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Für die wichtigste Aufgabe eines Bürgermeisters bekam Florian Geiger einen Schlegel geschenkt. Er war genauso begeistert von Anzapf-Werkzeug wie (v. l.) Katharina Schulze, Helga Stieglmeier, Hans Schreiner und Eva Haslbeck.

Wahlkampfauftakt in isen

Grüne Riesenwelle

Furioser Wahlkampfauftakt in Isen. Über 700 Besucher kommen zur Vorstellung des grünen Bürgermeisterkandidaten Florian Geiger.

Von Anne Huber

Isen – Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag, ist ins ländliche Isen gekommen, um ihren Parteifreund Florian Geiger zu unterstützen. Der grüne Gemeinde- und Kreisrat will, das machte er unmissverständlich klar, Bürgermeister des Marktes werden. Amtshinhaber Siegfried Fischer wird bekanntlich 2020 nicht mehr antreten.

Mit von der Partie war auch Hans Schreiner, gemeinsamer Landratskandidat von Freien Wählern, Grünen und SPD. Entsprechend gemischt war das Publikum. Obwohl viele Landkreis-Grüne unter den gut 700 Besuchern waren, machte der Blick ins Publikum eines deutlich: Die Grünen sind auch in Isen in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Als größte Isener Grünen-Veranstaltung aller Zeiten bezeichnete der grüne Landtagsabgeordnete Johannes Becher, der den Abend moderierte, den Wahlkampfauftakt. Die Redebeiträge von Geiger und Schreiner kündigte er vorsorglich als Rede vom neuen Bürgermeister und Grußwort des neuen Landrats an.

Geiger selbst blieb nach dem schwärmerischen Bekenntnis zu Isen sachbezogen. Ändern will der 40-Jährige, der auf die Politisierung der Bürger und deren Beteiligung an kommunalen Prozessen setzt, aber einiges. „Isen braucht nicht nur einen Bürgermeister und 20 Gemeinderäte, um die Zukunft zu gestalten, sondern euch alle“, rief er zu echter Bürgerbeteiligung und Transparenz auf. Dazu will er im Gemeinderat und im Ort eine neue Debattenkultur etablieren.

Verkehrs- und siedlungspolitisch setzt Geiger auf mehr innerörtliche Rad- und Fußwege, mehr Sicherheit im Straßenverkehr, Neubaugebiete, um vor allem jungen Leuten die Möglichkeit zu geben, in Isen zu bleiben, und sozialen Wohnungsbau. Auf seiner Agenda steht auch, den Innenort aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Gemeinsam, so Geiger, werde es gelingen, „Isen wach zu küssen“.

Weit mehr Effekte als von der neuen Autobahnausfahrt erhofft sich Geiger vom Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Die Ansicht der Kreistags-CSU, die nur Kosten und leere Busse sehe, sei falsch. Richtig sei es vielmehr, „dass ein Bus öfter fahren muss, um voller zu werden“. Erst wenn man wisse, dass man abends wieder nach Hause komme, nehme man morgens den Bus.

Keine Angst müssten die Isener vor einer grünen Verbotspolitik haben: Es werde weder Fahrverbot, noch Radlpflicht geben. „Es gibt viele kleine Schritte, die Isen in einen klimafreundliche Zukunft führen können, ohne ein einziges Verbot.“

Wie Eva Haslbeck und Lena Geiger von den Isener Grünen freute sich auch Landratskandidat Schreiner über die große Besucherzahl. Dass so viele gekommen seien, zeige ihm, „dass Sie neugierig sind, auf die Zeit, die vor uns liegt“. Als gemeinsamer Kandidat trete er auf, weil er überzeugt sei, „dass wir gemeinsam stärker sind“. Im Kreistag setzt Schreiner auf die Beteiligung aller Kräfte und einen offenen Umgang miteinander.

Mal Politprofi mit viel Faktenwissen, mal mädchenhaft und heimatverbunden (wie das hellblaue Dirndl und die rosa Schürze suggerierten), mal frech: Shootingstar des Abends war Katharina Schulze. Ein paar Themen weniger hätten ihrer Rede allerdings gut getan. So sprang sie von Carola Rackete, der Kapitänin des Sea-Watch-Schiffes, zu Ministerpräsident Söder, der momentan den Öko raushängen lasse („Ich warte auf den Tag, wo er in Latzhose, Jesuslatschen und Jutebeutel aufkreuzt“), aber ein Nein für alles habe, was der Umwelt nützt. „Die CSU ergrünt, ohne rot zu werden“, kommentierte sie das Aktivwerden der CSU nach dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“.

Nahtlos ging es zur Mobilitätsgarantie für Bayern und zur dritten Startbahn. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer attestierte sie, dass nach gescheiterter Maut, Bahnchaos und Feinstaub alles zu Mist werde, was er anfasse. Grüne Positionen sind für Schulze nicht nur ökologische Themen: Widerstand gegen Rechts und ein klares Bekenntnis zu Europa sind für sie ebenso wichtig. Daneben forderte sie das Arbeitsrecht für Asylbewerber, keine Abschiebung nach Afghanistan und dass, Frauen „die Hälfte der Macht“ bekämen.

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