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Experten-Runde im Wald (v. l.): Stefan Warsönke vom AELF, WBV-Försterin Alexandra Hörand mit Australian Shepherd Runa sowie AELF-Revierleiter Ralph Kreitz. Er hat ein Stück Rinde in der Hand, auf dem sich einige Borkenkäfer tummeln.

Extremwetter macht Fichten zu schaffen

Gefundenes Fressen für den Borkenkäfer

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Warm, trocken, windstill: Seit Wochen herrschen perfekte Bedingungen für den Fichtenborkenkäfer. Für die häufigste Baumart im Landkreis wiederum ist das ein großes Problem.

Östlicher Landkreis– Der Wald im Forstrevier Isen II ist dicht und sattgrün. In Reih und Glied stehen die Fichten da, eine Armee schlanker Giganten. Mittendrin eine große freie Fläche. Rund 400 Bäume standen hier einst. Käferloch nennen Experten diese Lücke, denn schuld daran ist ein winziger Schädling: der Borkenkäfer, genauer gesagt der Buchdrucker.

„Die Fichte ist im Landkreis die häufigste Baumart, obwohl sie als dominierende Art hier nicht hergehört“, erklärt Stefan Warsönke beim Besuch vor Ort. „Sie ist ein Baum der Mittel- und Hochgebirge, denn sie mag es kühl und feucht“, erklärt der stellvertretende Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Erding, der dort den Bereich Forst leitet. Weil sie schnell wächst und vielfältig verwendbares Holz liefert, habe man die Fichte hier dennoch großflächig angebaut: Sie dominiert die älteren der 12 000 Hektar Wald im Landkreis.

Frisch gebohrt: Hier war der Borkenkäfer am Werk. Alle Bäume mit rotem Punkt müssen weg. Das übernimmt der Harvester.

Und genau dieser Reinbestand ist vielen Waldbesitzern heuer zum Verhängnis geworden: Zahlreiche Bäume sind vom Borkenkäfer befallen, „und damit dem Tode geweiht“, sagt Warsönke. Der Käfer habe heuer optimale Bedingungen. Stürme hatten im Winter viele der flachwurzelnden Fichten beschädigt. Umgeknickte Bäume boten ideale Bruträume. Die Fichten wurden zusätzlich durch die sehr intensive Blüte heuer geschwächt. Hinzu kommt das warme, trockene Wetter seit Monaten.

Braunes Bohrmehl, hier am bemoosten Stamm der Fichte, sind untrügliches Zeichen dafür, dass der Baum vom Borkenkäfer befallen ist.

„Ist die Fichte vital, kann sie den Käfer mit Harz abwehren und so das Einbohren verhindern. Das geht aber nicht bei Trockenstress oder wenn es zu viele Käfer sind“, sagt Warsönke und erklärt, wie ein winziges Insekt riesige Bäume zerstören kann: Durch ihre Fraßgänge unter der Rinde unterbrechen die Käfer die Leitungsbahnen, der Baum bekommt weder Wasser noch Nährstoffe – und stirbt.

„Dann haben wir die Katastrophe“

200 der winzigen Tierchen reichen dafür, und diese Anzahl ist schnell erreicht, denn vom Ei zum fertigen Insekt dauert es bei Bedingungen wie derzeit nur sechs Wochen. „Ein Weibchen kann in einem Sommer bis zu 100 000 Nachfahren produzieren“, erklärt Ralph Kreitz, Revierleiter für das Forstrevier Isen II. Kommen Trockenheit, Wärme und geschwächte Fichten zusammen, „haben wir die Katastrophe“, so Warsönke. Ein Käferloch im Landkreis umfasst sogar 2000 Bäume. „Das ist das größte, das wir je hatten, aber zum Glück eine Ausnahme“, sagt Kreitz.

Vorbeugende Maßnahmen gibt es nicht, man könne nur reagieren und befallene Baum aus dem Wald nehmen – je früher, umso größer ist die Chance, eine Massenverbreitung zu verhindern. Per Verordnung sind Waldbesitzer dazu verpflichtet, Bäume in der Schwärmzeit regelmäßig zu kontrollieren. Für einen Befall gibt es untrügliche Zeichen – Harztropfen auf der Rinde, frische Einbohrlöcher, braunes Bohrmehl am Stamm. Wer sich unsicher ist, kann Förster, Forstverwaltungen und Waldbesitzervereinigung (WBV) um Rat fragen.

Käfer und Larven fressen Gänge ins Holz – oben im Bild zu sehen ist ein hellbrauner Jungkäfer, unten eine weiße Larve.

Eine der Experten dort ist Försterin Alexandra Hörand, die von einem weiteren Problem berichtet: „Wohin mit dem abgeholzten Baum?“ Im Wald liegen lassen sei keine Option, denn dort könne der Käfer wieder ausfliegen. Lagerplätze mindestens 500 Meter außerhalb des Bestands seien jedoch rar, und auch die Sägewerke kämen angesichts des Überangebots nicht hinterher, das Holz sofort abzutransportieren. „Wir wollen daher Bürger und Gemeinden sensibilisieren, Lagerflächen zur Verfügung zu stellen“, sagt Hörand.

Waldbesitzern, die das Borkenkäfer-Risiko minimieren wollen, rät Kreitz zum Mischwald. Dafür gibt’s sogar staatliche Zuschüsse. „Wir Förster sind keine Fichtenhasser“, betont Warsönke, „aber wir wollen großflächige Reinbestände vermeiden. Das Betriebsrisiko sinkt, wenn man einen Mischbestand hat.“

Eine Risikogebietskarte

des Borkenkäfermonitorings der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) zur Einschätzung der aktuellen Gefährdung gibt es online auf www.borkenkaefer.org. Erst am Dienstag wurden darin die Landkreise Erding und Freising von Gelb (Warn-) auf Rot (Gefährdungsstufe) umgestellt.

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