Statt einer Vernissage haben sich die Macher des Kunstanschlags am Samstag zum Verteilen der Plakate getroffen. Als der Isener Fotograf Stefan Böld seine Arbeit von Geraldine Frisch und Sebastian Kruppa erhält, ahnt er noch nicht, dass es am nächsten Tag nicht mehr hängen wird. Im Hintergrund Bürgermeisterin Irmgard Hibler und Peter Cronauer.
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Statt einer Vernissage haben sich die Macher des Kunstanschlags am Samstag zum Verteilen der Plakate getroffen. Als der Isener Fotograf Stefan Böld seine Arbeit von Geraldine Frisch und Sebastian Kruppa erhält, ahnt er noch nicht, dass es am nächsten Tag nicht mehr hängen wird. Im Hintergrund Bürgermeisterin Irmgard Hibler und Peter Cronauer.

Kunstaktion

Anschlag auf den Isener Kunstanschlag

Die Aktion „Kunstanschlag“ sollte Farbe in die Gemeinde Isen bringen. Doch nun haben Unbekannte sechs von acht Plakaten heruntergerissen.

Isen – Aus dem Isener Projekt „Kunstanschlag“ ist ein Anschlag auf die Kunst geworden. Von den ursprünglich acht Plakaten, die auf Arbeiten von Stefan Böld, Peter Cronauer, Geraldine Frisch, Thomas Hiemer, Renate Ittliner, Beate Liedgens, Stefan Schütz und Vincent Zehetmaier basieren, hängen nur noch zwei. Die sechs anderen sind nach nicht einmal einem Tag teilweise oder ganz heruntergerissen worden.

Eigentlich sollte die Aktion, die von der Isener Künstlerin Geraldine Frisch konzeptioniert und am 1. Mai gestartet wurde, Kunst näher zu den Menschen bringen. „Die Idee in meinem Kopf, Anschlagtafeln als Kunstfläche wieder Raum zu geben, dabei Künstler zu unterstützen, sie wertzuschätzen und sichtbar werden zu lassen, gibt es schon seit längerem“, erklärt die Architkektin und Künstlerin.

Die Zerstörungswut mache zwar betroffen und ratlos, unterkriegen lassen wolle man sich aber nicht. „Wir lassen die Plakate nachdrucken und plakatieren neu“, kündigt sie an. Als positive Aktion in einer nahezu kunstlosen Zeit war der Kunstanschlag gedacht: Die acht Plakattafeln der Gemeinde, die derzeit größtenteils verwaist sind, sollten dabei zu einer Art temporären und öffentlichen Galerie werden.

Eine Hälfte hängt noch: der Beitrag von Thomas Hiemer in Pemmering.

Die Gemeinde Isen stellt der Gruppe die Plakatwände zur Verfügung, die Kosten für die Aktion trägt das Isenwerk, der Verein, der voriges Jahr gegründet worden war und etwas für Ort und Bürger unternehmen will. „Es hat also niemand sauer sein müssen, dass hier eventuell öffentliche Gelder verschwendet werden“, sagt Frisch. Für künftige Plakate von Veranstaltern habe man einen Streifen frei gelassen, die bereits vorhandenen Aushänge darauf angepinnt. „Wir haben mit vielem gerechnet, dass darüber getackert oder geschmiert wird, aber nicht mit so etwas“, erklärt Frisch.

Dass sich Kritik und Unverständnis für die Aktion in blinder Zerstörung äußere, könne man in der Gruppe nicht verstehen. „Dann soll man uns halt mit E-Mails zuschütten und sich darin auskübeln, aber so feige zu sein und unsere Sachen einfach abzureißen, ist wirklich schlimm“, sagt sie.

Frisch glaubt nicht, dass die Bilder, Fotografien und Grafiken zu provokativ gewesen seien. Positiv und hoffnungsfroh sei ihre eigene Arbeit, die einen Lichtstreifen zeigt, der in die Dunkelheit leuchtet. Und auch, dass die Auswahl der beteiligten Künstler einseitig gewesen sei, könne man der Aktion nicht vorwerfen: Sie habe alle Isener Künstler kontaktiert und deren Interesse abgefragt. „Aus 20 Leuten sind so die acht geworden, die ihre Werke präsentieren wollten.“

Zerplatze Seifenblasen: Stefan Bölds Bild vor der Anschlagtafel in Mittbach.

Unversehrt blieben nur der Beitrag von Peter Cronauer – eine Collage zum Wort Mut auf Holz, das vermutlich zu viel Widerstand geboten habe – und das Plakat von Renate Ittlinger. Ihre Arbeit zeigt die Fragilität des Menschen in Krisensituationen. „Wir fragen uns jetzt natürlich, was will der, der unsere Plakate zerstört hat, uns damit sagen?“, sagt Frisch.

Dass Regen und Wind für die Zerstörung verantwortlich sind, glaubt sie nicht. Die Plakate seien sorgfältig befestigt gewesen, das verwendete Papier halte einiges aus. „Unser Drucker hat gesagt, dass es schon heftig hageln müsste, damit das Papier Löcher bekommt“, berichtet Frisch. Eine Meinung, die auch von der Polizei geteilt wird, die von Vandalismus ausgeht.

Eines habe man mit der Aktion zumindest erreicht; in einen Dialog zu treten, auch wenn dieser anders ausgefallen sei als ursprünglich gewünscht. Damit ein echter Austausch stattfinden kann, sollen die Plakate ab Samstag wieder in Berging, Burgrain, Isen, Lichtenweg/Schnaupping Mittbach, Pemmering und Weiher zu sehen sein. „Wir machen weiter und schauen, was passiert“, kündigt Frisch an.

ANNE HUBER

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