Wir hatten nicht nur Freude am Singen, sondern haben auch immer eine Message auf die Bühne gebracht. Appelle an die Menschlichkeit, Gesellschaftskritisches war immer etwas, was wir den Zuhörern mitgegeben haben, damit haben wir auch emotional berührt“, blickt Traber zurück.

Mit mutigen Botschaften wachrütteln, davor erst solche zu finden, und sie dann in gemeinsame Worte fassen, das ist nicht leicht in einer Zeit, in der es um Kernthemen, die die Gesellschaft ausmachen, geht. „Da wird es schwer mit 25 Leuten ,d’accord’ zu sein“, sagt Traber und erklärt: „Unterschiedliche Ansichten können inspirierend sein, bei den aktuellen Themen ist es aber zu schwer, sich auf einen gemeinsamen Nenner zu einigen, ohne sich verbiegen zu müssen.“ Zudem hat sie entschieden, wegen der Unberechenbarkeiten, was Erlaubtes und Auflagen betrifft, nicht nur mit dem Chor, sondern auch als Solokünstlerin auf Auftritte zu verzichten. „Solange ein Teil der Gesellschaft vom öffentlichen Leben ausgeschlossen wird, ist die Bühne für mich tabu“, äußerte sich die Pianistin, Geigerin und Sängerin dazu.

Auf das den Schwierigkeiten der Zeit geschuldete Auseinandergehen hin, sucht „d’ACor“ nun eine neue Chorleitung. (Fabian Holzner)

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