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Einblicke ins bäuerliche Leben vermitteln wollen BBV-Kreisobmann Jakob Maier, Kreisbäuerin Irmgard Posch und der der Isener Schulleiter Michael Oberhofer (v. l.), hier vor der Kulisse von St. Zeno in Isen. 

Landwirte und Landfrauen klären Kinder über ihre Arbeit auf 

Der Bauernhof wird zum Klassenzimmer

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Schüler können sich ab Herbst auf ein spannende Projektwoche freuen - und die Bauernhöfe in ihrer Heimat erkunden. Eine Kooperation mit dem Bauernverband macht‘s möglich.

Erding/Isen – Sieben Jahre haben die Landfrauen für ein neues Schulfach „Alltagskompetenzen“ gekämpft, mit der Politik verhandelt, eine Petition gestartet. Jetzt haben sie ein wichtiges Etappenziel erreicht. Ab dem kommenden Schuljahr wird es an allen Schulen Projekttage beziehungsweise -wochen unter dem Motto „Schule fürs Leben“ geben. Doch die Umsetzung vor Ort dürfte gar nicht so einfach werden.

Kreisbäuerin Irmgard Posch ist froh, dass es ihre Standeskolleginnen endlich geschafft hätten. Das erklärte sie bei einem Pressegespräch in der Grund- und Mittelschule Isen. Im Januar hatte das bayerische Kabinett die Einführung des Konzepts „Schule fürs Leben“ beschlossen. Ab dem kommenden Schuljahr soll es umgesetzt werden. Zweimal sollen Kinder und Jugendliche während ihrer Schullaufbahn unmittelbar mit den Themen Landwirtschaft, regionale Produktion, heimische und gesunde Ernährung konfrontiert werden – einmal in der Grundschule und einmal in der Sekundarstufe (Jahrgangsstufen fünf bis neun).

Nach den Pfingstferien werden die Schulen informiert

Nach den Pfingstferien erhalten die Schulen vom Kultusministerium Handlungsempfehlungen. Der Bayerische Bauernverband vermittelt seine Kollegen an die Einrichtungen und koordiniert die Besuche. Im Umkehrschluss werden die Landwirte geschult, was sie den Mädchen und Buben vermitteln. Aber auch Naturschutzverbände sind in „Schule fürs Leben“ eingebunden. Denn Umwelt- und Verbraucherschutz sollen dabei mit abgedeckt werden.

Im Mittelpunkt stehen die Besuche auf den Bauernhöfen in der Region. Wo das nicht möglich ist, sollen Experten aus der Landwirtschaft in die Klassen kommen, die Kinder informieren, mit ihnen Lebensmittel auswählen und gemeinsam kochen.

Wo kommen unsere Lebensmittel her?

„Wir wollen den Kindern vermitteln, wo ihre Lebensmittel herkommen, wie sie sich gesund ernähren, welches saisonale Obst und Gemüse es gibt, und welche Bedeutung die Landwirtschaft für die Versorgung der Menschen hat“, erklärt Posch. Gerade in der Anfangszeit der Corona-Krise hätten auch Kinder erlebt, dass volle Supermarktregale keine Selbstverständlichkeit sind.

Isens Schulleiter Michael Oberhofer hält die Projektwochen für eine „hervorragende Idee“, betont aber auch, „dass wir schon jetzt mit den Bauern rund um Isen gut zusammenarbeiten“. Das Angebot der Landwirte, ihre Höfe zu öffnen oder in die Klassen zu kommen, „sei ein großer Gewinn“. Das gelte vor allem für Einrichtungen in den Städten, „deren Kinder bislang eher keinen Kontakt zu den Produzenten der Lebensmittel hätten. Es sei wichtig zu vermitteln, „was bei uns alles angebaut wird“. Zudem würden Stadtkinder Höfe oft nur aus dem Bilderbuch kennen.

Bauern haben aber auch Vorbehalte - nicht alle machen mit

BBV-Kreisobmann Jakob Maier lobte das Engagement der Landfrauen. Auch Poschs Vorgängerin Elisabeth Mayr hatte sich sehr für ein eigenes Schulfach eingesetzt. Allerdings sprach Maier auch von „einer großen Herausforderung“. In Bayern gebe es 10 000 Schulklassen, „da müssen wir erst einmal ausreichend Kollegen finden, die mitmachen“. Nicht jeder sei bereit, seinen Hof zu öffnen. „Das ist ja auch mit Risiken verbunden.“ Eine ganze Projektwoche sei auch nicht mit einem einmaligen Ferienprogramm-Besuch vergleichbar. Sein Eindruck sei, „dass das Kultusministerium die Umsetzung nun auf die Bauern abwälzt“. Es gebe in seinem Berufsstand „durchaus auch Vorbehalte“. Allerdings habe man in der Tat lange um die Vermittlung bäuerlichen Wissens an den Schulen gekämpft. Insgesamt sei es ein gutes Vorhaben.

Direktor Oberhofer: Gut, dass sich die Schulen öffnen

Oberhofer meinte: „Da muss man sich jetzt rantasten und Erfahrungen sammeln“. Es sei ein „gegenseitiger Lernprozess“. Grundsätzlich lobt der Direktor die Öffnung der Schulen für externe Experten. Das gelte nicht für die die Agrar-Aktion „Schule fürs Leben“.

Informationen über das Projekt und seine Umsetzung bekommen Schulen und Lehrer bei der BBV-Geschäftsstelle in Erding unter Tel. (0 81 22) 94 53 90 oder unter www.bayerischer-bauernverband.de/Schule-fuers-Leben.

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