Fotos, die wirken: „Fremd ist nur der Fremde“, titelt die Ausstellung in der Raiffeisen-Volksbank Isen-Sempt. Foto: Huber

Flüchtlinge im Porträt

Bilder zeigen, was Menschsein bedeutet

Isen – Mehr als nur ausdrucksstarke und schöne Bilder zeigt die Ausstellung „Fremd ist nur der Fremde“, die bis zum 24. Februar in der Schalterhalle der Raiffeisen-Volksbank Isen-Sempt (RVB) zu sehen ist. Vielmehr geht es um die Schicksale hinter den Bildern.

Sie blicken voller Hoffnung in ihre Zukunft, die 20 geflüchteten Menschen, die Max Ochsenkühn für sein ambitioniertes Fotoprojekt porträtiert hat. Krieg, Terror und Not haben sie hinter sich gelassen, jetzt geht es ihnen darum, in Deutschland Fuß zu fassen. Wie fragil ihr Aufenthaltsstatus ist, ist freilich allen klar, die noch nicht als anerkannte Flüchtlinge in Deutschland leben. Und dennoch schauen sie offen, freundlich und hoffnungsvoll in die Kamera.

Er habe keine schönen Bilder von Menschen machen wollen, sagte Ochsenkühn bei der Vernissage. „Es sind freundliche, fröhliche, zukunftsorientierte, optimistische, aber auch nachdenkliche Bilder“, charakterisierte er seine Arbeiten. Mit der Ausstellung, bei deren Vorbereitung er von einzelnen Mitgliedern des Helferkreises Isen unterstützt worden war, wolle er dafür sorgen, „dass uns unsere Fremden, unsere Flüchtlinge bekannt werden“, sagte er, um frei nach Karl Valentin fortzufahren. „Wenn wir die Bilder auf uns wirken lassen, ist uns der Fremde nicht mehr ganz so fremd“.

Die Wirkung der Bilder auf den Betrachter fand auch Bürgermeister Siegfried Fischer interessant, der als einer der Redner die Ausstellung eröfnete. Genauso so sehr wie die Fotografien oder das Bild der Geflüchteten von Deutschland interessiere ihn die Wirkung der Bilder auf die Menschen, die sich in ihrem Urteil nur auf das verließen, „was uns schlagzeilenkräftig präsentiert wird“. Er dankte den Menschen, die bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit für die geflüchteten Menschen „ihrem Gefühl, ihrem Herzen und ihrer humanitären Überzeugung folgen“ und damit zeigten, was Menschsein bedeutet. „Die Distanz verkürzen“, sah RVB-Vorstand Friedrich Reiser als vorrangiges Ziel der Ausstellung, zu der die Bank gerne ihre Schalterhalle zur Verfügung stelle. Die RVB stehe für räumliche und emotionale Nähe, auch zum Neubürger, erklärte er.

Peter Cronauer vom Isener Helferkreis zollte den Porträtierten Respekt für deren Mut, sich vor die Kamera zu stellen und ihr Gesicht zu zeigen. „Es wird viel über Flüchtlinge geredet, die Zahl derer, die mit Flüchtlingen redet, ist viel geringer“, sagte er. Weil unter den geladenen Gästen zahlreiche Flüchtlinge waren, nutzten viele Besucher gleich vor Ort die Gelegenheit zum Dialog. Begeisterung lösten nicht nur die Bilder aus. Auch die Interviews stießen auf großes Interesse. Rund 20 Fragen hatte Ochsenkühn den Geflüchteten gestellt, denen frei stand, welche Fragen sie beantworten wollten. Deutschland schmeckt nach Spaghetti, ist wohl die vergnüglichste Antwort. Sie stammt von einem jungen Mann aus Afghanistan, der inzwischen eine Ausbildung macht. Andere Antworten lassen tief in Wünsche, aber auch Ängste der Menschen blicken, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben zu uns gekommen sind.

Die Ausstellung kann bis Donnerstag, 24. Februar, während der Schalteröffnungszeiten besucht werden.  

Anne Huber

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