Markant und prägend für das Ortsbild ist das Gebäude St.-Zeno-Platz 3. Geht es nach den Wünschen von Gemeinde und Isenwerk, könnte dort im Erdgeschoss das Isener Bürgerhaus entstehen.
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Markant und prägend für das Ortsbild ist das Gebäude St.-Zeno-Platz 3. Geht es nach den Wünschen von Gemeinde und Isenwerk, könnte dort im Erdgeschoss das Isener Bürgerhaus entstehen.

Machbarkeitsstudie

Isener Bürgerhaus in der ehemaligen Volksbank?

Die Marktgemeinde Isen lässt für das Gebäude am St.-Zeno-Platz eine Machbarkeitsstudie erstellen.

Isen – Bekommt Isen ein Bürgerhaus? Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die ehemalige Volksbank am St.-Zeno-Platz 3 zum sozialen und kulturellen Mittelpunkt der Gemeinde wird. Ob und wie das Gebäude genutzt werden kann, soll eine Machbarkeitsstudie ergeben.

Schon lange ist von dem Gebäude die Rede, wenn es um die Möglichkeit eines gesellschaftlichen Treffpunkts für alle Bürger geht. Nachdem der Verkauf des Hauses an einen privaten Bauherrn unter Dach und Fach war, wurde in einer Lenkungsgruppe, der je ein Gemeinderat der fünf Fraktionen sowie Verwaltung, Käufer, Verkäufer, Architekt und Vertreter des Vereins Isenwerk angehören, die Möglichkeiten der Nutzung ausgelotet. „Wir haben diesen runden Tisch gebildet, um gemeinsam Ideen zu sammeln und zu überlegen, was aus dem Gebäude werden kann“, sagt dazu Bürgermeisterin Irmgard Hibler.

Um Fragen zu Substanz, Zukunft des Anbaus und räumlicher Nutzung beantworten zu können, hat die Gemeinde die Zehetmeier Architekten GmbH mit einer Studie beauftragt. Das Isener Büro befasst sich seit Jahren mit den Themen Bauwerkserhaltung, Bauen im Bestand sowie Denkmalpflege und ist derzeit mit der Sanierung der Dorfener Marktkirche betraut. Sollte die Studie die Sanierung nahe legen, werde es vor allem um Fragen gehen, wie die gemeinsame Nutzung von Kommune und Käufer aussehen, wie die Finanzierung gestaltet werden und wie man Fördergelder über die Städtebauförderung generieren kann.

„Derzeit werden für Fassadensanierung und Barrierefreiheit rund 60 Prozent der Kosten aus dem Topf der Städtebauförderung bezahlt“, berichtet Hibler im Gespräch mit unserer Zeitung. „A und O ist allerdings die Machbarkeitsstudie, mit deren Fertigstellung wir im Laufe das Jahres rechnen.“ Auch wie lange es dauern wird, bis das Gebäude genutzt werden könnte, kann Hibler noch nicht sagen, ohne etwas über den baulichen Zustand und den nötigen Sanierungsumfang zu wissen.

Die mögliche Nutzung wurde im Rathaus allerdings bereits angedacht. Auch Vereine wie die Nachbarschaftshilfe, die wegen Corona die Räume ihres Treffpunkts kündigen musste, könnten demnach am St.-Zeno-Platz 3 eine neue Heimat für die Seniorenbegegnung finden. „Das Gebäude wird nicht das ausschließliche Domizil des Isenwerks“, stellt Hibler klar. „Gute Ideen“ bestätigt sie dem Verein, der sich während des Kommunalwahlkampfs gebildet hat. „Was man davon umsetzen kann, muss man sehen, weil es oft eine Frage des Geldes ist“.

Zwar sieht Hibler, was die Finanzlage der Kommune heuer und im nächsten Jahr angeht, noch nicht allzu schwarz. „Die Jahre 2022/23 werden aber sicher eine Herausforderung.“ Doch auch wenn viele Projekte des Vereins, der sich als Ideengeber für Ort und Rathaus begreift, „auf lange Sicht gesehen werden müssen“ – beim Gebäude und beim St.-Zeno-Platz wollen Kommune und Isenwerk rasch tätig werden.

Dass das Gebäude „zumindest bis auf Weiteres davor bewahrt werden konnte, abgerissen zu werden“, geht auf die Initiative des Vereins zurück. Schon vor Monaten wurden Gespräche mit dem damals noch potenziellen Käufer geführt. Dass dieser inzwischen offen für die Sanierung als Alternative zum Abbruch ist, führt man bei dem Verein auch auf städteplanerische Schwierigkeiten zurück. Ein Neubau würde nämlich zusätzliche Stellplätze erfordern, die man auf der vorhandenen Fläche nicht realisieren kann. Parkplätze dort zu errichten, wo sich derzeit der Anbau befindet, hatten Bauausschuss und Gemeinderat bereits im Frühjahr ausgeschlossen. Um als Mieter oder Besucher die Parkflächen zu erreichen, hätten sie über den Gehweg beim Aufgang zum Friedhof fahren müssen. Dort treffen sich nicht nur Kirchenbesucher, der Gehweg wird auch von Fußgängern genutzt.

Der drohende Abriss des ortsbildprägenden Gebäudes war für die Gruppe um die Architekten Geraldine Frisch und Udo Rieger „die Initialzündung“ für das Isenwerk. „Es kann nicht sein, dass dieses Gebäude abgerissen wird. Mit dem Bürgerhaus ist eine Planung gelungen, die sicherstellen könnte, dass es stehen bleibt“, sagen sie.

Gleichzeitig würden der Erhalt und die teilweise Nutzung durch die Bürger auch eine Aufwertung des St.-Zeno-Platzes und der Ortsmitte bedeuten. Denn den rund 35 Mitgliedern des Isenwerks geht es nicht nur um die alte Volksbank, sondern um den Platz als Ganzes. „Unser Ziel ist es, in naher Zukunft eine vielfältige und bunte Einkaufslandschaft aus regionalen Produkten, Dienstleistungen und Kunsthandwerk zu ermöglichen.“ Der St.-Zeno-Platz und die umliegenden leer stehenden Gebäude könnten auf diese Weise sinnvoll und zukunftsorientiert genutzt werden, ist man beim Isenwerk überzeugt.

Geschichtliches:

Der Ursprung des Gebäudes St.-Zeno-Platz 3 ist in der Geschichte des Kollegiatsstifts St. Zeno zu suchen. Noch 1805 findet sich in den Archiven die Beschreibung „Kapitl Getreid Kasten, zweigrädig gemauert, sodann von Holz, hat drei Getreideeinschütten aufeinander“.

1807 ersteigerte der Bierbrauer Bernhard Ramsauer die „Staatsrealität“, zu der das Gebäude durch die Säkularisation geworden war. In den nächsten 70 Jahren hatte der ehemalige Getreidekasten acht verschiedene Besitzer.

1864 wird das Haus, das als Faßremise und Malztenne genutzt worden war, zum Wohnhaus für „Herrn Conrad Altmann Commissionär im Markte Isen“ umgebaut. 1935 erwirbt es die Volksbank Westach-Isen vom Vorbesitzer Josef Burgmair. Anfang der 50er Jahre wurde von der Bank der Anbau angefügt.  

Anne Huber

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