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Gern gesehen: Hans-Edmund Lechner.

Kolpingsfamilie Isen

Hans-Edmund Lechner seit 70 Jahren ein Mann der Tat

Die Kolpingsfamilie Isen hat ein besonderes Mitglied geehrt: Altbürgermeister Hans-Edmund Lechner hat eine Ehrenurkunde für 70 Jahre Mitgliedschaft im Kolpingwerk bekommen.

Isen – Es war damals der Katholische Gesellenverein, in den Hans Edmund Lechner im Mai 1946 eintrat. Der Gesellenverein begleitet „H.-E.“, wie ihn jeder nennt, bereits sein ganzes Leben. Schon als er noch ganz klein war, nämlich 1930, trafen sich im Elternhaus des Jubilars ein paar Gesellen, um den ursprünglich 1860 gegründeten Verein neu zu gründen. 16 Jahre später sollte Lechner selbst einer der Neugründer sein.

Hans-Edmund Lechner erblickte 1926 das Licht der Welt. Schon früh begeisterte er sich für die Segelfliegerei und erhielt bald die „Schlepperlaubnis“ für Segelflugzeuge hinter dem Doppeldecker Arado AR 96. Der Schulzeit, in der er auch stenografieren lernte, folgte die Ausbildung zum Schreinergesellen. Kaum war die Prüfung geschafft, wurde er zum Militär eingezogen und in den Krieg geschickt. Ein Jahr und acht Monate Kriegsgefangenschaft in Louisiana in den USA waren die Folge. Bei der Entlassung erklärte er sich spontan bereit, den Kameraden Bruno Lelek, einen ausgeweihten Diakon und Dolmetscher im Afrikakorps, der nicht in seine Heimat, die Diözese Breslau, entlassen werden konnte, zu sich nach Hause mitzunehmen. Bruno lebte dann einige Zeit in Isen, ging nach Freising, um Priester zu werden, und feierte Weihnachten 1946 in Isen seine Primiz.

Lechner lernte zu seinem Schreinerberuf noch das Zimmererhandwerk und stieg in den Betrieb des Vaters ein: „Lechner & Sohn“. Im Mai 1946 rief Kooperator Brandl zur Wiederbelebung des Katholischen Gesellenvereins in Isen auf. Lechner folgte seinem Freund aus Kindertagen, Franz Stolz, und trat in die Gemeinschaft ein. Als Mann der Tat übernahm er das Amt des Kassierers und gab es dann 1949 an Josef Baumgartner weiter. Er bereicherte das Vereinsleben mit seinen Beiträgen in den Versammlungen. „Warum fliegt ein Flugzeug?“ war immer mal ein Thema.

1947 brauchte man Wahlmänner für die Bezirkstagswahl im Bezirk Mühldorf/Wasserburg. Lechner ließ sich nicht lang bitten und war dabei. Als die Bauernposse „Der Amerika-Seppl“ von B. Rauchenegger und R. Manz auf die Bühne gebracht werden sollte, war H.-E. als Schauspieler aktiv. Dann begann er 1948 die Meisterschule. Drei Wintersemester, immer vom 1. Oktober bis zum 31. März, dauerte die Ausbildung. 1951 konnte er die Prüfung mit der Note „sehr gut“ ablegen. Mit einem Lehrgang zum Erlernen der Kurzschrift und später einem Kurs in Rechnen und Zeichnen bereicherte der Jubilar das Bildungsangebot des Gesellenvereins am Ort – Lechner als Referent, versteht sich. An diese Aktivitäten erinnerte man sich, als man ihn 1955 zum Berufsbildungsobmann wählte.

Lechner befolgte den Leitsatz Adolph Kolpings: „Reden allein tut’s nicht, die Tat ziert den Mann.“ Er übernahm den väterlichen Zimmereibetrieb, wurde Mitglied der Liedertafel Isen, trat in die CSU ein, wurde 1966 Ortsvorsitzender und stellte sich 1971 der Wahl zum Bürgermeister der Gemeinde Isen. Eine Stichwahl entschied da noch gegen ihn. Doch 1978 wurde er Bürgermeister der Marktgemeinde Isen, und das blieb er bis 1996. Ebenfalls 1978 hatte ihn ein Bekannter aus dem Nachbarort Lengdorf angesprochen, es gehe um eine Gemeindepartnerschaft mit einer Marktgemeinde in Niederösterreich. Noch neu im Amt kam Lechner erst 1981 auf diesen Vorschlag zurück und trug das Anliegen im Gemeinderat vor. „Des schaun mir uns an“, meinte Gemeinderätin Springer, „da fahr’n wir hin“. So kam es zur Partnerschaft mit Ernstbrunn im Weinviertel, die auch heute noch gepflegt wird.

Für die Aktivitäten in der Kolpingsfamilie blieb nun nicht mehr viel Zeit. Zuverlässig leitete Lechner die Wahlgänge bei Neuwahlen, und es gelang ihm, den einen oder anderen wankelmütigen Kandidaten zu einem Amt in der Vorstandschaft zu bewegen.

Bei den Versammlungen der Kolpingsfamilie ist Lechner, mittlerweile im 91. Lebensjahr, auch heute stets ein gern gesehener Teilnehmer. Sein stoischer Kommentar bei der Überreichung der Ehrenurkunde: „Ich bin schon länger bei Kolping als verheiratet.“ Und das will etwas heißen, denn schließlich konnten H.-E. und seine Antonie vor zwei Jahren die Eiserne Hochzeit feiern.
Herbert Scholz

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