+
Böse Verletzungen erlitt Bernhard Wiedemann an der linken Hand.

Bernhard Wiedemann (59) aus Isen war auf der A 99 verunglückt

Unfallopfer bedankt sich bei seinen Rettern

  • schließen

Der schlimme Lkw-Unfall im vergangenen März auf der A 99 bei Hohenbrunn steckt Bernhard Wiedemann (59) noch immer in den Knochen. Der Kraftfahrer verletzte sich bei dem Zusammenstoß schwer und musste von der Feuerwehr befreit werden. Jetzt hat er sich mit einem Brief bei seinen Rettern bedankt.

Isen/Hohenbrunn - „Und dann war da einfach nur noch dieser laute Knall.“ Das ist einer der wenigen Momente des Unfalls, an die sich Bernhard Wiedemann noch erinnern kann. Vieles habe der 59-Jährige aus Isen danach erst aus der Zeitung und von der Polizei erfahren. Es ist der 12. März, als der selbstständige Transport-Unternehmer am Abend mit einer großen Ladung Develey-Senfgläser über die Autobahn fährt. „Ich war auf der Suche nach einem Parkplatz, bei Putzbrunn wollte ich runter und eine Pause machen“, erzählt Wiedemann.

Doch kurz vor der Anschlussstelle Hohenbrunn übersieht ein anderer Lastwagenfahrer das Stauende und legt eine Vollbremsung ein. Ein Sattelzug kann haarscharf ausweichen. Wiedemann nicht. Er prallt frontal gegen den Auflieger. Ein Betonmischer hinter ihm kracht zu allem Übel auch noch in das Heck von Wiedemanns Lkw.

Für einen kurzen Moment ist der 59-Jährige bewusstlos. Als er wieder zu sich kommt, steht er unter Schock. „Mein erster Gedanke war: Jetzt musst dir einen neuen Lkw kaufen.“ Erst nach und nach bemerkt er, dass er sich nicht rühren kann. Das Führerhaus seines Lastwagens ist so stark eingedrückt, dass er eingeklemmt ist. Sein rechter Fuß steckt im Fußraum fest. Die rechte Hand ist übersät mit Glassplittern und Schnittwunden. „Am schlimmsten wurden dann die Schmerzen in der linken Hand, die innerhalb von Minuten aufs Doppelte angeschwollen ist.“

Irgendjemand versucht die Fahrertür aufzumachen, schafft es aber nicht. „Vielleicht dachte der auch, ich bin tot“, sagt Wiedemann. Panik habe er trotzdem zu keinem Zeitpunkt gehabt: „Ich habe darauf vertraut, dass schon irgendwann jemand nach mir schauen wird.“

Zwei Ersthelfer schaffen es schließlich, zu dem 59-Jährigen vorzudringen. „Einer hat mir von seinem Tag erzählt und mir viele Fragen gestellt. Das war so wichtig, dass in dem Moment jemand bei mir war“, sagt Wiedemann. Die Männer aus Augsburg harren bei ihm aus, bis Notarzt und Feuerwehr eintreffen.

Aufgrund der Schwere des Unfalls rücken 90 Einsatzkräfte aus Ottobrunn, Hohenbrunn, Taufkirchen, Putzbrunn und der Berufsfeuerwehr zum Unfallort aus. Behutsam und mit schwerem Gerät befreien sie Wiedemann. Er kann sogar selbst aus dem Wrack steigen. „Als Erstes sah ich dann bewusst einen grauhaarigen Feuerwehrmann mit Bart, da wusste ich: Ich bin gerettet.“

Trotzdem besteht der Verdacht auf innere Verletzungen. Der 59-Jährige kommt mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus. Dort stellen die Ärzte fest: Er hat massive Prellungen und Schnittwunden. Am schlimmsten hat es seine linke Hand getroffen: dreimal gebrochen und mehrere Absplitterungen.

Noch im Krankenhaus fasst er einen Entschluss. Er will sich bei seinen Rettern bedanken. Er verfasst einen zweiseitigen Dankesbrief und schickt ihn an die Feuerwehr Ottobrunn. Deren Kommandant Eduard Klas war der Einsatzleiter an der Unfallstelle. „Es war mir einfach wichtig, zu honorieren, was die Feuerwehrleute an Zeit opfern, um Anderen zu helfen“, erklärt der 59-Jährige. Den vielen Nörglern und Menschen, die die Feuerwehr im Einsatz beschimpfen oder sich über Sperrungen aufregen, wollte er etwas entgegensetzen. „Den Anstand und die christlichen Grundwerte haben viele heutzutage vergessen“, sagt Wiedemann.

Das musste er auch bei seinem Unfall erfahren, als Gaffer mit dem Handy die Szenerie filmten und fotografierten, anstatt zu helfen. „Vor allem zu einem Zeitpunkt, als noch nicht klar war, ob ich überhaupt noch lebe.“ Gegen die Gaffer hat der Isener jetzt Strafanzeige gestellt.

Einen Monat nach dem Unfall hat Wiedemann immer noch mit seiner verletzten Hand zu kämpfen: Er muss zur Physiotherapie, zur Ergotherapie – und das mehrmals in der Woche. Sich alleine anzuziehen fällt ihm schwer.

Aber: Jammern will er trotzdem nicht, denn. „Es hätte viel schlimmer ausgehen können, ich bin überzeugt, dass mein Gottvertrauen mir geholfen hat“, sagt der 59-Jährige. In zwei Monaten will der Isener wieder Lkw fahren.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Geistiger Brechdurchfall im Netz - ein Kommentar
Soziale Netzwerke - wirklich? Der Ton auf Facebook & Co ist teils entsetzlich und entwürdigend. Das zeigt unter anderem die Dabatte um Christkindlmarkt und …
Geistiger Brechdurchfall im Netz - ein Kommentar
Hilfe fürs Wunschmobil
4000 Euro fürs Herzenswunschmobil: Das Team des Kinderwarenbasars Walpertskirchen hat diese beachtliche Summe ans BRK Erding übergeben.
Hilfe fürs Wunschmobil
Rentner-Schicksal in Dorfen: Zu reich für die Tafel, zu arm für neue Kleider
Nach Krankheiten und Schicksalsschlägen kommen ein Rentner-Ehepaar und ihr schwerbehinderter Sohn kaum über die Runden. 
Rentner-Schicksal in Dorfen: Zu reich für die Tafel, zu arm für neue Kleider
Wahlkampf mit Wein und Facebook
Die Freien Wähler Erding (FW) freuen sich auf die Kommunalwahl. Pünktlich zum Wahlkampfauftakt konnte Vorsitzender Benedikt Hoigt einige Neumitglieder im Gasthaus Blauer …
Wahlkampf mit Wein und Facebook

Kommentare