Timo Aichele, stellv. Redaktionsleiter

Kommentar

Debatte um Schweinestall bei Isen: Wer ist hier eigentlich für Tierwohl?

  • vonTimo Aichele
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Bei Isen wurde der Bau einer neuen Schweinemast beantragt. Anwohner machen dagegen mit einer Online-Petition mobil. Unser Kommentar.

Das tägliche Fleisch auf dem Teller ist ein Thema, bei dem die Emotionen hochkochen. Das zeigt der Streit um den geplanten Schweinemastbetrieb bei Isen. Denn viele Unterzeichner der dagegen laufenden Online-Petition argumentieren mit dem Protest gegen Massentierhaltung.

Um Massentierhaltung würde es hier aber nicht gehen. Geplant ist ein sogenannter Tierwohl-Stall mit 220 Sauen. Es sollen Strohschweine sein, die Auslauf nach draußen bekommen und eben nicht auf Spaltenböden leben, sondern etwas artgerechter auf Stroh. Wer selbst Fleisch isst, müsste eine Haltung nach solchen Standards befürworten.

Am Rande bemerkt: Wer aus Tierliebe Vegetarier geworden ist, den halte ich persönlich für ein Vorbild. Selbst bin ich diesen Schritt nicht gegangen, muss das aber öfter mal mit meinen vegetarisch lebenden Kindern diskutieren.

Doch die Moral ist nur ein Aspekt. Die mindestens 90 Prozent Fleischesser in Deutschland wollen versorgt werden, und die Landwirte übernehmen diese Aufgabe. So betriebswirtschaftlich nüchtern ist die Grundlage für die geplante Investition bei Isen. Bei aller ethischer Berechtigung geht Fundamentalkritik an der Viehhaltung in diesem Fall also an der Sache vorbei. Dass der Landwirt auf höhere Tierwohl-Standards setzt, nimmt vielen Unterstützern der Petition damit eigentlich den Wind aus den Segeln.

Es ist dennoch das gute Recht der Anwohner, dagegen mobil zu machen. Niemand muss Geruchsbelästigung und Landschaftsversiegelung kommentarlos hinnehmen. Die Online-Petition garantiert ihnen maximale Aufmerksamkeit. Doch unter den bisher gut 300 Unterzeichnern wohnen sehr viele nach Angaben der Homepage nicht einmal in der Nähe. Auch ein Herr aus Luxemburg protestiert mit. Es ist also absolut verständlich, dass der Landwirt diese geballte Online-Kritik als Hetze versteht. Der Weg der weltweit abrufbaren Online-Petition wird so zu einer ziemlich mächtigen Keule für lokale Streitigkeiten.

In unserer Zeitung wollten die Initiatoren übrigens ihre Namen nicht sehen, während sie auf der Petitions-Homepage für jeden nachzulesen sind. Erst vor diesem Hintergrund hat auch der Antragsteller um Anonymität in unserem Bericht gebeten.

Das Projekt ist im Außenbereich, der Ortsrand liegt einen Kilometer entfernt hinterm Ziegelwerk. Landschaftsschutz könnte für die Genehmigung ein größeres Hindernis werden als der Immissionsschutz. Denn der nächste Nachbar wäre nicht ein Privatmann, sondern die Müllumladestation Isen. Es wird spannend, wie das Landratsamt all das bewertet.

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