Seit 20 Jahren Gemeindechef: Siegfried Fischer. Foto: Huber

Siegfried Fischer seit 20 Jahren Bürgermeister

„Ich habe nie Geschenke machen können“

Isen - Seit 20 Jahren leitet Bürgermeister Siegfried Fischer die Geschicke der Marktgemeinde Isen. „Ich habe mir meine Arbeit nie leicht genommen“, sagt der 61-Jährige.

Siegfried Fischer hat vor zwei Jahrzehnten sein Amt als erster Bürgermeister des Marktes Isen angetreten. Seitdem hat er schätzungsweise 450 Marktgemeinderatssitzungen geleitet, hat Rathaus, Kläranlage und Kindergarten eröffnet, zahlreichen Gemeindebürgern zu Geburtstagen und Ehejubiläen gratuliert und viele Lobreden gehalten. Am Ende der jüngsten Marktgemeinderatssitzung stand er selbst im Mittelpunkt, als es Blumen und anerkennende Worte von seiner Stellvertreterin Eva Pfennig gab. Fischer selbst hat das Jubiläum nicht hoch gehängt.

Fünf Kollegen im Landkreis seien wie er in der vierten Amtsperiode, relativiert er im Gespräch mit dem Dorfener Anzeiger die Bedeutung des Dienstjubiläums. Anlass zum Nachdenken hätte ihm der Jahrestag aber durchaus geboten. Einen breiten Buckel und ein dickes Fell habe er sich auch nach 20 Jahren nicht zulegen können und wollen. Dass es vier Amtsperioden wurden, sei nicht geplant gewesen: „Mein Motto war immer, wenn es den Leuten nicht passt, werden sie es mir bei der Wahl zeigen“. Eine Niederlage wäre für ihn zu akzeptieren gewesen. Doch die Wähler haben ihm dreimal gezeigt, dass sie ihn für den besseren Kandidaten hielten und votierten für drei Verlängerungen.

„Die Zeit ist schnell vergangen“, resümiert er, und weiß auch warum. „In dem Geschäft ist Tempo dahinter.“ Trotz des Termindrucks gehe er noch gerne täglich in sein Büro, „wenn auch nicht jeden Tag gleich gern“. Die Einschränkung ist typisch für Fischer, der auch nach 20 Jahren den „Politikersprech“ mit Phrasen und Klischees meidet. Fischers Reden sind deswegen nur selten traditionelle Ansprachen. Hinter seinen politischen Reden steht die Idee, Gespräche mit den Bürgern zu führen, Einwände zur Kenntnis zu nehmen und auf sie einzugehen. Dass er sich von den „schönen Künsten“, wie er es ausdrückt, das Schreiben ausgesucht hätte, merkt man seiner Lust am Formulieren an. Doch das Redenschreiben gehört nur am Rande zum politischen Geschäft eines Bürgermeisters. Daran, dass es bei seiner Arbeit zum Großteil um Infrastrukturmaßnahmen geht, hat sich seit seinem Amtsantritt nichts geändert.

Damals wurden die Fenster der Schule erneuert, heute wird die selbe Schule generalsaniert. „Mit so etwas holst du dir keine Lorbeeren“, stellt er nüchtern fest und ergänzt „ich habe halt nie Geschenke machen können“.

Wichtig, dass Bürger gerne in Isen leben

Auch wenn es kaum Kommunen gibt, deren Haushalte nicht durch die Aufnahme von Fremdmitteln belastet sind, machen ihm der jüngste Kredit und die daraus resultierende Neuverschuldung zu schaffen. „Die finanzielle Seite setzt mir zu“, sagt er zum aktuellen Haushalt. „Nein“, antwortet er auf die Frage, ob er etwas anders machen würde. Auch wenn es möglicherweise selbstherrlich klinge, viel falle ihm da nicht ein. Um dann doch auf die Verlegung des Sportheims zu sprechen zu kommen, wo er mit der Planung im Südwesten der Gemeinde unter Umständen auf das falsche Pferd gesetzt habe. Dass ihm vermeintliche Fehler vorgeworfen und juristische Schritte angedroht wurden, sieht er heute gelassen.

Aus dem Abwasserstreit, bei dem sich Fischer 2009 mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde konfrontiert sah, habe er auch Positives gelernt. „Es hat sich gezeigt, dass Dinge ausgesprochen werden können und ein respektvoller und unbelasteter Umgang möglich ist“. Wichtig sei ihm immer gewesen, dass die Bürger, ob alteingesessen oder zugezogen, gern in Isen leben. Dass er sich vor zwei Jahren erneut zur Wahl stellte, habe er nicht bereut. Damals sei „die Nachfolge nicht geregelt“ gewesen. Womit er sagen will, dass seine Fraktion, die Freien Wähler, niemand gefunden hatten, der in seine Fußstapfen treten wollte. Das soll 2020 anders werden. „In vier Jahren ist meine Zeit gekommen, beantwortet er die Gretchenfrage nach einer erneuten Kandidatur, „dann ist für mich Schluss“.

Anne Huber

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