Wort-Vorschläge für den Duden hat Thomas Hiemer. 15 seiner Neologismen hat der Isener Wortakrobat nun in seinem Buch „Klolecktüre“ veröffentlicht.
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Wort-Vorschläge für den Duden hat Thomas Hiemer. 15 seiner Neologismen hat der Isener Wortakrobat nun in seinem Buch „Klolecktüre“ veröffentlicht.

Neues Buch

Der Wortverdreher aus Isen

Thomas Hiemer aus Isen hat im Büchlein „Klolecktüre“ witzige Neuschöpfungen veröffentlicht.

Isen – Was haben die Begriffe Abstandsdamen, Gebäckträger und Naschbrettbauch gemeinsam? Alle drei sind Worte, die im offiziellen Duden nicht existieren, aber bestehenden gebräuchlichen Ausdrücken sehr ähneln. Abgewandelt und verdreht wurden sie von Thomas Hiemer. Seit acht Jahren überlegt sich der Webdesigner und Yogalehrer aus Isen leidenschaftlich gerne Wortneuschöpfungen. Nun hat der 48-Jährige einige seiner Begriffe zu Papier gebracht. Die gesammelten Neologismen sind nun als Pixi-Buch unter dem Namen „Klo|leck|türe – Wörter fast wie aus dem Duden“ erschienen.

Der Ursprung von Hiemers Sammlung liegt in der Zeit seines Master-Studiums „Interactive Media-Management“. Gemeinsam mit seinen Kommilitonen Dina Elmani und Thomas Hinterdorfer entstanden damals die ersten Wortverdrehungen. Zusätzliche Inspiration holte sich Hiemer in einer Facebook-Gruppe, in der Rechtschreibfehler thematisiert und Wortspiele veröffentlicht wurden. „Wenn man so etwas liest, lässt man sich anstacheln und wird angeheizt, sich selbst etwas zu überlegen“, erzählt der 48-Jährige, der von sich selbst sagt, zwar ein gutes Sprachgefühl zu haben, früher in Deutsch-Aufsätzen aber nicht so erfolgreich war. Kulturliebhaber denken bei Wortspielen sofort an Kabarettist Willy Astor, so auch Hiemer. Für ihn ist Astor ein Vorbild. „Er ist ein großartiger Wortakrobat und hat das perfektioniert.“

Nur ein Buchstabe verändert schon die Bedeutung eines Wortes. Die Einfälle des Iseners entstehen meist zufällig und spontan. „Oft hat man einfach einen hellen Moment, einen Geistesblitz, und ein neues Wort ist da.“ So kam es auch zur „Nahkoterfahrung“, als Hiemer beim Spaziergang mit Hund Rudi fast in dessen Hinterlassenschaften trat.

Amüsiert erinnert sich Hiemer auch an die Österreicher Kunstfigur Conchita Wurst und ihren Sieg beim Eurovision Song Contest 2014. „Die Frau mit Bart war damals überall und allgegenwärtig. Mir kam die Idee, sie „allgegenbärtig“ zu nennen. Ein Lieblingswort des 48-Jährigen ist „Glauboli – das sagt einfach alles. Oder Kapierstau finde ich auch toll“.

Damit er seine eigenen Wortkreationen nicht vergisst, erstellte Hiemer 2013 die Homepage www.rechtschreibpunk.de sowie kurz darauf ein gleichnamiges Profil bei Instagram. Dort veröffentlicht er seine Neologismen und möchte seine Fans damit unterhalten. Inzwischen sind es insgesamt fast 300 neue Worte.

Schließlich entschied sich der kreative Webdesigner im Januar, einige seiner Begriffe zu Papier zu bringen. In der Kommunikationsdesign-Studentin Franziska Hämmerle fand der Wortakrobat eine Unterstützerin. Die 21-jährige Isenerin wählte aus Hiemers Sammlung 15 Worte, die sie mit passenden Zeichnungen ergänzte. Zu den Illustrationen schrieb der 48-Jährige noch kurze Sätze als Definition und Erläuterung.

Seit Sommer ist die „Klo|leck|türe“ fertig gedruckt. Einige der veröffentlichten Begriffe stammen aus der Zusammenarbeit mit Hiemers Mann Karl Bever sowie den beiden früheren Kommilitonen.

Die Reaktionen auf Hiemers Arbeit seien recht unterschiedlich, erzählt er, Wortspiele ein spezieller Humor. „Manche finden es blöd und albern, andere sehr geistreich und witzig“, berichtet der Isener. Erfreut beobachtet der Autor immer wieder, wenn seine Leser erst etwas überlegen müssen, um den Witz zu erkennen. Meist endet es dann aber in einem Kichern oder Grinsen, erzählt Hiemer.

Manche Fans haben selbst kreative Schübe, die sie dem 48-Jährigen dann schildern. Genügend Neologismen für ein Ü18-Pixi-Buch hätte Hiemer aber bereits, erzählt er schmunzelnd.

Erhältlich

ist Thomas Hiemers „Klo|leck|türe – Wörter fast wie aus dem Duden“ auf seiner Homepage www. rechtschreibpunk.de. Außerdem erhältlich ist das Pixi-Buch in der Dorfener Buchhandlung Sauer, in Erding bei Zigaretten Schmalzbauer und Agelero IT-Systeme sowie in Isen beim Gasthof Klement, Foto Böld, Blumen Brechter, der Druckerei Nußrainer und dem Geschäft Servus Kinder. Das Büchlein 4,90 Euro.

Zwei Beispiele: Beet|näs|ser: Definition 1: Ein Hund, der sein Bein in oder an einem Beet hebt und pinkelt. Definition 2: Kosename für einen Gärtner, während dieser Blumen-/Gemüsebeete gießt.

Schnäps|chen|jä|ger: Definition 1: Person, die vorzugsweise im Kassenbereich eines Supermarktes permanent auf der Suche nach kleinen Schnapsflaschen ist. Definition 2: Jemand, der sich stetig um Kleinstmengen stark alkoholhaltiger Getränke bemüht.

Markus Ostermaier

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