Vor Gericht

Freundschaft hielt nur in der virtuellen Welt

Isen - So recht weiß heute keiner mehr, worum es ging. Aus befreundeten Computerspielern wurden erbitterte Feinde. Einer schlug zu. Beide sahen sich vor Gericht wieder.

 Der Streit zwischen beiden Computerfreaks artete derart aus, dass es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung kam. Einer der beiden, ein 22-Jähriger, trug dabei eine sieben Zentimeter lange Platzwunde am Kopf davon. Man kennt sich seit fast fünf Jahren und die gemeinsame Leidenschaft fürs Computerspiel verband den 24-jährigen Angeklagten mit seinem späteren Opfer. Der Spezl behauptete aber plötzlich, seine Spielkonsole sei kaputt, beziehungsweise, möglicherweise auch nur der Account gelöscht, und so entzweite man sich. Im Bekanntenkreis wurde über zwei Monate gestichelt und schließlich wurde der Angeklagte gewarnt, dass sein ehemaliger Spielpartner ihn wohl fertigmachen wolle.

Nach zwei schweren Unfällen körperlich gehandicapt, bewaffnete sich der Angeklagte mit einem Teleskop-Rohr welches er einen Monat mit sich herumtrug. Mitte Dezember kam es dann zu einem zufälligen Zusammentreffen der beiden Kontrahenten. Er sei von seinem ehemaligen Freund sofort „am Krawattl gepackt worden“, berichtete der Angeklagte vor dem Erdinger Amtsgericht, habe sich aber losreißen können und dann mit seiner Waffe eben zugeschlagen. Dies hatte für den 22-Jährigen eine sieben Zentimeter lange, stark blutende Platzwunde zur Folge.

Der Geschädigte räumte durchaus ein, dass er auf Krawall aus war, allerdings habe er den Angeklagten nur kräftig geschubst, bevor er den Schlag erhielt. Er beendete die gar nicht virtuelle Schlacht auch abrupt in Sekundenschnelle und begab sich ins Krankenhaus, wo die Wunde genäht wurde. Diese hat er sich, so seine Angaben, beim Sturz auf eine Tischkante zugefügt. Die Polizei benachrichtigte der Angeklagte, wohl im Gedanken, dass es immer besser ist, der Erste zu sein, der Anzeige erstattet.

Das jetzige Verhältnis umschreibt sein Opfer mit „Leben und leben lassen“ und damit gab sich auch der Angeklagte zufrieden. In einem Rechtsgespräch erreichte der Verteidiger, Rechtsanwalt Thomas Fauth aus Landshut, die Einstellung des Verfahrens. Grund war zum einen die körperliche Beeinträchtigung des Angeklagten die dem Opfer sehr wohl bekannt war, zum anderen auch der geringe Verfolgungseifer des Geschädigten.

Ganz ohne Buße kommt der 24-Jährige nicht davon. Richterin Sabine Schmaunz verhängte eine Geldauflage von 800 Euro. Hierfür kann sich der Angeklagte jedoch ein halbes Jahr Zeit lassen, da er momentan in einer Förderungsmaßnahme nur 485 Euro Einkommen bezieht.

Gert Seidel

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

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