Wenn der Berg rockt: Rul Kellner (M.) brilliert als Alpen-Elvis, begleitet von der Gailtaler Muuuuhsi, die in Kuhkostümen aufspielt. Foto: Zimmerer

"Der Watzmann ruft"

Alpen-Elvis und Gailtaler Muuuuhsi

Die Premiere des Kult-Musicals „Der Watzmann ruft“ im ausverkauften Klement-Saal ließ alle Zweifler verstummen. Was als Starkbierfest-Einlage begann und vor einem Jahr in Pemmering als Gaudi aufgeführt wurde, funktioniert auch als großes Theater.

Isen – Sogar bekennende Ambros- und Watzmann-Fans schwelgten in ihrer Kritik zwischen „sauguad“ und „ganz nah dran am Wolferl“, womit man das Experiment zum Mega-Erfolg adelte.

Die Pemmeringer hatten sich eigens für dieses Projekt mit dem Theaterverein Isen zusammengetan und damit den entscheidenden Grundstein gelegt. Kulisse, Maske, Ton und Licht, alles ist vom Feinsten. Allein für die Technik sind ständig sieben Leute im Einsatz.

Zudem erweisen sich Regisseurin Martina Nicolai, die auch als Großknecht schauspielerisch glänzt, sowie der musikalische Leiter und Watzmann-Liebhaber Lugge Vitzthum als Macher mit Herzblut. Während Vitzthum eine Band (die Gailtaler Muuuuhsi in Kuh-Kostümen) zusammengestellt hat, die höchsten Ansprüchen genügt, drückt Nicolai dem Stück ihren eigenen Stempel auf. So lässt sie beim Dorffest, anders als im Original, einen Bandltanz aufführen, der im Tumult endet und lässt Rul Kellner als stimmgewaltigen Alpen-Elvis auftreten, der Darsteller und Publikum zum Ausflippen bringt. Auch die Idee, den aktuellen Hit von Seiler und Speer „Ham kummst“ zu bringen, erweist sich als gelungen.

Dreh- und Angelpunkt ist Stefan Hobmaier als gestrenger Bauer. Er meistert die Gratwanderung zwischen Klamauk („Zermalm auf der Alm einen Halm“) und Dramatik („Schicksalsberg“) routiniert mit erkennbarem Spaß und gefällt sich als gewiefter Zuschauer-Animateur. Vor allem beim Echo macht das Publikum bereitwillig mit und singt schunkelnd den Refrain zur „Gailtalerin“.

Auch die weiteren Hauptdarsteller Jockl Schietzl als Bub, Stefan Schweiger als Knecht und Christian Schwaiger als Gailtalerin erweisen sich als Glücksgriff und geben ihren Figuren einen authentischen Anstrich. In den vermeintlichen Nebenrollen überzeugen die Mägde Barbara Wimmer, Renate Vitzthum, Rebecca Nicolai und Elke Lämmlein, sowie die Knechte Franz Drasch und Gabriel Nicolai. Mit sonorer Stimme führt Wolfgang Peller gekonnt als Erzähler durch das Stück.

Das begeisterte Publikum bekommt am Ende sogar noch eine Zugabe. Fazit: Ja, es ist etwas „rübergeflutscht“, wie von Regisseurin Nicolai erhofft, nämlich die pure Lust am Spiel. Für die beiden Aufführungen am 8. und 9. April gibt es jeweils noch Karten an der Abendkasse.

Albert Zimmerer

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