Willi Dräxlerist Migrationsbeauftragter der Caritas. Foto: Huber

Flüchtlingshilfe Isen

„Angst vor Muslimen ist überzogen“

Willi Dräxler, Migrationsbeauftragter der Caritas, sieht kein Ende der Zuwanderung: „Es wird nicht so weitergehen wie in den letzten Monaten, aber es wird ab Mai, wenn das Mittelmeer wieder befahrbar ist, neue Fluchtrouten geben“, sagte er bei seinem Vortrag in Isen, zu dem die örtliche Flüchtlingshilfe eingeladen hatte.

Isen – Dräxler, der seit fast 30 Jahren in der Migrationsarbeit tätig ist, warnte davor, den Menschen hinter den Bildern und Zahlen, die nahezu täglich durch die Medien gehen, zu vergessen. „Migration hat einen Namen und ein Gesicht.“

In der aktuellen Flüchtlingsdebatte werde auch vergessen, dass Migration ein bekanntes Phänomen ist. Die Gründe für die Flüchtlinge, die sich in den Krisengebieten auf den Weg nach Europa machen, seien ähnlich denen der deutschen Auswanderer des 19. Jahrhunderts. Die wirtschaftliche und politische Situation biete dem Einzelnen keine Perspektive. Nahezu unerwähnt bleibe auch, dass etwa im Jahr 2014 über 900 000 Menschen Deutschland verlassen haben, während 1,46 Millionen zugewandert sind. Doch auch in anderen Bereichen gebe es „Wahrnehmungsstörungen“.

Entgegen der Schätzungen, die bei einer Umfrage der Süddeutschen Zeitung bis zu 25 Prozent gingen, mache der Anteil der Muslime an der deutschen Gesamtbevölkerung nur rund fünf Prozent aus. Aber nicht nur zahlenmäßig sei die Angst vor Muslimen überzogen. „Viele Flüchtlinge sind vor den Extremisten geflohen“, appellierte er, nicht alle Muslime in eine Schublade zu stecken. Obwohl von den weltweit 60 Millionen Vertriebenen nur ein kleiner Teil nach Europa komme, mache ihre Zahl vielen Menschen Angst. Dabei müsse, so Dräxler, in Deutschland „ein Flüchtling auf 80 Einwohner machbar sein“.

Patentrezepte, wie mit den Ängsten umgegangen werden könne, hatte Dräxler keine. „Lösungen kann ich ihnen keine präsentieren“, bekannte er. Ohne die Vorfälle in Köln zu bagatellisieren, erklärte er sie mit der Herkunft der Täter aus marginalisierten Gesellschaften, wo sie ohne wirklichen Bildungshintergrund, ohne wirtschaftliche Perspektive und ohne Sanktionen aufgewachsen seien. Bei den jungen Männern, deren Anteil an der Gesamtzahl der Flüchtlinge 70 Prozent beträgt, sei es eine wichtige Frage, wie sie eine Freundin finden können. Um ihr zu offensives Vorgehen zu verhindern, sei es nötig, Grenzen aufzuzeigen und ein liberales Frauenbild zu vermitteln. „Es ist wahnsinnig wichtig, dass es Männer im Ehrenamt gibt, die eine Vorbildfunktion haben“, sagte er.

Anne Huber

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