Vor Gericht

Brutale Vergewaltigung oder Racheakt aus Eifersucht?

Isen/Landshut – War es – wie die Anklage einem 30-jährigen Disponenten aus Isen vorwirft – eine brutale Vergewaltigung, oder sind die Anschuldigungen einer 35-jährigen Frau ein Racheakt aus Eifersucht? In vier Verhandlungstagen soll diese Frage vor der 6. Strafkammer des Landshuter Landgerichts geklärt werden.

Der Prozess sollte eigentlich schon vor gut eineinhalb Jahren über die Bühne gehen, war damals allerdings ausgesetzt worden. Die 6. Strafkammer erachtete die Einholung eines aussagepsychologischen Gutachtens zur Glaubwürdigkeit der Frau für notwendig. Bei der Neuauflage kündigte Verteidiger Thomas Krimmel zunächst an, sein Mandant werde zum Tatvorwurf Stellung nehmen und dabei auch über seinen Medikamentenkonsum berichten, der möglicherweise zu einer Intoxikation und damit zu einer verminderten Schuldfähigkeit geführt habe. Der 30-Jährige habe zur Tatzeit unter anderem Beruhigungs- und Schmerzmittel sowie Antidepressiva genommen.

Dem Disponenten wird – wie berichtet – vorgeworfen, seine damalige Freundin im November 2013 in deren Wohnung brutal geschlagen, sie in die Brüste und im Intimbereich gebissen und mehrfach vergewaltigt zu haben. Außerdem soll er sie zum Oralverkehr gezwungen haben. In seiner mehrstündigen Einlassung berichtete der Disponent, dass er die 35-Jährige im Sommer 2011 übers Internet kennengelernt habe. Seine Freundin habe dann darauf bestanden, dass er zu ihr nach Isen ziehe. Das Zusammenleben sei von Anfang an nicht leicht gewesen, die die Frau sei „besitzergreifend“ und „krankhaft eifersüchtig“ gewesen. Obwohl er sie „abgöttisch geliebt“ habe, so der Disponent, habe er sich dann im August 2013 zur Trennung entschieden und eine eigene Wohnung angemietet.

Der Kontakt sei aber nicht abgerissen. An besagtem Abend sei er dann ihrer SMS-Einladung zum „Kuscheln“ gefolgt. Er habe zuvor allerdings einige Tabletten genommen und sei völlig benommen gewesen. „Sie hat schon wollüstig geschaut, dann haben wir uns geküsst und sie hat die Küchentür zugesperrt, weil die Kinder noch wach waren.“ Danach sei es tatsächlich zum Geschlechtsverkehr gekommen und seine Ex sei auch oral aktiv geworden. Viel Spaß habe man allerdings nicht gehabt, weil die Kinder mehrfach gestört hätten, aber: „Es gab keine Gewalt, keine Schläge und keine Bisse, alles passierte einvernehmlich.“

Danach sei es dann wieder zu einem Streit mit gegenseitigen Beleidigungen gekommen. „Dafür habe ich mich am nächsten Tag entschuldigt und war hatten wenige Tage später erneut einvernehmlichen Sex“, sagte der 30-Jährige. Erst 2014 sei die endgültige Trennung erfolgt, im April sei er dann verhaftet worden. Der Haftbefehl wurde nach zwei Monaten außer Vollzug gesetzt.

Ein unbeschriebenes Blatt ist der Disponent allerdings nicht. 2008 wurde er wegen sexueller Nötigung einer damals 15-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt. Außerdem hatte er sich auch schon 2005 wegen gefährlicher Körperverletzung eine Jugendstrafe von zwei Jahren eingehandelt. Die Vernehmung der Frau erfolgte in nichtöffentlicher Sitzung. Der Prozess wird am heutigen Donnerstag fortgesetzt. 

Walter Schöttl

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