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Alles Handarbeit: Für Martin Mayr gibt es bei der Krippe in der Isener Pfarrkirche immer was zu tun. 

Porträt Martin Mayr

Eine Krippe als Passion

Heute ist Maria Lichtmess. Damit endet – 40 Tage nach Heiligabend – offiziell die Weihnachtszeit. Christbäume und Krippen sollten spätestens an diesem Tag abgebaut werden. Zumindest eine Krippe im Landkreis bleibt aber noch stehen.

Isen Die Weihnachtszeit ist jetzt endgültig vorbei. Trotzdem bleibt die Krippe in der Vorhalle der Isener Pfarrkirche noch stehen. Bis nach Ostern wird Martin Mayr aus Mais bei Isen dafür sorgen, dass in der Krippe alle zwei Wochen neue Szenen aus dem Leben Jesu zu sehen sind.

Auch an diesem Wochenende wird man den 79-Jährigen wieder in der Kirche antreffen. Dann gestaltet er die Heilung der fieberkranken Schwiegermutter des Simon Petrus durch Jesus. Inspirieren lässt sich Mayr dabei vom Sonntagsevangelium oder wie im letzten Jahr vom freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Rosenkranz. Seit 1967 kümmert sich „da Graf’n Mart“, wie er unter alteingesessenen Isenern heißt, um die Krippe in St. Zeno.

Eigentlich habe er sich nicht angesprochen gefühlt, als ihm seine Frau Irmgard vor über 50 Jahren erzählte, dass der damalige Pfarrer Johannes Neubauer jemand sucht, der wieder eine Krippe aufstellt. Die hatte nämlich 1961 der neuen Heizung weichen müssen, Gebäude und Figuren waren weggepackt worden. „Als Kinder ham ma eini g’schaut, aber a Fan war i net“, erzählt der Mart am heimischen Wohnzimmertisch.

Und er steht kurz auf, um nach Fotos zu kramen und eine besonders schön gestaltete Marienfigur aus dem Schrank zu holen. „Aber nachdem ich persönlich vom Pfarrer angesprochen worden war“, nimmt er den Faden wieder auf, habe er es sich dann doch anders überlegt. Um erst einmal eine Überraschung zu erleben, als er die Schachteln auf dem Kirchenspeicher ausgepackt hatte: Die Gewänder der Figuren waren von Motten zerfressen, vielen fehlten Arme oder Beine. Doch nicht nur die Figuren mussten instand gesetzt oder erneuert werden. Auch die Krippe selbst musste deutlich kleiner werden, um auf den neuen Platz im Kirchen-Vorraum zu passen.

Zusammen mit seinen Nachbarn Korbinian Niedermeier und dem Schreiner Josef Roth zimmerte Mayr einen neuen, rund zwei Meter breiten und tiefen Kasten. Dass sich der Transport schwieriger als gedacht gestaltete und der Schaukasten in der Kirche erst einmal wieder repariert werden musste, konnte Mayr zu diesem Zeitpunkt nicht mehr aufhalten.

Am Anfang versuchte er, sich mit „den vorhandenen Habseligkeiten“ zu behelfen und eine Weihnachtskrippe zu gestalten. Heute weist sein Fundus zahlreiche Gebäude, rund 50 Figuren – darunter viele, die er selbst geschnitzt hat –- und eine stattliche Tierschar auf. Dass zahlreiche Tauben vorhanden sind, die er auf Dächern sitzen lässt oder auf dem Boden picken, versteht sich für den Taubenfreund und Züchter Mayr von selbst. „Ohne Tauben geht nix“, sagt er und schmunzelt. Und fügt nach kurzem Nachdenken hinzu: „Die Tauben, die sind mein Hobby, die Krippe ist eine Aufgabe.“

Eine schöne zwar, aber auch eine, die viel Zeit in Anspruch nahm und nimmt. Deswegen hatte Mayr, der als Maurer im Winter nicht gearbeitet hat und sich an den langen Abenden der Krippe widmen konnte, auch Zweifel, einen Nachfolger zu finden. Dass ihn dann doch Thomas Geisberger gefragt hat, ob er Hilfe braucht, hat den Graf’n Mart narrisch gefreut. Noch dazu, weil auch der „Anfang-Zwanziger“ ein Enthusiast in Sachen Kripperl ist, einer der wie Mayr auf Details achtet. Etwa dass das Moos immer frisch ist oder dass in der Ölbergszene echte Olivenbäumchen im Hintergrund stehen. Dass die Schafe in Gruppen im Gras liegen oder im See Genezareth echte Fische schwimmen. Und vor allem, dass die Menschen in seinem Diorama miteinander in einen Dialog treten. Möglich sei das, weil die Köpfe seiner Figuren beweglich sind. „Was nützen einem künstlerisch ausgeführte Krippenfiguren, wenn sie nicht leben“, sagt er zum Beispiel über mit Stoff kaschierte Hirten, Bauern und Könige.

Die Harmonie der Darstellung sei wichtig, weil durch sie dem Betrachter die Verkündigung sichtbar werden könne, betont er. „Man kann einen Bibeltext besser verstehen, wenn er mit Figuren nachgestellt wird.“ Doch Mayr schöpft seine Ideen nicht nur aus der Heiligen Schrift. Wenn er Jesuskind, Maria und Josef bei ihrer Flucht nach Ägypten auf der Bank vor dem nachgebauten Müllner Bründl, einer Quelle und Kapelle bei Isen, rasten lässt, hat er auch die Flüchtlinge der heutigen Zeit im Sinn.

Auf seine Isener Motive sprechen ihn dann auch die Gottesdienstbesucher an: „Mir ham scho g’sehn, dass das Müllner Bründl im Kripperl ist“, sagt dann manch einer zu ihm. „Dann weiß ich, dass die Leut auf’s Kripperl schauen, dass sie ihre Freud dran haben“, sagt er.

Doch Mayr merkt auch, wann es Zeit ist, die Krippe abzubauen. Dann, wenn kein Geld mehr in der Kasse unter dem Uhrwerk ist, das einen Engel in Bewegung setzt. „Flitzengel“ habe eine Besucherin die Figur einmal genannt, die trotz zahlreicher Bemühungen viel zu schnell ihre Runde im Kircherl dreht. „Dann ham die Leut andere Gedanken“, sinniert er, „dann ham’s nicht mehr Zeit, sich mit dem Kripperl zu beschäftigen“. Bis kurz vor Weihnachten, wenn er den Krippenzyklus wieder mit der Verkündigung starten lässt.

Anne Huber

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