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Beim Festakt der 1250-Jahr-Feier 1997 saß neben Siegfried Fischer (mit Fliege) auch Ehefrau Hildegard in der ersten Reihe. Dabei waren (v. l.) Landrat Xaver Bauer, Weihbischof Bernhard Haßlberger, Prälat Sigbert Benker und Sebastian Enninger.

„Wir leben von unserer Offenheit“

Isens Bürgermeister Siegfried Fischer verabschiedet sich nach 24 Jahren

Sein Büro hat Bürgermeister Siegfried Fischer bereits leergeräumt. Nach vier Perioden übergibt er nun sein Amt an Irmgard Hibler.

Isen – Sein Büro hat Bürgermeister Siegfried Fischer bereits leergeräumt. Der in der Vergangenheit stets hohe Stapel der Unterlagen, die noch bearbeitet werden müssen, ist zu einem kleinen Häufchen auf dem Schreibtisch zusammengeschrumpft. Und die gut 100 E-Mails und Briefe sind längst verschickt, mit denen sich der scheidende Bürgermeister von den Menschen in Behörden, Ämtern und Firmen verabschiedet hat, mit denen er über die Jahre zusammengearbeitet hat. Auch die letzte Sitzung mit dem Gemeinderat hat Fischer bereits hinter sich.

Viel Lob hatte er für die Arbeit des Gremiums übrig, für dessen Überparteilichkeit und Gemeinsinn. Von Trennungsschmerz oder Wehmut war in seiner Abschiedsrede aber nichts zu merken. Dieselbe Krawatte habe er während der ersten Sitzung vor fast 24 Jahren angehabt, erzählt er. „Damit schließt sich der Kreis“, schloss er mit einem Scherz.

Schon im Rathaus

Bevor Fischer Bürgermeister wurde, hat der passionierte Fußballer und Trainer als Verwaltungsangestellter im Isener Rathaus gearbeitet, wo er mit Rentenangelegenheiten zu tun hatte. Polemik musste er in den ersten Wahlkämpfen einstecken, weil er als gebürtiger Isener im benachbarten Lengdorf wohnt, der Heimatgemeinde seiner Frau Hildegard. In einem Pressegespräch nach den ersten 100 Tagen als Bürgermeister erklärte er, dass seine Frau und die Kinder sein Amt „gut aufnehmen“. Seine beiden Kinder sind inzwischen erwachsen; seine Gattin, die nie gern in der Öffentlichkeit stand, dürfte nach 24 Jahren ein Ende der Amtszeit herbeisehnen.

Eigener Kopf

Als Fischer frischgewählt im Alter von 42 Jahren seine erste Sitzung leitete, sei Isen noch „wesentlich dörflicher als heute“ gewesen, erinnert er sich 24 Jahre später. Der Einstellung, „das ham ma scho oiwei so gmacht“, habe er seine damals eigenen Ideen entgegengesetzt, „auch wenn ich dabei den einen oder anderen vor den Kopf gestoßen habe“.

Das Anzapfen beim Isener Volksfest konnte – wie 1997 – auch mal spritziger werden.

Aber genau dadurch, dass er sich auch nicht von den eigenen politischen Reihen habe lenken lassen, „habe ich schnell das Vertrauen der anderen gewonnen“, blickt er auf seinen Anfangsjahre als Bürgermeister zurück. 

Die ersten Sporen hat sich der neue Bürgermeister mit der 1250-Jahr-Feier des Marktes Isen verdient. Innerhalb kurzer Zeit wurde damals ein völlig neues Konzept entwickelt. Dass das Fest, dessen Veranstaltungen sich fast das ganze Jahr 1997 hinzogen, so erfolgreich wurde, trug wesentlich zur Popularität des jungen Bürgermeisters bei.

Die Aufbruchstimmung, die sich auch auf Kultur und sogar die Wirtschaft der Kommune auswirkte, habe auch dazu geführt, dass Isen „offener und freier wurde, dass auch Menschen, die hier herziehen, gerne hier leben“, meint Fischer.

Weitblick

24 Jahre später und um 2000 auf nahezu 6000 Einwohner gewachsen, sei Isen weiterhin weder Dorf noch Stadt, aber „infrastrukturell gut aufgestellt“. Rathaus und Kinderbetreuung, Kläranlage und Wasserversorgung seien aber nur einige Maßnahmen, die den Ort vorangebracht hätten: Durch den jüngsten Kauf von Grundstücken und der Vorbereitung neuer Baugebiete habe er einen „Schubs geben wollen, dass wieder mehr voran gehen kann“.

Was die künftige Bürgermeisterin Irmgard Hibler und der neue Gemeinderat daraus machen, sei deren Sache. „Die sollen die Dinge nach ihrer eigenen Façon machen. Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen mein Möglichstes getan, dass gut weitergearbeitet werden kann.“

Einen Wunsch hat er allerdings: „Ich wünsche mir, dass die Offenheit gegenüber dem Neuen erhalten bleibt“. Denn Tradition sei „gut und schön, wir leben aber von unserer Offenheit“. Dazu gehöre auch, weiteres Wachstum zuzulassen. „Isen verträgt noch mehr Einwohner“, antwortet er deshalb auf die Frage nach potenziellem Wachstum.

Soziales Gewissen

Wie viele Stunden Fischer damit verbracht hat, sich persönlich um in Not geratene Mitbürger zu kümmern, ist nicht zu beziffern. Wie er im Gespräch betont, habe er immer gern geholfen. „Ich wollte auch immer ein Bürgermeister für die Leute sein, die Sorgen und Nöte haben“, sagt er. Deswegen habe er immer auch den persönlichen Kontakt zu den Betroffenen gesucht – und es nie bei warmen Worten bewenden lassen. Dass viele Bürger seinen Rat und seine Unterstützung gesucht haben, habe ihm gezeigt, dass man ihn akzeptiere.

Dabei hat er weder Unterschiede nach sozialer Herkunft oder Nationalität gemacht. Seine Aufzählung der Herkunftsländer der Isener Einwohner, die er bei der Bürgerversammlung vortrug, schloss er regelmäßig mit den Worten „und sie sind uns alle willkommen“. Die „Blutauffrischung“ durch Zuzügler habe Isen keineswegs geschadet, meint er rückblickend. Im Herbst 2013, als die ersten Flüchtlinge nach Isen kamen, hatte er bereits ein Netzwerk an Helfern ins Leben gerufen. Mit dem Resultat, dass Isen einen der ersten Helferkreise hatte.

Ideengeber

Ob er ein guter Bürgermeister gewesen sei? Diese Frage will Fischer dem Urteil der Bürger überlassen. Die haben ihn immerhin viermal gewählt, stets mit deutlicher Mehrheit auch bei Gegenkandidaten. Was einen guten Bürgermeister seiner Meinung ausmacht, kann er allerdings beantworten. „Er muss die Vorstellung haben, wie Bereiche wie Gesamtentwicklung oder Baugebiete in zehn, 15 Jahren ausschauen können. Vor allem aber muss er die Fähigkeiten besitzen, Leute mit anderen Vorstellungen einzubeziehen und nicht an seinen eigenen Ideen zu hängen.“

Mit einem Knopfdruck nahm fischer im September 1996 die Druckleitung in Betrieb, über die das Burgrainer Abwasser in das Isener Klärwerk geleitet wurde.

Nicht immer ist ihm das gelungen: Viel Kritik gab es für den Neubau des Rathauses, das vielen Isenern nicht nur wegen seiner kühlen Ästhetik nicht gefiel, sondern auch wegen der Kosten, die es verursachte. Dass heute viele Kommunen im Landkreis die Notwendigkeit erkennen, ihren Verwaltungen ein modernes Domizil zu geben, erfüllt Fischer mit Befriedigung. 

Und die Kosten, die inzwischen abgezahlt sind? „Wir haben einen Zweckbau errichtet, wie er dem Standard entspricht, wenn man verantwortungsvoll baut“. Tatsächlich seien ein nicht unwesentlicher Teil der Baukosten Maßnahmen wie Parkdeck und Tiefgarage geschuldet gewesen. Zwei Maßnahmen, von denen man heute wisse, dass sie sinnvoll waren, fügt er an.

Eines habe er mit dem Rathaus aber nie bezwecken wollen, nämlich sich selbst ein Denkmal zu setzen. „Meine Denkmäler liegen unter der Erde“, hat er einmal gesagt und spielte auf Kanal und Kläranlage an.

Warner

Viel Anerkennung hat Fischer durch seine Reden eingefahren. Ob bei Vereinsjubiläen oder beim Neujahrsempfang, immer war er bemüht, dem Anlass gerecht zu werden. Auch seine Dankesrede an die Gemeinderäte enthielt neben dem Hinweis auf die Leistungen auch eine Warnung vor gesellschaftlichen Entwicklungen, die er mit Skepsis betrachtet.

Die jüngste Vergangenheit habe gezeigt, wie leicht es sei, „mit bloßen Behauptungen und selbst gestrickten Thesen jahrelange sorgfältige Arbeit oder einzelne Personen zu diskreditieren“. Im Blick hatte er dabei die sozialen Netzwerke und das versuchte Bürgerbegehren, durch das die geplante Generalsanierung der Schule durch einen Neubau ersetzt werden sollte. Eine Initiative, die ihm den Abschied leichter gemacht habe, bekennt er.

Entscheidungsfreude

Als Bürgermeister steht Fischer zu seinen Entscheidungen. Gibt es etwas, was er anders machen würde? Nein, sagt er. Aber er bedauert, dass manches lange gedauert hat. Wie das Probenheim der Blaskapelle, für das erst am Ende seiner Dienstzeit eine Lösung entwickelt werden konnte. Oder dass sich anderes wie ein neuer Sportplatz gar nicht realisieren ließ, weil man beim TSV seine Bemühungen um eine Erweiterung der Sportstätte am aktuellen Standort abgelehnt habe.

Mannschaftsspieler

Im Rathaus habe er es stets mit vielen guten Leute zu tun gehabt. Ein wichtiger Mensch sei sein früherer Verwaltungschef Werner Christofori gewesen, dessen Kompetenz „einen Teil des Erfolgs“ ausgemacht habe. „Ich hatte in meinem Leben das Glück, immer die richtigen Leute getroffen zu haben.“ Die saßen nicht nur als seine Mitarbeiter im Rathaus, Bauhof und den gemeindlichen Einrichtungen, sondern auch im Gemeinderat. „Vorbildlich“ nennt er die Räte, deren Entscheidungen immer vom Wirken für Isen, nie von eigenen Interessen geleitet gewesen seien,

Einen Rat will Fischer seiner Nachfolgerin Irmgard Hibler nicht geben. Er wolle sich nicht einmischen. Wie bei ihm selbst vor vielen Jahren sei auch bei ihr „Learning by doing“ angesagt.

Traumberuf

So wie er nie den „Glamour der Prominenz“ gesucht habe, wollte Fischer, der sich gern als „kleiner Dorf-Bürgermeister“ bezeichnet hat, nie etwas anderes sein als Bürgermeister. Ambitionen, eine politische Karriere zu machen, hatte er nie. Auch im Kreistag geht es für ihn – anders als für seinen Fraktionskollegen Georg Els, den scheidenden Bürgermeister von Forstern – nicht weiter.

Rentner

Mit fast 66 Jahren und gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe, ist Fischer froh, in den Ruhestand gehen zu können. „Ausschlafen“, nannte er bei diversen Verabschiedungen durch die Vereine als Beschäftigung der nächsten Wochen. Danach habe er endlich Zeit zum Lesen und Gitarrespielen. Und körperlich will er fitter werden, deswegen steht auch Radfahren auf seinem Programm.

Anne Huber

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