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Das Grundstück mit den Käferbäumen, die Nachbarn Angst machen.

Nachbarschaftsprobleme

Angst vor umfallenden Bäumen und Rattenplage

Die Bewohner der Gartenstraße in Isen erleben mit Sorge die ersten Herbststürme. Der Grund: Auf dem Nachbargrundstück stehen Fichten, die vom Borkenkäfer befallen sind. Doch die Behörden können und müssen voraussichtlich nicht aktiv werden.

Von Anne Huber

Isen – „Wir haben Bedenken, dass die Bäume bei einem großen Sturm auf die Haager Straße fallen könnten“, befürchtet Marianne Schwarzbach, die in der Gartenstraße wohnt. Doch selbst wenn der Worst Case nicht eintreten sollte, die Anlieger haben bereits jetzt Probleme mit Nadeln, die Dachrinnen und Fallrohre verstopfen.

„Wenn man dann vielleicht ein paar Tage nicht daheim ist und das gleich sauber macht, ist sehr schnell ein Wasserschaden an Fassade und Mauerwerk entstanden“, sorgt sie sich. Auch dass der Kanal durch die Nadeln zumacht und ihnen das Wasser im Keller steht, kann sich Schwarzbach vorstellen.

Bereits im vergangenen Jahr haben sich ihre ebenfalls betroffenen Nachbarn deswegen zum ersten Mal an die Gemeinde gewandt. Eine konkrete Antwort haben sie bis heute nicht erhalten. „Wir warten noch auf das Gutachten“, erklärt die zuständige Sachbearbeiterin des Marktes Isen auf Nachfrage unserer Zeitung. Doch die Fachfrau der Waldbesitzervereinigung (WBV), mit der der Markt Isen einen Beratungsvertrag hat, habe nach einer Grundstücksbegutachtung bereits signalisiert, dass sie keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung sieht. Denn die Bäume seien so geneigt, dass sie höchstens auf das eigene Grundstück fallen würden. Und vom Waldrand am Rentnerweg sind die Bäume mehr als 500 Meter entfernt, eine Strecke, die als Minimaldistanz für die Lagerung von befallenem Holz gilt.

Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung müsste aber gegeben sein, um den Besitzer auffordern zu können, die Bäume zu beseitigen, bestätigt Bürgermeister Siegfried Fischer die Aussage seiner Verwaltung. „Wenn Standsicherheit besteht, können wir nichts machen.“ Der Gemeindechef stuft die Angelegenheit ohnehin als „reines Nachbarschaftsproblem“ ein und empfiehlt den Bewohnern der Gartenstraße, den Streit im Sinne des Nachbarrechts selbst zu lösen.

Doch mit Gesprächen haben es die Anlieger längst versucht. „Unsere Bitten, die Bäume zu entfernen, haben nichts gebracht. Er sagt lediglich, dass ihm die Kosten für einen professionellen Baumfäller zu hoch sind“, erklärt Anlieger Anton Brenner. Diese Aussage wiederholt der Grundstückseigentümer, der seinen Namen nicht in der Zeitung stehen haben will, auch gegenüber dem Dorfener Anzeiger. „Ich kann mir das nicht leisten. Wenn ich das Geld hätte, wären die Bäume schon längst weg.“ Deswegen sei er selbst initiativ geworden und habe die Wipfel von zwei Käferbäumen an der Ecke Haager Straße und Josefssiedlung eigenhändig gekappt.

„Das wollen wir aber nicht, dass er da selbst rumkraxelt“, sagt Nachbar Konrad Kellner. „Ich würde meines Lebens nicht mehr froh werden, wenn ihm dabei etwas passieren würde.“ Doch eine andere Lösung zeichnet sich nicht ab, es sei denn, es ließe sich ein günstiger Baumfäller finden. „Ich bräuchte jemanden, der mir zum fairen Preis eine Hebebühne leiht“, sagt der betroffene Grundstückseigentümer. Dann könnte er vor den Herbststürmen den letzten Baum so weit kürzen, dass kein Windbruch erfolgen kann.

Allerdings: Die Kostenvoranschläge, die er für die Entfernung der Bäume an der Gartenstraße eingeholt habe, überstiegen bei Weitem seine finanziellen Möglichkeiten. „Das ist Wahnsinn, was da verlangt wird“, sagt er.

Doch die Nachbarn haben noch ein anderes Problem: Das gut 2000 Quadratmeter große Grundstück dient seinem Besitzer samt altem Bauernhaus und Garagen als Lager für Gegenstände aller Art. Von „Es gibt nichts, was da nicht rumsteht“ bis „Saustall“ reichen die Kommentare der Nachbarn, die anonym bleiben wollen.

Doch auch diesen Zustand bemängeln die Anlieger vergebens. Denn so lange keine Gesundheits- oder Grundwassergefährdung etwa durch leckende Öltanks oder durch Speiseabfälle, die Ratten anlocken können, besteht, kann der Eigentümer mit seinem Grundstück machen, was er will. Für die Nachbarn ist die Situation nur noch frustrierend.

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