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Zeit für Zuwendung bleibt in einem Krankenhaus selten, wenn das Personal knapp und der Arbeitsdruck von Ärzten, Schwestern und Pflegepersonal hoch und belastend ist. Dass die Menschlichkeit trotz aller Schwierigkeiten nicht zur kurz kommt, ist wichtiges Ziel in der Haunerschen Kinderklinik.

Es gibt noch so viele Kinder zu heilen

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In der Haunerschen Kinderklinik fehlen Geld und Personal. Alois Fruth aus Isen setzt sich als Vorsitzender der Elterninitiative „Intern 3“ dafür ein, dass das anders wird. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig eine optimale Betreuung für krebskranke Kinder und deren Familien ist.

Isen/München – Alois Fruth könnte zur Tagesordnung übergehen. Damals, 2009, als sein Sohn Timo im Alter von gerade einmal vier Jahren an Leukämie erkrankte, hatte es der Bub nach zwei schweren Jahren mit Chemotherapien geschafft. Inzwischen ist Timo 13 Jahre alt – und gilt als geheilt. Alois Fruth könnte für sich sagen: Schön, dass es so gelaufen ist. Macht er aber nicht. Der IT-Manager aus Isen hat es sich zur Aufgabe gemacht, etwas von dem, das ihm und seiner Familie damals geschenkt wurde, zurückzugeben. Seit kurzem ist er Vorsitzender eines Vereins, der sich um Belange krebskranker Kinder in der Haunerschen Kinderklinik in München kümmert.

Alois Fruth: Der Isener leitet die Elterninitiative „Intern 3“.

Damals, in der Zeit der zahllosen Klinikaufenthalte, sagt Fruth, sei er in einem Tunnel festgesessen, habe den Blick für die Dinge um sich herum nicht gehabt. Heute, mit der Distanz einiger Jahre, sei das anders. Für den 50-jährigen Selbstständigen heißt das konkret: sich engagieren. Zum Beispiel als Chef der Elterninitiative „Intern 3“ in der Haunerschen Kinderklinik. In einem Verein also, der sich zum Ziel gesetzt hat, „der Krankheit Krebs bei Kindern mehr Leben abzuringen“.

Die Vereinigung besteht seit rund 30 Jahren. Zurzeit hat sie 500 Mitglieder, wovon die Zahl derjenigen, die aktiv mitmischen, wie bei anderen Vereinen nicht wirklich üppig ist. Rund zehn, schätzt Fruth. Sie haben viel zu tun. Die Haunersche hat nämlich Probleme. Da ist erstens eine chronische Unterfinanzierung. Und weil es nicht genug Pflegepersonal gibt, können vorhandene Kapazitäten in der Münchner Spezialklinik nicht genutzt werden. Ein Unding und ein Armutszeugnis für unser Land, sagen selbst die Ärzte.

Eine von denen, die sich im Namen des Vereins engagieren, ist Elke Gleiß aus Heim-stetten (Landkreis München). Es sei die Macht des persönlichen Schicksals, die Hilflosigkeit und der Wille, das Los der krebskranken Kinder zu erleichtern, die Mütter und Väter verbinde, die dem Verein angehören, heißt es in einem Flyer der Initiative. Die Mitglieder wollen mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit die Zusammenarbeit mit Ärzten, Schwestern und betreuendem Personal am Kinderkrebszentrum sowie die Bedingungen der Patienten und ihrer Familien verbessern helfen.

Konkret hat der Verein fünf Wohnungen in Kliniknähe am Goetheplatz angemietet. Wohnungen, die für Eltern gedacht sind, deren krebskranke Kinder in der Klinik behandelt werden. Alois Fruth: „Bei einer Stammzellentransplantation sind 100 Tage und mehr ohne Kontakt nach draußen keine Seltenheit.“ Da bekommen die kliniknahen Wohnungen eine besondere Bedeutung.

Neuerdings aber haben Fruth und seine Mitstreiter den Fokus auf ein ganz anders Problem lenken müssen. Nach 2007 und 2013 liegt jetzt eine dritte Petition an den entsprechenden Ausschuss im Landtag vor, in der die Eltern diesmal auf die schlechte Pflegesituation im Ballungsraum München aufmerksam machen. Die Rede ist von völlig unzureichenden Gehältern, überfordernden Arbeitsbedingungen und hohen Lebenshaltungskosten.

Das alleine mache den Pflegeberuf in München inzwischen so unattraktiv, dass die Haunersche zurzeit rund 30 unbesetzte Stellen hat und daher Bettenkapazitäten stilllegen musste, wie ihr Leiter Christoph Klein bestätigt. Von 17 Betten auf der Station Intern 3 können seit längerem nur maximal zehn betrieben werden, zeitweise sind es auch nur acht.

Die Station klagt über ein hohes Maß an Fluktuation. Nur noch wenige Mitarbeiter sind länger als fünf Jahre im Haus. Direktor Klein berichtet von Pflegekräften, die mangels bezahlbaren Wohnraums in der City oder im näheren Umland sogar jeden Morgen aus Augsburg, Ingolstadt oder Landshut zur Arbeit an die Lindwurmstraße anreisen. Bei einem Dienstbeginn um 6 Uhr, so der Leitende Arzt, könne man sich ausrechnen, wann die Mitarbeiter morgens aufstünden.

Die Situation ist aus Sicht aller Beteiligter so dramatisch, dass sie den Weg an die Öffentlichkeit wagten. Das Bayerische Fernsehen berichtete in der Abendschau ausführlich. Professor Klein ist außerdem Mitautor eines langen Artikels, der in der FAZ erschien. Ein Plädoyer für die Würde des Kindes in der Medizin, wie es hieß. Darin fordern er und seine Co-Autorin aus Freiburg, Charlotte Niemeyer, ein generelles Umdenken.

Früher, noch in den 1960er Jahren, sei eine Krebsdiagnose bei Kindern vielfach wie ein Todesurteil gewesen. Heutzutage gebe es sehr viel größere Heilungschancen. Vier von fünf Kindern mit einer Krebserkrankung können dauerhaft geheilt werden. Und genau das mache eine Umwertung in der Medizin erforderlich.

Klein, selbst sechsfacher Vater, schreibt von einem „Recht kranker Kinder auf ein erreichbares Höchstmaß an Gesundheit“. Für ihn sind die Arbeitsbedingungen in der Kindermedizin ein Indikator für den Gesamtzustand einer Gesellschaft: „Da, wo Kindermedizin floriert, sind die Menschen stolz darauf, was alles geleistet wird, um den Jüngsten in der Gesellschaft zu helfen.“ Die Zukunft einer Gesellschaft sei maßgeblich davon abhängig, wie sie heute mit ihren Kindern umgehe. Auch deshalb sei es für das Klinikum wichtig, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und die Fahrtkostenzuschüsse für pendelnde Mitarbeiter anzuheben.

Die Elterninitiative „Intern 3“, benannt nach der Bettenstation im Haus, hat so genannte Drittmittelstellen übernommen. Das heißt, Spendengelder werden eingesetzt, um Personal zu bezahlen, das es ohne diese Zuwendungen womöglich gar nicht gäbe. Die Helfer von „Intern 3“ bringen nach eigenen Angaben so jährlich rund 300 000 Euro auf, mit denen zurzeit fünf Stellen finanziert werden. Fruth: „Ein Drittel aller Stellen sind solche Drittstellen.“ Sein Verein bezahlt zum Beispiel Betreuungsfachkräfte wie Sozialpädagogen, Psychologen, Familientherapeuten, Erzieherinnen oder Kunst- und Musiktherapeuten. Alles Stellen, die ihre Bedeutung bekommen in der Betreuung der kranken Kinder nach einer OP.

Spendenkonto

Die Elterninitiative „Intern 3“ ist im Internet unter www.eltern-intern3.de zu erreichen. IBAN:

DE09 7015 0000 0907 1119 00

Konto: Stadtsparkasse München

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