+
Bettina Riep. Die Isenerin engagiert sich ehrenamtlich.

Interview mit Bettina Riep  

Flüchtlingshelfer bündeln ihre Kräfte

Bettina Riep von der Flüchtlingshilfe Isen ist eine der beiden Vorsitzenden des neu gegründeten Landesverbands von „Unser Veto“.

IsenSie vertritt jetzt rund 3000 Mitglieder in Bayern: Bettina Riep. Die Isenerin wurde in den Vorstand des ersten Landesverbands von „Unser Veto“ in Nürnberg gewählt. Zusammen mit Joachim Jacob aus dem Kreis Dachau steht sie an dessen Spitze. Bundesweit hat die Interessenvertretung der Ehrenamtlichen rund 10 000 Mitglieder und will Einfluss auf die Politik nehmen.

- Frau Riep, warum reicht es vielen Ehrenamtlichen nicht mehr, Flüchtlingen Deutschunterricht zu geben oder bei der Arbeitssuche zu helfen?

Bettina Riep: Weil die Integrationsbemühungen ins Leere laufen, wenn die Geflüchteten nur aufgrund einer in Prozent ausgedrückten Bleibeperspektive keine Arbeitserlaubnis erhalten, wenn die 3 + 2-Regelung für Ausbildungsplätze nicht umgesetzt werden darf, obwohl die jungen Menschen einen Hauptschulabschluss in Deutschland geschafft haben. Die Ausländerbehörden treffen damit ein Urteil vor dem Bamf oder bevor das Verwaltungsgericht eine Entscheidung getroffen hat. Wir als einzelner Helfer oder als kleiner Helferkreis haben der Willkür der Ämter nichts entgegenzusetzen.

-Wie kann eine Interessenvertretung der Ehrenamtlichen politisch Einfluss nehmen?

Riep:Wir hoffen, uns durch eine starke Gemeinschaft Gehör zu verschaffen. Wenn wir die vielen Ehrenamtlichen, die in der Flüchtlingshilfe aktiv sind, bündeln, kann die Politik uns nicht mehr übersehen. Bundesweit sind das ja immerhin Tausende von Wählerstimmen. Und wir in Bayern wollen als erster Landesverband natürlich bereits Einfluss auf die Landtagswahl im September nehmen.

-Wie schätzen Sie die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber Asyl und Asylhelfern ein?

Riep:Leider ist die Stimmung nicht mehr wie in 2015 oder auch noch 2016 pro Asyl. Und daran ist unsere bayerische Politik nicht unschuldig. Statt die Bevölkerung mitzunehmen, hat sie Ängste und Neid geschürt. Die große Chance, die aus dem Zuzug erwächst, wurde vollkommen unter den Teppich gekehrt. Nun werden die ,Fremden‘ mit Argwohn betrachtet und uns Helfern wird unterstellt, durch unsere Arbeit Fluchtanreize zu schaffen. Aus meiner langjährigen Erfahrung weiß ich aber, dass sich niemand ohne Not auf den Weg gemacht hat.

Das Gespräch führte Anne Huber. 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Obergeislbach soll kein Schlafdorf werden
Rund 90 Bürger haben sich an der Bürgerwerkstatt für Obergeislbach beteiligt. Die Wünsche für die Entwicklung des Orts waren vielfältig – von zusätzlicher …
Obergeislbach soll kein Schlafdorf werden
Festplatz: Anwohner fürchtet Lärm
Der neu geschaffene Festplatz in Hohenpolding wird weiter als solcher genutzt, die Errichtung von Gebäuden jeglicher Art ist aber dennoch ausgeschlossen.
Festplatz: Anwohner fürchtet Lärm
136 Fünftklässler, neun neue Lehrer
Mit Beginn des laufenden Schuljahrs haben am Gymnasium Dorfen 136 Fünftklässler ihre Gymnasiallaufbahn aufgenommen.
136 Fünftklässler, neun neue Lehrer
Angst vor Geruchsbelästigung
Nachbarn befürchten eine vermehrte Geruchsbelästigung durch einen neuen Milchviehlaufstall.
Angst vor Geruchsbelästigung

Kommentare